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Transfer-Karussel: Das Millionenspiel der Scheichs

von dapd Quelle: Handelsblatt Online

Europas Clubs werden zu Spielwiesen steinreicher Investoren. Mehrere Vereine haben für die kommende Saison mit Millionen aus Nahost aufgerüstet. Insgesamt wurden in den Top-Ligen mehr als drei Milliarden Euro bewegt.

Mit Millionen aus Katar konnte Paris den argentinischen Stürmerstar Javier Pastore verpflichten. Quelle: handelsblatt.com
Mit Millionen aus Katar konnte Paris den argentinischen Stürmerstar Javier Pastore verpflichten. Quelle: handelsblatt.com

Die reinen Zahlen sind für den Normalbürger mit bescheidenem Dispo im Grunde verstörend. 3,04 Milliarden Euro haben die fünf großen europäischen Ligen bei Transfers umgesetzt. Allein in den vergangenen zwei Monaten. Die Bilanz der Vereinswechsel von und nach England, Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland ist dabei, wenig überraschend, negativ. Ausgaben für neue Profis in Höhe von 1,72 Milliarden Euro stehen Einnahmen von 1,32 Milliarden gegenüber (Quelle für alle Summen: transfermarkt.de). Viel ausgegeben haben dabei vor allem die großen Vereine, vorzugsweise mit Fremdinvestor.

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Ganz vorne in der Ausgabenliste stehen mit Manchester City und Paris St. Germain zwei aus der arabischen Ölregion geförderte Klubs. Hier gilt: Scheich gleich reich gleich kaufwütig. Die Qatar Investment Group beispielsweise, die PSG zu neuem Ruhm führen will, zahlte 89 Millionen Euro für neue Spieler, alleine 43 Millionen davon für Javier Pastore. Der Argentinier führte US Palermo im vergangenen Jahr auf den achten Platz in Italien. Nur sein Landsmann Sergio Agüero (von Atletico Madrid zu Manchester City) war als Rekord-Transfer des Sommers noch einmal zwei Millionen teurer.

Sowieso kauften die Top-Klubs aus England am fleißigsten ein: Manchester City mit 92,5 Millionen Euro, Chelsea (85,7 Millionen), Liverpool (65,2), Arsenal (61,6) und ManUnited (57,3) haben mit zusammen 362,3 Millionen Euro deutlich mehr Geld für neue Stars ausgegeben, als alle 38 Klubs der französischen Ligue 1 und der Bundesliga zusammen. Beim FC Arsenal stehen Ausgaben von 61,6 Millionen Euro Erlöse von 71,4 Millionen gegenüber, vor allem aufgrund der Verkäufe von Samir Nasri (zu ManCity) und Cesc Fabregas (Barca). 133 Millionen Euro - mehr Geld floss nur in Spaniens Hauptstadt, jedoch nicht wie sonst gewohnt bei Real, sondern bei Atletico Madrid, das bei 68 Millionen Euro Ausgaben und 82 Millionen Einnahmen insgesamt 150 Millionen Euro bewegte.

Die kleineren Klubs jedoch müssen sparen, auch in Spanien. Bei den Großen oder denen, die sich dafür halten, spielt Geld jedoch keine Rolle. Dort kaufte der FC Malaga, wie PSG mit Unterstützung aus Katar, neun Neue für insgesamt 58 Millionen (darunter die Ex-Hamburger Joris Mathijsen und Ruud van Nistelrooy). Der FC Barcelona gab 55 Millionen für den Chilenen Alexis Sanchez (Udinese Calcio) und die Heimkehr von Fabregas aus, Real Madrid investierte den gleichen Betrag, davon zehn Millionen in Dortmunds Nuri Sahin.

Apropos: Die Bundesliga liegt mit Ausgaben von 152,6 Millionen Euro tatsächlich noch deutlich hinter der französischen Ligue 1 (192,6 Millionen) nur auf dem fünften Platz in Europa. Außergewöhnlich aktiv auf dem Markt war im Grunde nur der FC Bayern, der mit einem Transferdefizit von 39 Millionen Euro die hiesige Liga praktisch im Alleingang in die roten Zahlen zog. In Manuel Neuer (22 Millionen) und Jerome Boateng (13,5 Millionen) stellen die Münchner auch die beiden teuersten Transfers. Felix Magath vom VfL Wolfsburg mühte sich jedoch bis zur letzten Minute, die Lücke zu schließen. Vorläufiges Endresultat: 21,4 Millionen für ein Dutzend neuer Spieler.

Mehr Fluktuation als bei Magath gab es nur bei Italiens Topklubs: Der AS Rom und Juventus Turin, die mit knapp 79 und 86 Millionen Euro auch zu den Top-Einkäufern des Sommers gehörten, verpflichteten je 15 neue Profis. Offenbar sollen nach der enttäuschenden Vorsaison - Rom wurde Sechster, Juve gar nur Siebter - ein kompletter Neuanfang gestartet werden.

Neu waren in dieser Transferperiode auch die Aktivitäten des bislang eher unbekannten Klubs Anschi Machatschkala, der für 60,7 Millionen Euro Spieler in den Kaukasus lockte, darunter für 26 Millionen Samuel Eto'o von Inter Mailand. Dem Kameruner überweist der Emporkömmling aus der russischen Teilrepublik Dagestan 20 Millionen Euro jährlich - netto.

 

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