Toyota: Geschäftsmodell veraltet

Toyota: Geschäftsmodell veraltet

Bild vergrößern

Akio Toyoda

Die Katastrophe in Japan hat Toyota schwer getroffen. Jetzt droht der Toyota-Gründerenkel die Krise des japanischen Autokonzerns noch zu verschärfen.

Die entscheidende Frage stellte Satoshi Ozawa. „Wie lange können wir noch darauf bestehen, in Japan zu produzieren?“, raunte der Finanzvorstand des japanischen Autoriesen Toyota in die Runde. Die Antwort kam von dem Herrn links neben Ozawa. „Toyota wurde in Japan geboren, ist dort aufgewachsen und jetzt ein globales Unternehmen“, sagte Akio Toyoda, Enkel des Konzerngründers und seit zwei Jahren an der Unternehmensspitze. „Ich liebe Japan und will unsere Fertigungstradition hier stark halten.“

Der öffentliche Schlagabtausch Mitte Mai ist der endgültige Beweis, dass das Geschäftsmodell des größten Autokonzerns von gestern ist. Das Klammern am Heimatmarkt, einst Garantie für niedrige Herstellungskosten und gewinnbringenden Verkauf im Ausland, ist zur Fessel geworden. Der seit 2008 starke Yen und die extreme Abhängigkeit vom atomgeplagten Inselproduktionsstandort lassen Herstellung und Absatz bröckeln. Statt in kostengünstigere Regionen zu ziehen und mehr Teile von sichererem Terrain zu beziehen, gibt der Nachfahr den Patrioten. Toyota baut 42 Prozent seiner Fahrzeuge in Japan, aber verkauft dort nur 19 Prozent.

Anzeige

So weihte Toyoda im Februar in Ohira in der Provinz Miyagi wieder eine neue Fabrik in Japan ein. Die einheimische Presse wertete dies als Loyalitätsbeweis für den Erhalt der Arbeitsplätze in Japan. „Diese Fabrik wird eine gewaltige Rolle dabei spielen, unser weltweites Netzwerk zu stärken“, behauptete Vize-Präsident Atsushi Niimi bei der Einweihung. Der Tsunami durchkreuzte die Pläne. Produktionsausfälle kosteten Toyota allein im März eine Milliarde Euro. Wochenlang standen Bänder still, danach fuhren sie mit halber Kraft. Im Juni wird Toyota die Produktion erst auf 90 Prozent der Kapazität hochfahren. 30 Zulieferteile bleiben knapp. Lange Lieferzeiten und reduzierte Modellauswahl lassen Kunden abwandern. 2011 wird ein Horrorjahr.

Absatz der fünf größten Autohersteller von Januar bis März 2011

Absatz der fünf größten Autohersteller von Januar bis März 2011

Die Probleme treffen Toyota in einer ohnehin krisenhaften Situation. Japans Autokonzerne Toyota, Nissan und Honda verdienten von Januar bis März je Fahrzeug im Schnitt 500 Euro Betriebsgewinn — ein lächerlicher Wert im Vergleich zur Konkurrenz. Volkswagen fuhr pro Auto 1450 Euro Gewinn ein, Hyundai Motor (ohne Kia) aus Südkorea 1300 Euro.

Die Ertragsschwäche bei Toyota zieht sich zudem schon durch das ganze Finanzjahr 2010, das bis Ende März lief. Das reine Autogeschäft erreichte eine operative Marge von nur 0,8 Prozent des Umsatzes. Fast 70 Prozent des Betriebsgewinns steuerte die Finanzsparte mit ihrem Rekordergebnis von fast drei Milliarden Euro bei – Toyota, eine Bank mit Autofabrik.

Toyota gibt Spitzenposition ab

Analysten sind sich einig: 2011 gibt der Autobauer den Spitzenplatz nach drei Jahren an General Motors zurück. Womöglich fällt das einstige Branchenvorbild sogar hinter Volkswagen und Hyundai/Kia auf Platz vier zurück. Die im Februar verkündete „Globale Vision“  – zehn Millionen Autos pro Jahr, knapp neun Milliarden Euro Betriebsgewinn, fünf Prozent Bruttomarge – ist in weite Entfernung gerückt.

Vielleicht straft Gründerenkel Toyoda alle Skeptiker Lügen, indem sein neues Werk eine Revolution in der Autofertigung bringt. In Ohira gibt es weniger Roboter, weil Reparatur und Programmierung zu aufwendig sind. Es wird von Hand geschweißt. Karosserien stehen quer zur Bandrichtung, dadurch lässt sich an beiden Seiten gleichzeitig am Fahrzeug arbeiten. Bandlänge und Fertigungszeit wurden um ein Drittel verkürzt. 900 Beschäftigte sollen so jährlich 120.000 Fahrzeuge der Modelle Yaris und Corolla bauen, teilweise für den Export in die USA.

Die Fertigung in Ohira ist so kompakt, dass sie auf andere Toyota-Standorte außerhalb Japans übertragen werden könnte. Einziges Manko zurzeit: Das Erdbeben legte auch die Supersparfabrik lahm, bevor die Produktion in Schwung kam.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%