TUI: Chinesen müssen Frenzels Kopf retten

TUI: Chinesen müssen Frenzels Kopf retten

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Michael Frenzel

von Christian Schlesiger

Wenn die chinesischen Pauschaltouristen nicht in Scharen kommen, kann TUI-Chef Michael Frenzel seine Koffer packen. Dass er überhaupt noch an der Spitze des größten Reisekonzerns der Welt steht, ist vielen unbegreiflich.

Chinesische Behörden arbeiten langsam. Seit 2003 buhlte der Reisekonzern TUI bei den zuständigen Ämtern in Peking um eine Lizenz, chinesische Touristen nach Europa holen zu dürfen. Jetzt, acht Jahre später, ist es so weit. Bei der Konzerntochter TUI Asien, einem Joint Venture mit dem lokalen Reiseveranstalter China Travel Service (CTS), arbeiten nun 80 Beschäftigte in Peking mit Hochdruck an der Strategie. Dieses Jahr sollen erste Pauschaltouristen aus China mit TUI nach Europa fliegen. Bisher kamen sie über chinesische Veranstalter.

Das Okay aus China, das im Juni von der breiten Öffentlichkeit kaum bemerkt in der TUI-Zentrale in Hannover eintraf, ist nicht nur das derzeitige Top-Thema und wichtigste Projekt der Konzerntourismussparte. Die Lizenz bietet zugleich Vorstandschef Michael Frenzel, der seit 17 Jahren die Geschicke in Hannover lenkt, die große Chance, seiner zweifelhaften Karriere doch noch einen krönenden Abschluss zu verpassen.

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Fortune zum Torschluss

Denn gehen die Hoffnungen, die Frenzel mit dem Start in China verbindet, in Erfüllung, winkt dem Unternehmen die späte, aber umso prallere Blüte. Mit der Lizenz ist TUI, größter Reisekonzern der Welt, der einzige Veranstalter Europas und einer von dreien weltweit, der künftig China-Touristen per Pauschalurlaub auf den Alten Kontinent holen darf. Das Joint Venture mit CTS führt TUI mit 75 Prozent der Anteile an. Die Konstellation ist ein Privileg, denn meist pochen Chinesen darauf, mindestens über 50 Prozent zu gebieten.

„Für TUI eröffnet sich in China ein riesiger Wachstumsmarkt“, sagt Tourismusexperte Karl Born von der Hochschule im Harz, der bis 2000 selbst acht Jahre lang im TUI-Vorstand saß. TUI verfüge nun über einen „entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten“, der sich in den kommenden zehn Jahren auszahlen könnte. TUI darf Urlauber nach Europa holen, während Wettbewerber wie Thomas Cook zuschauen müssen. Da die Zulassung ausländischer Veranstalter in China ein zäher Staatsakt ist, dürften Lizenzen auf absehbare Zeit die Ausnahme bleiben.

Es wäre ein später Triumph für den umstrittensten Konzernchef im Deutschen Aktienindex. Einst als größter Wertevernichter im Dax verspottet, könnte Frenzel zum Torschluss wenigstens einen Teil seiner Kritiker versöhnen. Dazu hat der heute 64-Jährige gut zweieinhalb Jahre Zeit, nachdem der Aufsichtsrat vor zwei Wochen seinen Vertrag bis März 2014, kurz nach seinem 67. Geburtstag, verlängerte.

Eine schillerndere und von mehr Niederlagen und Strategieschwenks gezeichnete Karriere hat bisher kaum ein Dax-Konzernlenker hingelegt. Als Frenzel 1994 als Chef anheuerte, war TUI ein Mischkonzern namens Preussag, der Stahl produzierte und Kosmetik herstellte. Frenzel wähnte höhere Renditen im Tourismus und baute um. Doch damit vernichtete er Börsenwert. Der Aktienkurs sank von 35 Euro auf knapp sieben Euro. TUI flog aus dem Dax und trennt sich nun auf Drängen von Aktionären von der Logistik, obwohl Frenzel das Gegenteil favorisierte. Die Stahltochter Salzgitter, die Frenzel 1998 verkaufte, ist heute fast 1,4 Milliarden Euro mehr wert als TUI. Gegner sahen Frenzel schon mehrfach am Ende.

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