Trotz Aufschwungs: Wie die Krise die Unternehmen verändert hat

Trotz Aufschwungs: Wie die Krise die Unternehmen verändert hat

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Viele Banken mussten in der Krise erleben, wie es nicht geht: Sie büßen ihre Unabhängigkeit ein.

von Harald Schumacher, Hans-Jürgen Klesse und Anke Henrich

Auch wenn die Konjunktur wieder brummt: Die Krise ist für deutsche Unternehmen nicht abgehakt. Anders als bei vorherigen Einbrüchen hat sie in allen Branchen zu Veränderungen geführt, die von Dauer sein werden.

BMW und VW wissen jetzt, wie es geht. Um drei lange Jahre Krise und Nachfrageschwund abzuwettern, ließen sich die Belegschaften auf so flexible Arbeitszeiten ein wie nie zuvor. Das wird auch so bleiben. Die Commerzbank und manche Landesbanken wissen jetzt, wie es nicht geht. Ihre Risikofreude kostete sie die Unabhängigkeit. Die rettende staatliche Umklammerung bremst nun die Vorstände. Zugleich zähmt die europäische Bankenaufsicht alle Geldinstitute mit neuen Vorschriften von restriktiveren Boni bis zu höheren Eigenkapitalanforderungen. Dieses Rad wird auch in besseren Zeiten nicht zurückgedreht.

Der familiengeführte Wälzlagerhersteller Schaeffler überlebte die waghalsige Übernahme des Reifenherstellers Continental, die durch den Börseneinbruch im September 2008 fast zum Totalverlust des Schaeffler’schen Vermögens führte, nur mithilfe von Banken und Gewerkschaften. Seither müssen die Schaefflers die Macht im Haus teilen. Dem erfolgsverwöhnten Welthafen Hamburg ist nach zehn Jahren Wachstum in der Krise die Konkurrenz enteilt. Viele Zubringerverkehre wanderten nach Antwerpen und Rotterdam ab, weil die Transporte von dort aus preiswerter waren. Die Hamburger sind in der Rangliste der weltgrößten Häfen auf Platz 16 abgestürzt. Die Aufholjagd wird Jahre dauern.

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Manager erwarten oft schwächeres Wachstum als 2010

Solche Erfahrungen teilen in Deutschland Hunderte bekannte Mittelständler und Tausende unbekannte Kleinbetriebe. Für viele von ihnen haben sich ihre Märkte und Rahmenbedingungen durch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise unwiderruflich geändert. Das hatte Konsequenzen: Ob mehr Liquidität in den Kassen als Krisen-Puffer, mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten, neue Finanzierungsformen wegen restriktiverer Banken oder mehr Reserven in der Produktion nach Problemen mit pleitegegangenen Zulieferern – viele aus der Not der Krise geborenen Veränderungen werden noch weit länger Bestand haben.

Ein Grund dafür: 64 Prozent der Manager erwarten, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr schwächer wächst als 2010, ergab eine „Handelsblatt“-Umfrage. Diese Meinung teilen sie mit vielen Ökonomen: Forscher warnen vor einer erneuten Rezession, weil die anderen Länder der Euro-Zone schwächeln und sich die Schuldenkrise womöglich noch zuspitzt. Zu frisch sind die Wunden in den meisten deutschen Unternehmen. Niemals zuvor hat eine Krise so schnell und global vorgeführt, wie eng verwoben Wirtschaft, Banken, Länder und Währungen längst sind – und wie anfällig sie das macht.

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hat soeben die Auswirkungen auf den deutschen Maschinenbau untersucht. Studienleiter Karl Lichtblau kommt zu dem Schluss: „Für viele Unternehmen ist dieses verschärfte Tempo eine noch nicht gekannte Dimension des Strukturwandels und damit ein veritabler Strukturbruch.“ Drei unumkehrbare Trends treffen alle Branchen und Betriebsgrößen gleichermaßen: Die Unternehmen brauchen dauerhaft Alternativen zum klassischen Bankkredit, neue Arbeitszeitmodelle müssen tariflich forciert und altgediente Unternehmensstrategien vor allem zur Kostenreduzierung überdacht werden. Sie könnten in der nächsten Krise tödlich sein.

Die Mehrzahl der deutschen Betriebe gibt wieder Gas. Doch die Richtung hat sich verändert. Neue Produkte, Kundengruppen und Märkte werden anvisiert, weil sie Standhaftigkeit in turbulenten Zeiten versprechen. So gründete die Fräger-Gruppe, Antriebsspezialisten aus Nordhessen, mitten in der Krise eine Firma für Elektroautos und erstaunte binnen Monaten die renommierte Konkurrenz. Mit diesem Auto habe Fräger schon jetzt gewonnen, sagt Geschäftsführer Andreas Graewingholt: „Wir zeigen unseren Kunden, wie kompetent wir sind, und profilieren uns als attraktiver Arbeitgeber“.

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