Traditionsunternehmen: Krupp wird 200 Jahre alt

Traditionsunternehmen: Krupp wird 200 Jahre alt

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Rauch und Dampf steigen aus den Schloten im Stahlwerk von ThyssenKrupp

von Andreas Wildhagen

Krupp wird 200 Jahre alt - eine Geschichte, die niemanden kalt lässt.

Industriegeburtstage sind meistens etwas peinlich, weil das Alter einer Firma kaum etwas über ihren Erfolg aussagt - außer dass sie es geschafft hat, über die Epochen hindurch meistens mit völlig unterschiedlichen Produkten ihren Namen zu erhalten. Krupp wird 200 - aber das älteste deutsche Unternehmen ist die ehemalige Waffenschmiede aus Essen keineswegs. 1811 wurde die Eisengießerei von Friedrich Krupp gegründet, der Nachkomme des Holländers Arndt Krupe stellte damals Bestecke und Kochtöpfe her, einen großen Bedarf an Rohstahl gab es zu jener Zeit nicht. Aber diese Historie, so beeindruckend auch immer, ist nichts gegen die Weihenstephaner Brauerei, die im Jahr 1040 gegründet wurde, ohne dass Näheres über Jubiläumsfeiern bekannt wurde. Das Alter bestimmt das Datum einer vergilbten Lizenz, die es einem Mönch erlaubte, Bier zu brauen - nichts anderes rechtfertigt diese Firmentradition. Anders verhält es sich da schon mit der Hamburger Feuerkasse, die 1675 gegründet wurde und die seither Sachversicherungen anbietet - das ist echte Kontiunität bei einem Dienstleistungsprodukt, das hohen Beratungsbedarf durch die Jahrhunderte abdeckt.

Für Tradition ist Krupp zuständig, für das Geschäft Thyssen - so könnte man die Arbeitsteilung der beiden Konzernteile beschreiben, die in den vergangenen elf Jahren immer enger zusammengewachsen sind. Der heutige ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger lässt sich keinem Flügel mehr zurechnen. Er kam im Oktober des vergangenen Jahres von Siemens und sieht ThyssenKrupp als Ganzes, über eigene Netzwerke innerhalb des Doppelkonzerns verfügt er nicht. Auch die anderen Vorstände Olaf Berlien, für das Industriegeschäft zuständig, Stahlchef Edwin Eichler und Finanzchef Kerkhoff sind keine Thyssen- oder Krupp-Gewächse. Berlien kommt von Zeiss, Eichler von Bertelsmann und Kerkhoff von der Telekom. Für sie ist die alte Krupp-Geschichte nicht mehr interessant.

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Vom Kochgeschirr zur Kanone

Krupp, als ehedem schwächerer von beiden Unternehmensteilen des Konzerns ThyssenKrupp, ist extremen Wandlungen unterworfen gewesen - bei den Produkten und als Teil der Politik in Deutschland. Aus der Schmiede für Kochgeschirr wurde 1847 dann eine Eisengießerei für Radreifen, 1859 wurden die ersten Waffen hergestellt, denen Krupp seinen Aufstieg verdankte. 1864 kauft Krupp dann Kohlezechen und Erzgruben hinzu und wird damit zum größten Konzern Europas. Die Familie Krupp, die in der heute noch für Besucher zugänglichen Villa Hügel wohnte, war im Vergleich weitaus reicher als heute Bill Gates. Kaiser Wilhelm II. und Adolf Hitler waren ständige Besucher auf der Villa Hügel. Diesen Teil der Geschichte kehrt die Krupp-Stiftung heute gern unter den Teppich. Dafür geht die Krupp-Internetseite der Stadt Essen umso kritischer mit dem weitaus berühmtesten Unternehmen der Stadt um. Die Essener Stadtväter, über Epochen reine Befehlsempfänger der mächtigen Familie Krupp, wollen am Image der Familie zwar nicht wirklich kratzen ("großes soziales Engagement"), nehmen aber beispielsweise den ZDF-Film über die Krupps aufs Korn. Die Rolle von Krupp in der Nazizeit werde in der ZDF-Reihe beschönigt, die Familie habe sich den Nazis "angedient", heißt es da wenig schmeichelhaft.

Das Krupp-Archiv ist für die meisten Forscher verschlossen. Der ehemalige Krupp-Testamentsvollstrecker Berthold Beitz, der Vorsitzende der Krupp-Stiftung, ist sehr restriktiv bei der Erteilung einer Zugangserlaubnis. Jetzt werden jedoch anlässlich des Jubiläums historische Fotos vor allem aus dem Werk in der Villa Hügel gezeigt. Eine Industriefamilie Krupp gibt es nicht mehr, sowenig wie eine Industriefamilie Thyssen. Und der 97-jährige Beitz, der vom letzten Krupp Alfried 1953 zum Testamentsvollstrecker ernannt wurde, ist noch so fit, dass er die wichtigsten Entscheidungen im Konzern noch mitträgt. Ohne ihn läuft gar nichts im Unternehmen, dass seinen Sitz im Oktober von Düsseldorf nach Essen verlegte. Das Hauptquartier von ThyssenKrupp steht auf dem Boden der alten Gußstahlfabrik von Krupp. Auch hier dient Krupp als Traditionsträger, weniger als Geschäfts- und Erlösbringer.

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