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Touristikunternehmen: TUI sollte seine verlorene Vision wiederfinden

von Christian Schlesiger

Konzernchef Michael Frenzel muss endlich wahrmachen, was er vor elf Jahren angekündigt hat: die Konzentration auf das Tourismusgeschäft.

Michael Frenzel, der Quelle: dpa
Michael Frenzel, der Vorstandsvorsitzende des Reise- und Schifffahrtskonzerns TUI Quelle: dpa

Es sollte der ganz große Coup werden: 1998, vier Jahre nach seinem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender von Preussag, begann Michael Frenzel, den Stahldinosaurier in einen Tourismuskonzern zu verwandeln. Das Reisegeschäft, so sein Argument, sei zukunftsträchtiger, profitabler und nicht so schwankend. Konsequent umgesetzt hat Frenzel seine Vision nie. Zwar verkaufte er das Stahlgeschäft und erhob die Reisemarke TUI zum Konzernnamen. Mit der Übernahme der britischen Thomson Travel Group im Jahr 2000 kürte er TUI sogar zum weltgrößten Touristikkonzern.

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Doch bis heute konnte er sich nicht von der Containerschifffahrt trennen, die er mit dem Erwerb von Hapag Lloyd 1997 erhalten hatte. Die Sparte warf jahrelang Gewinne ab. Doch nun leidet sie erheblich unter der Finanz- und Wirtschaftskrise. Daran ändert auch die Gnadenfrist nichts, die der Bund Hapag und damit TUI jetzt verschafft hat, indem er für Bankkredite in Höhe von 1,2 Milliarden Euro bürgt. Damit kann Hapag in den nächsten zwölf Monaten zumindest die Kosten des Tagesgeschäfts decken.

Hapag Lloyd mit riesigen Verlusten

Frenzels strategischen Fehler behebt die Bürgschaft indes nicht. Hapag wird 2009 voraussichtlich 900 Millionen Euro Verlust einfahren, im nächsten Jahr werden es wohl 500 Millionen Euro minus sein. Dass Hapag Kredite an TUI zurückzahlt, ist ausgeschlossen, solange es der Schifffahrt nicht besser geht. Experten erwarten die Trendwende erst 2015.

Die Lage bei der Konzernmutter TUI ist inzwischen so prekär, dass die britische Tochter TUI Travel Darlehen in Höhe von einer Milliarde Euro vorzeitig an die deutsche Mutter zurückzahlt – und zwar in vier Tranchen immer dann, wenn die Mutter selbst Kredite und Anleihen zurückzahlen muss. Die relativ gesunde britische TUI Travel muss sich dann an anderer Stelle Geld beschaffen, wird etwa Wandelanleihen im Wert von 325 Millionen Euro ausgeben, die von den Zeichnern in wenigen Jahren in Aktien eingetauscht werden können. Damit die Mutter TUI dann nicht ihre Mehrheit von 52 Prozent an TUI Travel verliert, müsste sie selbst Aktien nachkaufen. Doch dafür fehlt ihr das Geld.

Zehn Prozent weniger TUI-Reisende in diesem Jahr

Spätestens jetzt müsste Frenzel die Containerschifffahrt abstoßen — etwa über die Börse. Der Kapitalmarkt wäre bereit, einzusteigen. Auch könnte Frenzel seinen Hapag-Lloyd-Anteil an einen strategischen Investor aus Asien verscherbeln, wo es durchaus Interessenten gibt. Da TUI ohnehin nur 43 Prozent der Schiffslinie besitzt, bliebe die Aktienmehrheit in den Händen der übrigen deutschen Aktionäre. Selbst die Hamburger Lokalpatrioten könnten damit leben.

Viel Geld würde TUI zwar nicht für Hapag bekommen. Aber der Touristikkonzern könnte sich endlich auf Touristik konzentrieren. Denn auch dort gibt es Probleme: In diesem Sommer reisten zehn Prozent weniger Gäste mit TUI in den Urlaub, die Buchungen für den kommenden Winter gehen noch stärker zurück. Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, könnte es dramatisch werden. TUI braucht jeden Euro als Puffer – und für Expansionen in China, Indien und Russland. Dort könnte der Konzern jetzt günstig einkaufen – hätte er das Geld dazu.

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.10.2009, 20:01 UhrBond007 Hannover

    Michael Frenzel muss und wird die Containerschiffahrt abstoßen. Selbst wenn der Erlösmaximal 50% des investments beträgt, entledigt er sicher des Risikos, mit den zweiten 50% sicher verlustig zu gehen. Mit dem erzielten Erlös können dann die restöichen TUi Travel Anteile erworben werden und das Touristikgesachäft ist wieder deutsch und stärkt die deutsche Wirtsachaft. Dann aber wird es Zeit abzudanken für den großen Meister und Platz zu machen für kompetente touristische Nachfolger, die mehr können als nur Strippen zu ziehen. Spätestens wenn Erzfeind Fredriksen in den Aufsichtsrat einzieht, ist für Michael Frenzel spätestens auf der nächsten Hauptversammlung Schluss. Und wer weiss, vielleicht ist der Deal ja schon perfekt und die Hapag Lloyd Containerlinie wird zu Fredriksens norwegischer Low-Cost-Shipping-Company. Wundern würde das niemanden. Viel Glück !

  • 14.10.2009, 01:27 UhrSchlauberger

    11/9 nicht vorhersehbar
    Wirtschaftskrise haben nicht einmal die Weisen erkannt
    Preussag/TUi Kurs wie alle Aktien ein Spielball von Analysten und investmentbankern
    warum hält sich herr f wohl so lange
    dumm kann das ja nicht sein

  • 13.10.2009, 22:02 UhrIch schon wieder

    TUi ist nur noch eine leere Hülle und eigentlich überflüssig geworden.
    Tourismus und Schifffahrt können als eigenständige Firmen existieren und benötigen die Führung durch Hr. Frenzel nicht mehr.
    im übrigen wird es endlich endlich endlich Zeit dass man diesen schlechtesten aller Firmenleiter endlich entlässt.
    Hr. Frenzel ist schlicht und einfach ein totaler Versager auf seiner Position. Warum er immer noch diese Position inne hat wäre sicherlich einen Untersuchungsausschuss wert. Wer Zweifel an meiner Position habt der sei mal auf den Kurs der Aktie Preussag/TUi verwiesen.

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