TUI: Konzernchef Frenzel unterschätzt die Konkurrenz

TUI: Konzernchef Frenzel unterschätzt die Konkurrenz

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Das Logo des Touristikkonzerns TUI

von Christian Schlesiger

TUI ist im Rumpfgeschäftsjahr 2009 mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Prognosen von Konzernchef Michael Frenzel für den Reisemarkt im kommenden Jahr gehen aber an der Realität vorbei.

Lassen wir die Schifffahrt mal beiseite.

Der Touristikkonzern TUI hat in seinem Kerngeschäft, der pauschalen Urlaubsreise, in den ersten neun Monaten 2009 ein solides Ergebnis erzielt. Um rund fünf Prozent stieg das operative Ergebnis der Konzerntöchter TUI Travel, TUI Hotels & Resorts und TUI Kreuzfahrten im Vergleich zum Vorjahr auf nunmehr fast 700 Millionen Euro.

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Angesichts der heftigen Wirtschaftskrise kann sich das Ergebnis sehen lassen. Die für 2009 ausgerufene Strategie von Konzernchef Michael Frenzel scheint also aufzugehen: Der Konzern hat Hotelbetten und Flugsitzplätze aus dem Programm genommen, so auf Umsatz verzichtet, dafür aber die Marge gehalten.

Offenbar wiegt sich Frenzel aufgrund seiner Erfolge auf der sicheren Seite. Die Branche habe sich nach Jahren der Wachstumorientierung "jetzt zu einer renditeorientierten Industrie gewandelt“, so Frenzels frohe Botschaft. Und weiter: "Die Touristikindustrie ist reifer geworden."

Mit dieser Einschätzung liegt Frenzel aber falsch. Die optimistische Prognose, die der TUI-Chef daraus ableitet und für den deutschen Reisemarkt für das Jahr 2010 ausruft, entbehrt jeder Realität.

Offenbar scheint er die Signale zu übersehen, die die Konkurrenz in Interviews und in Pressemitteilungen verlautbart. Wachstum steht bei vielen Unternehmen vor Marge.

Wettbewerber Alltours eröffnt den Preiskampf

Alltours-Chef Willi Verhuven verkündete erst diese Woche per offizieller Verlautbarung, dass die Preise für den Sommer 2010 um durchschnittlich sieben Prozent sinken.

In beliebten Urlaubsregionen wie den Balearen und der Türkei purzeln die Preise gar um mehr als zehn Prozent. Außerdem erfreut Verhuven seine Kunden, die bereits einen Urlaub für Sommer 2010 bei Alltours gebucht haben, gar teilweise mit einer Rückerstattung vor Weihnachten. Verhuvens Vorpreschen ist nur der Anfang eines Preisverfalls, der im kommenden Jahr die gesamte Branche erschüttern wird.

Denn Alltours, Nummer vier unter den Reiseveranstaltern in Deutschland, ist nicht der einzige Anbieter, der sich zu einer aggressiven Marktstrategie entschieden hat. Auch die Touristiksparte der REWE Group will 2010 wachsen - das geht aber nur zulasten der eigenen Marge und verstärkt zu Schleuderpreisen. FTI-Chef Dietmar Gunz, Nummer fünf im Markt, wird auf einen Preiskampf ebenfalls mit Preissenkungen reagieren.

Er gibt sich seit Jahren mit einer niedrigen Rendite zufrieden. Es bleibt Thomas Cook unter den Top-5: Die Oberurseler werden wie TUI versuchen, die Marge oben zu halten, doch das wird nicht funktionieren.Die optimistischen Prognosen von TUI-Chef Frenzel werden daher nicht zu halten sein.

Frenzel rechnet mit einer "stabilen Entwicklung für das operative Ergebnis in unserem Kerngeschäft“,  selbst "wenn 2010 weiter durch die weltweite Wirtschaftskrise beeinflusst sein wird".

Doch damit spricht er gleich das zweite Damoklesschwert an, das über der Branche schwebt. Steigende Arbeitslosenzahlen und die Angst um den eigenen Job werden die Reisefreude eintrüben - nicht nur bei den Deutschen, sondern in ganz Europa.

Die Branche reagiert traditionell immer später auf konjunkturelle Einbrüche. Zusammen mit dem aggressiven Verhalten einiger Reiseveranstalter wird TUI weitaus stärker unter Druck geraten als dies Frenzel voraussagt - die Probleme bei der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd sind damit noch gar nicht mit eingerechnet.

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