Touristikunternehmen: TUI sollte seine verlorene Vision wiederfinden

Touristikunternehmen: TUI sollte seine verlorene Vision wiederfinden

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Michael Frenzel, der Vorstandsvorsitzende des Reise- und Schifffahrtskonzerns TUI

Konzernchef Michael Frenzel muss endlich wahrmachen, was er vor elf Jahren angekündigt hat: die Konzentration auf das Tourismusgeschäft.

Es sollte der ganz große Coup werden: 1998, vier Jahre nach seinem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender von Preussag, begann Michael Frenzel, den Stahldinosaurier in einen Tourismuskonzern zu verwandeln. Das Reisegeschäft, so sein Argument, sei zukunftsträchtiger, profitabler und nicht so schwankend. Konsequent umgesetzt hat Frenzel seine Vision nie. Zwar verkaufte er das Stahlgeschäft und erhob die Reisemarke TUI zum Konzernnamen. Mit der Übernahme der britischen Thomson Travel Group im Jahr 2000 kürte er TUI sogar zum weltgrößten Touristikkonzern.

Doch bis heute konnte er sich nicht von der Containerschifffahrt trennen, die er mit dem Erwerb von Hapag Lloyd 1997 erhalten hatte. Die Sparte warf jahrelang Gewinne ab. Doch nun leidet sie erheblich unter der Finanz- und Wirtschaftskrise. Daran ändert auch die Gnadenfrist nichts, die der Bund Hapag und damit TUI jetzt verschafft hat, indem er für Bankkredite in Höhe von 1,2 Milliarden Euro bürgt. Damit kann Hapag in den nächsten zwölf Monaten zumindest die Kosten des Tagesgeschäfts decken.

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Hapag Lloyd mit riesigen Verlusten

Frenzels strategischen Fehler behebt die Bürgschaft indes nicht. Hapag wird 2009 voraussichtlich 900 Millionen Euro Verlust einfahren, im nächsten Jahr werden es wohl 500 Millionen Euro minus sein. Dass Hapag Kredite an TUI zurückzahlt, ist ausgeschlossen, solange es der Schifffahrt nicht besser geht. Experten erwarten die Trendwende erst 2015.

Die Lage bei der Konzernmutter TUI ist inzwischen so prekär, dass die britische Tochter TUI Travel Darlehen in Höhe von einer Milliarde Euro vorzeitig an die deutsche Mutter zurückzahlt – und zwar in vier Tranchen immer dann, wenn die Mutter selbst Kredite und Anleihen zurückzahlen muss. Die relativ gesunde britische TUI Travel muss sich dann an anderer Stelle Geld beschaffen, wird etwa Wandelanleihen im Wert von 325 Millionen Euro ausgeben, die von den Zeichnern in wenigen Jahren in Aktien eingetauscht werden können. Damit die Mutter TUI dann nicht ihre Mehrheit von 52 Prozent an TUI Travel verliert, müsste sie selbst Aktien nachkaufen. Doch dafür fehlt ihr das Geld.

Zehn Prozent weniger TUI-Reisende in diesem Jahr

Spätestens jetzt müsste Frenzel die Containerschifffahrt abstoßen — etwa über die Börse. Der Kapitalmarkt wäre bereit, einzusteigen. Auch könnte Frenzel seinen Hapag-Lloyd-Anteil an einen strategischen Investor aus Asien verscherbeln, wo es durchaus Interessenten gibt. Da TUI ohnehin nur 43 Prozent der Schiffslinie besitzt, bliebe die Aktienmehrheit in den Händen der übrigen deutschen Aktionäre. Selbst die Hamburger Lokalpatrioten könnten damit leben.

Viel Geld würde TUI zwar nicht für Hapag bekommen. Aber der Touristikkonzern könnte sich endlich auf Touristik konzentrieren. Denn auch dort gibt es Probleme: In diesem Sommer reisten zehn Prozent weniger Gäste mit TUI in den Urlaub, die Buchungen für den kommenden Winter gehen noch stärker zurück. Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, könnte es dramatisch werden. TUI braucht jeden Euro als Puffer – und für Expansionen in China, Indien und Russland. Dort könnte der Konzern jetzt günstig einkaufen – hätte er das Geld dazu.

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