Trump trifft Trudeau: Kanadas Konzernchefs fürchten einen Handelskrieg

Trump trifft Trudeau: Kanadas Konzernchefs fürchten einen Handelskrieg

, aktualisiert 13. Februar 2017, 17:06 Uhr
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Der Chef des Ölförderers Suncor hofft auf den Einfluss des neuen US-Außenministers Tillerson, der auch aus der Ölindustrie kommt.

Quelle:Handelsblatt Online

Öl, Düngemittel oder Autoteile: Der Freihandel zwischen Kanada und den USA brummt. Doch die Politik von Präsident Trump lässt kanadische Unternehmer einen Handelskrieg fürchten. Kann Premier Trudeau den heute verhindern?

Ottawa/Washington/DüsseldorfVor 30 Jahren unterzeichneten Kanada und die USA die ersten Freihandelsabkommen. Daraus erwuchs eine gigantische Freihandelszone, so verwoben wie kaum eine andere auf der Welt. Doch nun bedrohen Trumps Wahlversprechen den 541 Milliarden Dollar schweren Warenaustausch.

Zum einen will Trump das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) neu verhandeln. Zum anderen unterstützt er den Plan einer Grenzsteuer. Sie würde Importe mit einer Art Strafsteuer belegen während Exporte steuerfrei werden. Für einige der größten kanadischen Unternehmen wie den Ölförderer Suncor Energy und den Autozulieferer Magna sind das schlechte Nachrichten. Beide Maßnahmen würden die Kosten in die Höhe treiben – und die Profite schmälern.

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„Alle Handelshindernisse zwischen den USA und Kanada würden die Preise für Autos verteuern und sich auch sonst für alle negativ auswirken“, sagte Don Walker, Chef des kanadisch-österreichischen Autozulieferers Magna. Sein Unternehmen ist wichtigster Zulieferer für General Motors, Ford und Fiat Chrysler.

Warenlieferungen in die USA machen 76 Prozent aller kanadischen Ausfuhren aus. Die wichtigsten Exporteure sind Autobauer sowie Öl- und Gasproduzenten. Im vergangenen Jahr lieferten diese beiden Branchen jeweils Waren im Wert von 46 Milliarden Dollar in die USA, 30 Prozent der Gesamtexporte. „Wir müssen über jede Veränderung der Handelsbeziehungen zu unserem wichtigsten Partner besorgt sein und uns damit befassen“, sagt der Investmentchef des Vermögensverwalters BMO Global Asset Management, Paul Taylor.

Kanadas Botschafter in Washington, David MacNaughton, will den „Kollateralschaden“ für Kanada bei Trumps Handelskampf gegen Mexiko und China deswegen möglichst gering halten. Die unsichere Zukunft der Handelsbeziehungen ist beim Treffen von Trump und Kanadas Premierminister Justin Trudeau als Thema Nummer eins erwartet. Trudeau dürfte in dem Gespräch mit Trump an diesem Montag in Washington fordern, Kanada von möglichen Änderungen des nordeuropäischen Handelsabkommens Nafta auszunehmen.

Stephen Schwarzman, Chefstratege im Beraterstab von Justin Trudeau, sagte, sein Premierminister müsse sich keine besonders großen Sorgen machen. Der Handel zwischen den USA und Kanada sei ausgeglichen. Auch die kanadischen Aktienmärkte lassen kaum Sorge über Trump erkennen. Der Leitindex S&P/TSX Composite legte seit Trumps Wahlsieg um 7,3 Prozent zu. Der kanadische Dollar stieg im gleichen Zeitraum um 1,6 Prozent.

Wie schnell sich Handelshindernisse auf die Kosten auswirken können, illustriert jedoch ein Dauerstreit über Nadelhölzer. Sie sind im Freihandelsabkommen der beiden Länder nicht erfasst. Seitdem die Verwirrung um mögliche US-Zölle auf Nadelholz zunimmt, sei auch der Preis gestiegen, sagte Wayne Guthrie, Bereichsleiter beim kanadischen Holzproduzenten Canfor. Trumps Regierung wirft seinem Nachbarland vor, die einheimischen Holzproduzenten mit Subventionen zu päppeln. Die Verhandlungen über den Streit dauern an.


Grenzsteuer könnte amerikanischen Unternehmen schaden

Eine Grenzsteuer könnte für die USA nach hinten losgehen, sagte der Präsident des kanadischen Bergbauverbands, Pierre Gratton. Sie treibe die Kosten für Rohstoffe, die amerikanische Unternehmen für ihre Produkte benötigten, in die Höhe. „Für die USA wäre eine Grenzsteuer auf Metalle und Minerale kontraproduktiv, weil so eine Steuer vor allem die amerikanischen Hersteller bestrafen würde.“ Zum Beispiel benötige die US-Industrie Nickel, um Stahl herstellen zu können. Kanadas Bergbauindustrie exportiert vor allem Eisen, Stahl, Aluminium, Gold und Kupfer in die USA.

Die Chefs anderer Unternehmen gehen davon aus, dass sich die kanadische Industrie an Nafta-Änderungen anpassen kann. „Wir haben schon immer mit einer Art Protektionismus aus den USA zu tun gehabt“, sagte Paul Soubry, Chef des größten Busherstellers in Nordamerika, New Flyer Industries. Damit meinte Soubry den Buy American Act. Er verpflichtet den amerikanischen Staat bereits seit 1933, US-Produkte denen anderer Länder vorzuziehen. New Flyer Industries verlagert deswegen schon heute einen Teil seiner Materialzufuhr in die US-Fabriken und zu amerikanischen Subunternehmen. „Die Volkswirtschaften Amerikas und Kanadas sind so verflochten wie die keiner anderen Nationen in der Welt“, sagte Soubry. „Wenn wir uns an ein neues Nafta anpassen müssen, dann werden wir das auch tun.“

Die kanadischen Öl-Exporteure hoffen, dass Trumps positive Einstellung zu ihrer Industrie mögliche Zölle oder Grenzsteuern ausgleichen kann. So hat Trump dafür gesorgt, dass der Bau einer riesigen Pipeline von Kanadas größten Ölsand-Feldern in Alberta in die USA wieder angelaufen ist. Außerdem hoffen die Öl-Unternehmen auf den ehemaligen Exxon-Chef Rex Tillerson – Trump hat ihn zum Außenminister gemacht.

„Der Außenminister hat große Erfahrung – nicht nur in der Ölindustrie sondern auch mit kanadischem Ölsand“, sagte Steve Williams, Vorstandschef des Ölförderers Suncor. „Unter ihm ist viel Geld in die Förderung von Ölsand investiert worden und er hat verstanden, dass kanadischer Ölsand auf lang Sicht entscheidend für die kontinentale Balance ist.“

Viele hoffen nun, dass Trump genau diese kontinentale Sichtweise auf den Handel würdigen wird. Während der nahezu unbegrenzte Zugang zu den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, für die kanadische Industrie extrem vorteilhaft war, sei der Freihandel auch für die USA ein Segen, sagt Jean-Francois Perrault, Chefvolkswirt der kanadischen Scotiabank. „Etwa 14 Millionen Jobs hängen vom Freihandel der USA mit Mexiko und Kanada ab“, sagte er. Fünf Millionen davon resultierten direkt aus Nafta.

„Es gibt eine tiefe Vernetzung aus dem Freihandel zwischen unseren Ländern“, sagte er. „Die USA, Mexiko und Kanada haben enorm von Skaleneffekten profitiert – ohne gemeinsamen Markt gäbe es die nicht.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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