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Trennung vom Netz: E.On verkauft sich frei

von dpa/AP/rtr

Mit einem Verkauf seines Strom-Übertragungsnetzes will der Versorger E.On einen Konflikt mit der EU-Kommission beilegen.

Zankapfel Stromnetz: Nun will Quelle: dpa
Zankapfel Stromnetz: Nun will E.On sein Leitungsnetz verkaufen und so Stromerzeugung und -übertragung voneinander trennen Quelle: dpa

Außerdem bietet der Energieriese der EU-Kommission an, 4.800 Megawatt Kraftwerksleistung an Wettbewerber abzugeben. Im Gegenzug erwartet der Konzern eine Einstellung der derzeit laufenden Kartellverfahren der EU-Kommission.

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E.On betonte, mit dem überraschenden Angebot wolle der Konzern die Auseinandersetzungen mit der EU-Kommission im Strombereich „konstruktiv beenden“ und dem Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt im Interesse der Verbraucher noch stärkere Impulse geben.

E.On will die eigenen Übertragungsnetze allerdings nur an einen Betreiber veräußern, der nicht im Bereich der Stromerzeugung oder Stromversorgung tätig ist. Die EU-Kommission will nun prüfen, ob die E.On-Pläne die Kartellprobleme lösen.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur könnte es inzwischen bereits einen Deal zwischen E.On und der EU-Kommission geben, die das von ihr eingeleitete Missbrauchsverfahren beenden würde. Das Unternehmen hatte wie andere Energieversorger auch Razzien über sich ergehen lassen müssen.

Die jetzige Überraschungsofferte könnte ein wichtiger Schritt zu sinkenden Strompreisen sein. Denn die Tatsache, dass sich in Deutschland Stromnetze und Kraftwerke in einer Hand befinden, gilt als eines der größten Wettbewerbshindernisse auf dem deutschen Strommarkt.

Die EU-Kommission fordert deshalb seit langem eine Zerschlagung der Stromkonzerne. Die E.On-Konkurrenten auf dem Strommarkt wollen offenbar nicht mitziehen: Die Nummer zwei auf dem deutschen Markt, der Essener RWE-Konzern, kündigte an, er wolle auch weiter an seinen Hochspannungsnetzen festhalten. „Für uns gibt es gute Gründe, die Netze bei den Energieversorgern zu belassen“, sagte eine Sprecherin.

Die von der EU vorgeschlagene eigentumsrechtliche Entflechtung sei der falsche Weg. Der Konzern werde die Bundesregierung bei ihrem Bemühen unterstützen, Alternativen zu den Plänen der EU zu entwickeln.

Auch der baden-württembergische Stromversorger EnBW erklärte, er plane zur Zeit keine freiwillige Trennung von Netz und Stromerzeugung. Ein Sprecher des vierten großen Stromversorgers in Deutschland, Vattenfall, signalisierte dagegen etwas mehr Flexibilität: „Wir prüfen aus unternehmerischer Sicht alle Optionen für die Zukunft unserer Höchstspannungsnetze. Dabei sind auch andere Eigentümerstrukturen denkbar“, sagte er. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Wichtig sei für Vattenfall, dass die Lösung einen echten, unabhängigen europäischen Strommarkt gewährleiste.

Verbraucherschützer begrüßen E.On-Pläne

Bundeskanzlerin Angela Merkel sei von der überraschenden Nachricht wenig erbaut gewesen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Kein Wunder: Denn die Bundesregierung versucht derzeit, die Pläne der EU-Kommission zur Zerschlagung der Energiekonzerne zu verhindern.

Auf der Jubiläumsfeier der Bundesnetzagentur bekräftigte Kanzlerin Angela Merkel, dass sie den Zwangsverkauf von Netzen nicht unterstützen werde. „Das ist kein Garant für Wettbewerb“, betonte sie.

Verbraucherschützer begrüßten dagegen die E.On-Pläne und forderten von der Bundesregierung ein Konzept für die Trennung von Netz und Produktion. „Die Bundesregierung muss Vorschläge machen, wie eine ordentliche Netzinfrastruktur sichergestellt wird“, sagte Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen dem „Tagesspiegel“.

Eine Möglichkeit sei, dass der Staat die Netze wieder in sein Eigentum nehme. Die Fernübertragungsnetze der Stromversorger umfassen zusammen knapp 35 200 Kilometer, auf E.On entfallen nach Angaben des Unternehmens davon rund 10.600 Kilometer. Der Wert der E.On-Leitungen wird auf mehr als eine Milliarde Euro veranschlagt. Daneben gibt es örtliche Verteilernetze.

Erst am Wochenanfang war bekannt geworden, dass E.On den Verkauf der Stadtwerke-Holding Thüga plane. In der Thüga sind die Beteiligungen an rund 129 kommunalen Versorgern gebündelt. Nach Informationen aus Branchenkreisen prüft E.On eine Veräußerung von Thüga, um sich auch auf diesem Weg dem regulatorischen Druck durch Bund und EU zu entziehen.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.02.2008, 13:54 UhrAnonymer Benutzer: power

    Die bundesregierung wird sich noch wundern und die Nein Danke Politiker erst recht. Wir dünnen in den nächsten Jahren die Kraftwerke aus (Atomausstieg) und damit wird das Netz so instabil das niemand mehr investieren will. Niemand trägt dann die Verantwortung für Stromausfälle. Politiker sind das größte Sicherheitsrisiko für Deutschland. Jetzt wird es endlich deutlich und die Wähler begreifen dann wen sie wählen müssen wenn der Fernseher abends aus bleibt. Tolle Strategie von e.on "Wenns am schönsten ist muss man verkaufen und hinterher billig zurückkaufen."

  • 28.02.2008, 18:08 UhrAnonymer Benutzer: Raholio

    Die Netze in Deutschland werden durch die bundesnetzagentur kontrolliert und die Gebühren für Netzdurchleitung sind geregelt bzw. begrenzt. Welcher investor kauft einen Laden, der keine Gewinne machen darf oder der nur seine Kosten decken darf???bleibt also nur der Staat als "Käufer" (der hat aber kein Geld). Also am besten die Netze verstaatlichen. Dann geht die richtige Abzocke erst los. Staat wird neben den ohnehin schon horrenden Steuern jetzt noch die Netzgebühren erhöhen, um weitere Haushaltslöcher zu stopfen (das nenne ich eine Quersubventionierung par exelance)! bravo EU-Kommission! Genialer Vorschlag, weiter so. Wie wär's mit der Zerschlagung der EU-Kommision als nächstes?Dann hätte Deutschland wirklich was davon und müsste für diese bürokratischen Parasiten nichts mehr zahlen.

  • 28.02.2008, 17:48 UhrAnonymer Benutzer: LOLercoaster

    Strafe abgewendet, marodes Netz wird verkauft. Armutszeugnis für die EU Kommission

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