Treibgase: Kohlendioxidausstoß nimmt zu

Treibgase: Kohlendioxidausstoß nimmt zu

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Grafik: Kohlendioxid.

von Dieter Dürand

Weil die Speicherung politisch nicht durchsetzbar ist, droht der Ausstoß des klimaschädlichen CO2 bis 2022 deutlich zuzunehmen.

Wen es dieser Tage in beschauliche Städtchen wie Husum, Bensersiel oder Beeskow verschlägt, begegnet auch dort in der Provinz dem neuen politischen Typus des Wut-Bürgers. Mit Fackelzügen, Unterschriftenaktionen und Protestplakaten wehren sich aufgebrachte Menschen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und der ostdeutschen Altmark gegen Pläne der Bundesregierung, Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) auf Dauer in 1000 Meter tiefen Gesteinsschichten unter ihren Füßen zu deponieren. Das Klimagas wird zuvor aus den Abgasen von Kohlekraftwerken abgetrennt. Carbon Capture and Storage, kurz CCS, nennen Experten das Verfahren.

Bis 2017 wollte die Bundesregierung die Technik in Pilotprojekten erproben. Die Endlagerung im Untergrund sollte Deutschlands Klimabilanz verbessern. Unter dem Eindruck der geballten Bürgerwut hat der Bundesrat den entsprechenden Gesetzentwurf jedoch Ende September gestoppt. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Harry Carstensen hatte dafür früh die Devise ausgegeben: „Gegen den Willen der Bevölkerung werden wir so etwas nicht machen.“

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Eckpfeiler der Energiewende

Damit ist ein weiterer Eckpfeiler der Energiewende in Deutschland politisch tot. Fritz Vahrenholt, Chef für erneuerbare Energien beim Essener Stromriesen RWE, ist entsetzt. „CCS ist in Deutschland faktisch nicht machbar.“ Dabei halten selbst Naturschützer eine Erprobung prinzipiell für vernünftig – aus Sorge um das Klima.

Denn werden in Deutschland, wie beschlossen, bis 2022 alle Atomkraftwerke abgeschaltet und ihre Stromproduktion größtenteils auf Kohlekraftwerke verlagert, erhöhen sich die jährlichen CO2-Emissionen um 64 Millionen Tonnen auf etwas mehr als 358 Millionen Tonnen – ein Anstieg um 22 Prozent. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) errechnet. Das Ziel der Bundesregierung, den CO2-Ausstoß Deutschlands bis 2012 gegenüber 1990 um 21 Prozent zu senken, sei damit „ernsthaft gefährdet“, sagt DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert. Zu erreichen sei es nur, wenn alternativ wesentlich schneller mehr Gebäude energetisch saniert würden. Dafür müsse die staatliche Förderung massiv aufgestockt werden, was zurzeit politisch jedoch ebenfalls blockiert ist.

Vattenfall erwägt Kraftwerk aufzugeben

Nach dem vorläufigen Aus für die CO2-Speicherung erwägt der schwedische Energiekonzern Vattenfall, sein 1,5 Milliarden Euro teures CCS-Demonstrationskraftwerk im brandenburgischen Jänschwalde aufzugeben. Das Projekt, das die Europäische Kommission mit 180 Millionen Euro fördert, ist das einzige seiner Art in Deutschland. Vattenfalls Deutschland-Chef Tuomo Hatakka wundert sich, wie hier mit einer für Klimaschutz und Industriestandort wichtigen Technik umgegangen werde. Offenbar hat er die Macht der Wut-Bürger unterschätzt.

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