TUI: Hapag-Lloyd bleibt deutsch

TUI: Hapag-Lloyd bleibt deutsch

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Hapag Lloyd bleibt auch nach der Abtrennung von Tui in deutscher Hand

Am Ende war es nicht mehr die große Überraschung: Nachdem ein Wettbewerber aus Singapur sein Angebot für den Hamburger Reeder Hapag-Lloyd zurückgezogen hatte, blieb nur noch ein Konsortium Hamburger Kaufleute. Die erhielten auch den Zuschlag – und stehen jetzt vor einer gewaltigen Herausforderung.

Mit hanseatischem Understatement, aber voller Stolz verkündeten die Hamburger ihren Coup. Die Traditionsreederei Hapag-Lloyd legt nach Jahren als Teil des TUI-Konzerns aus Hannover wieder im „Heimathafen“ an, wie Ex-Finanzsenator Wolfgang Peiner sagte. Nach monatelangem Ringen siegte eine Hamburger Investorengruppe um den Transport- und Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne im Bieterstreit um die Reederei. Das aus Sicht der Hamburger vielfach gezeichnete Schreckensszenario, dass Asiaten Hapag-Lloyd übernehmen, ist abgewendet worden. Allerdings behält die TUI ein Drittel an Hapag-Lloyd.

Das Hauptziel sei erreicht worden, sagte Kühne. Hapag-Lloyd als wichtiges Unternehmen für den Logistikstandort Hamburg und Deutschland bleibe unabhängig und eigenständig, mit Sitz in der Hansestadt. Hapag-Lloyd könne nun unabhängig von Konzerninteressen agieren, fügte Christian Olearius hinzu, Sprecher der Geschäftsführung des Bankhauses Warburg.

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Doch der Deal kam nur wegen eines Kompromisses zustande. TUI hält über ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Hamburger Konsortium „Albert Ballin“ ein Drittel an Hapag-Lloyd. Nur diese Konstruktion habe es ermöglicht, den erzielten Preis zu erreichen, sagte TUI-Chef Michael Frenzel nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrats. Offensichtlich konnte oder wollte das Hamburger Konsortium Hapag-Lloyd nicht vollständig übernehmen.

Der Deal sieht vor, dass die TUI zunächst sämtliche Anteile der Hapag-Lloyd AG an eine Tochtergesellschaft des Hamburger Konsortiums zu einem Unternehmenswert von 4,45 Milliarden Euro verkauft, inklusive Schulden. Zugleich erwirbt die TUI AG eine unternehmerische Beteiligung von 33,33 Prozent für einen Kaufpreis von 700 Millionen Euro an der neuen Gesellschaft. Unterm Strich nimmt die TUI durch den Verkauf dem Vernehmen nach rund 1,4 Milliarden Euro ein.

Frenzel sagte, die TUI habe trotz „widriger Umfeldbedingungen“ einen Preis erzielt, der den fairen Wert auch unter normalen Marktbedingungen widerspiegle. Denn die Lage der Containerschifffahrt ist alles andere als rosig. Es wird ein Abschwung erwartet, die Frachtraten sinken. Zudem spitzte sich kurz vor Ende des Bieterverfahrens um Hapag-Lloyd die Finanzkrise zu. Doch Logistikunternehmer Kühne sieht dennoch gute Chancen für Hapag-Lloyd. In der Schifffahrt habe es immer ein Auf und Ab gegeben, insgesamt aber sei die Branche stets erfolgreich gewesen.

Der 71 Jahre alte Kühne war seit dem Frühjahr die treibende Kraft hinter dem Konsortium „Albert Ballin“. Kühne begründete sein Engagement mit der überragenden Bedeutung von Hapag-Lloyd für Hamburg und die deutsche Logistik-Branche, zudem mit seiner starken Verbundenheit mit seiner Heimatstadt.

,Auch den 2000 Hapag-Lloyd-Beschäftigten am Standort Hamburg fiel ein Stein vom Herzen. Sie hatten sich aus ihren gediegenen Büros auf die Straße gewagt und für den Erhalt ihres Unternehmens in Hamburg demonstriert. Auch der Hamburger Senat fand ungewohnt starke Worte. „In Hamburg ist die Einheit von starkem Staat und erfolgreicher Wirtschaft ein Fels in der Brandung“, sagte Finanzsenator Michael Freytag (CDU).

Kühne hatte den möglichen Verkauf an einen asiatischen Konzern „eine Katastrophe“ genannt. Doch die konkurrierende Reederei Neptune Orient Lines aus Singapur hatte sich am Freitag aus dem Bieterverfahren zurückgezogen. Sie war offensichtlich nicht bereit, ihr Angebot zu erhöhen.

Für die TUI bedeutet der Verkauf der Mehrheit an Hapag-Lloyd einen Einschnitt. Das nun alleinige Standbein, das Reisegeschäft, soll nun kräftig ausgebaut werden. Dabei sei eine Option auch, die ausstehenden Anteile an der Tochter TUI Travel zu übernehmen, hieß es. TUI Travel mit Sitz in London war aus der Fusion mit dem britischen Wettbewerber First Choice entstanden, die TUI hält 51 Prozent.

TUI will mit den Erlösen aus dem Hapag-Lloyd-Deal zudem Schulden abbauen, außerdem ist eine Sonderausschüttung an die Aktionäre geplant. Vor allem der norwegische Tankerkönig und TUI-Großaktionär John Fredriksen dürfte darauf dringen, dass so viel wie möglich in die Kasse der Aktionäre wandert.

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