TUI-Cruise Chef Vogel: "Mit Botox-Spritzen oder Zahn-Bleaching"

TUI-Cruise Chef Vogel: "Mit Botox-Spritzen oder Zahn-Bleaching"

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Richard Vogel

Lohnen sich Traumschiffe in der größten Wirtschaftskrise? TUI-Cruises-Chef Richard Vogel über den Einstieg des größten deutschen Veranstalters in den Kreuzfahrtmarkt und die Probleme des richtigen Timings bei TUI.

WirtschaftsWoche: Herr Vogel, am kommenden Wochenende startet der neue TUI-Kreuzfahrtdampfer „Mein Schiff“ zu seiner ersten Reise – mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Bestehen der Bundesrepublik und zu einer Zeit, in der die landgebundenen Reiseveranstalter über zweistellige Buchungsrückgänge klagen. Gerät Ihr neues Produkt schon auf der Jungfernfahrt in Seenot?

Vogel: Bestimmt nicht. Sicher, als wir das Joint Venture mit unserem Partner Royal Caribbean im Dezember 2007 starteten, sah die Welt noch anders aus und natürlich hätten wir uns einen schöneren Zeitpunkt vorstellen können. Aber den kann man sich nicht immer aussuchen...

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...also wieder mal das typische TUI-Problem: Gute Idee, aber immer genau der falsche Zeitpunkt – allein 2009 kommen zehn neue Schiffe auf den Kreuzfahrt-Markt, ist Überkapazität da nicht programmiert?

Ich kann nicht erkennen, warum der Zeitpunkt falsch gewählt sein sollte. Die Kreuzfahrt bleibt ein dynamisch wachsender Markt. Ihre Rechnung mit zehn neuen Schiffen stimmt auch nur bedingt: Auf dem deutschen Markt gibt es in diesem Jahr nur zwei Zugänge, die neue „Aida luna“ und „Mein Schiff“. Die neuen Schiffe unserer internationalen Wettbewerber werden nur zu einem Teil von deutschen Kunden gebucht.

Abgesehen davon: Das Lamento über drohende Überkapazitäten gibt es schon lange, aber jedes neue Schiff schafft neue Nachfrage. Entscheidend sind die mittel- und langfristigen Perspektiven und die sind vor allem in Deutschland hervorragend. 2008 hatten wir in Deutschland gut 900.000 Kreuzfahrtpassagiere, das sind etwas mehr als ein Prozent der Bevölkerung. In Großbritannien ist der Anteil doppelt so hoch, in den USA sogar viermal so groß. Der deutsche Kreuzfahrtmarkt hat also noch viel Potenzial...

...was aber nichts daran ändert, dass es kurzfristig offenbar Probleme gibt. Ihre Mitbewerber gehen mit Sonderangeboten auf den Markt, Ihr ehemaliger Arbeitgeber Aida verkauft Reisen bei Tchibo...

... das alles werden wir in der Form nicht mitmachen. Wir haben für unser Produkt ein Leistungsversprechen abgegeben und dafür brauchen wir einen bestimmten Preis. Wenn wir den nicht bekommen, stimmt die Kalkulation nicht mehr, und wir müssten Abstriche bei der Qualität machen. Das wollen wir nicht.

Mit Verlaub – auch TUI Cruises wirbt massiv mit Sonderangeboten: Rabatt für Familien mit Kindern, für Heiratswillige, die sich auf See trauen lassen und Pärchen in den Flitterwochen, dazu einige All-Inclusive-Reisen, bei denen Extrakosten für Getränke oder bestimmte Restaurants entfallen. Ist die Buchungslage so schlecht?

Mit den Hochzeits- und Flitterwochen-Reisen und den Pauschalpreisen für Kinder sprechen wir genau abgegrenzte Kundengruppen an. Mit den vier All-Inklusive-Reisen wollen wir testen, wie der Markt reagiert. Wir haben an einigen wenigen Stellen etwas nachjustiert, ohne unser Gesamtkonzept und dessen Kalkulation in Frage zu stellen. Und wir merken erfreulicherweise, dass sich die „Mein Schiff“ von oben nach unten verkauft – also die Balkonkabinen zuerst gebucht werden.

Auf welchem Preis basiert Ihre Kalkulation?

Wir gehen derzeit von einem Durchschnittspreis von rund 200 Euro pro Person und Tag aus. Das ist etwas mehr als Ferienhotels in einer vergleichbaren Kategorie in der Hochsaison kosten, aber deutlich günstiger als Traditionsschiffe wie etwa die „Queen Mary“.

Wie sieht der typische TUI-Cruises-Kunde aus?

Unsere Zielgruppe sind die Babyboomer – Menschen, die etwa 40 bis 50 Jahre alt sind, etwas geleistet haben, über eine gute Bildung und ein ordentliches Einkommen verfügen, die Qualität verlangen, ohne auf Luxus zu bestehen, die Komfort und Lässigkeit erwarten und von denen etliche Kinder im Schul- oder Vorschulalter haben. Auf deren Bedürfnisse haben wir auch die Angebote an Bord zugeschnitten: Es gibt Büfett-Restaurants und Restaurants mit Service – aber ohne Zuzahlung, ohne feste Tischzeiten und natürlich auch ohne Dress-Code. Wir haben ein umfangreiches Spa-Angebot mit zahlreichen klassischen Wellness-Anwendungen. Wer will, kann sich bei uns aber auch ein bisschen verjüngen lassen – mit Botox-Spritzen gegen die Falten oder einem Zahn-Bleaching für das strahlende Lächeln.

Solche Angebote gehörten bisher nicht gerade zur TUI-Kernkompetenz.

Aus diesem Grunde haben wir Kooperationen mit kompetenten Partnern geschlossen: für ein Restaurant mit dem Sylter Gastronom Jürgen Gosch, die Bord-Casinos werden von Century Casinos betrieben, im Spa und bei den Schönheitsanwendungen arbeiten wir mit der Clinic-im-Zentrum-Gruppe zusammen.

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