Traditionsmarke Quelle: Meine Quelle

Traditionsmarke Quelle: Meine Quelle

von Jürgen Salz, Lothar Schnitzler und Stephanie Heise

Mit dem Niedergang von Quelle endet eine Tradition. Über Jahrzehnte kauften hier die Deutschen Marken wie Privileg und Revue. WirtschaftsWoche-Redakteure erzählen ihre ganz eigenen Geschichten mit dem Versandhaus.

Leben auf Härtegrad vier

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Quelle-Besitzerin Grete Schickedanz mit Modeberater Heinz Oestergaard im Jahr 1967

Da standen sie vor der Tür, zwei Männer in Latzhosen, heftig keuchend nach vier Stockwerken Matrazentransport: "Hier bitte unterschreiben." "Quelle" stand gut sichtbar auf den Latzhosen der Männer und auf der Pappverpackung des Versandguts. 199 Deutsche Mark hatte die Matraze gekostet - 1,60 Meter breit und zwei Meter lang, Härtegrad vier.

Ich hatte die durchgelegenen, versüfften Matrazen satt, die damals, Anfang der siebziger Jahre, zum Standard studentischer Wohngemeinschaften zwischen der Kölner Südstadt und dem sogenannten belgischem Viertel gehörte, wollte einfach besser liegen und hatte im Quelle-Laden um die Ecke die Bestellung aufgegeben.

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In den ersten Wochen musste ein Provisorium - vier Hohlblocksteine unter einem Lattenrost als Trägermedium für die Neuanschaffung - genügen. Ein paar Monate später bauten meine WG-Kumpel Jörg, Pädagagik-Student, und Hans, Rechtsreferendar, mit mir ein Kastenbett aus Fichtenbrettern.

Bett und Matraze sollten mich noch fast zwanzig Jahre begleiten (Ich weiß, Matrazen gehören nach spätestens zehn Jahren entsorgt) und - zumindest in der ersten Zeit nach dem Erwerb - etliche Umzüge durch die Kölner WG-Szene durchmachen. Die Matraze erwies sich dabei - trotz Härtegrad vier - immer wieder als nicht versiegende Quelle erquickender Entspannung.

Irgendwann in den frühen Neunzigern kam es zum Bruch. Das gute Stück war verbraucht. Man war sich fremd geworden, schlimmer noch: Man konnte sich nicht mehr riechen. Auch die seligen WG-Zeiten waren vorbei, nach und nach waren die Mitbewohner ausgezogen, ich war Einzelmieter geworden. Den Umzug in die eheliche Wohnung im bürgerlichen Köln-Marienburg wollte ich ihr, die so gut wie nie etwas anderes als Wohngemeinschaften kannte, nicht zumuten.

Ich habe die Matraze Monika und Ulrich aus der Nachbar-WG vermacht. Ich kam mir wie ein Verräter vor. Später nutzte Eva, Monikas Freundin, das Quelle-Stück. Sie nahm die verbrauchte Schlafhilfe sogar mit als sie nach Berlin-Friedrichshain umzog. Dort verlieren sich ihre Spuren. Vermutlich fand sie ihr Ende in der Müllverbrennungsanlage Berlin-Ruhleben.

Lothar Schnitzler

Mein Privileg-Herd und ich

Plakat in der Zentrale des Quelle: dpa

Plakat in der Zentrale des Versandhauses Quelle

Bild: dpa

Unser Haus wurde Ende der fünfziger Jahre gebaut. Seitdem steht wahrscheinlich der Privileg-Herd in der kleinen Küche. Als ich vor fünfzehn Jahren dort eingezogen bin, habe ich ihn mit übernommen. Ein einfaches Gerät: Vier Kochplatten, fünf Schalter, ein Backofen. Mein Privileg-Herd ist älter als ich. Ich hab mal gelesen, dass die Geräte in der DDR produziert wurden. Die DDR gibt es schon seit zwanzig Jahren nicht mehr - Privileg hat die DDR überlebt.

Zugegeben: Übermäßig viel habe ich den Privileg nicht beansprucht. Ich bin kein leidenschaftlicher Hobbykoch. Doch, wenn ich ihn brauchte, war er immer für mich da. Zuverlässig, ohne Macken und Altersschwächen.

Kommendes Jahr wollen wir bei uns im Haus die Wasserleitungen erneuern. Die stammen auch noch aus den fünfziger Jahren. Wie mein Privileg-Herd - doch für den brauche ich so schnell keinen Ersatz.

Jürgen Salz

Revue in Bildern

1974 - mit acht Jahren - bekam ich zu Weihnachten meinen ersten richtigen Fotoapparat. Keine teure Spiegelreflexkamera, sondern ein ganz schlichtes Gerät. Gekauft hatten meine Eltern das bei Quelle, allerdings nicht aus dem Katalog, sondern im Kaufhaus. Die Marke hieß Revue, dass das eine Quelle-Eigenmarke war, interessierte mich nicht.

Jahrelang habe ich damit fotografiert, die Kamera hat diverse Stürze heil überstanden und hielt so lange, dass ich sie irgendwann voll funktionsfähig gegen ein besseres Gerät ausgetauscht habe. Weil man so etwas ja nicht wegwirft, lag sie dann jahrelang im Keller. Kaufen wollte das gute Stück auf dem Flohmarkt auch niemand mehr. Beim letzten Umzug habe ich sie dann in eine Reste-Kiste "zu verschenken" gepackt und die an die Straße gestellt.

Am nächsten Tag war alles weg, auch die Kamera. Vielleicht fotografiert noch jemand damit. Revue-Kameras verkauft Quelle jedenfalls heute noch.

Stephanie Heise

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