Tupperware-Designchefin Susan Perkins: "Trends überspringen Grenzen"

Tupperware-Designchefin Susan Perkins: "Trends überspringen Grenzen"

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Perkins, 45, Geschäftsführerin der Tupperware Brands Corporation

Die Designchefin von Tupperware, Susan Perkins, über gute Funktion als Basis von hervorragendem Design.

WirtschaftsWoche: Frau Perkins, wir stecken in einer tiefen Wirtschaftskrise. Wen kümmert da noch Design?

Perkins: Gutes Design ist in schlechten Zeiten vielleicht noch wichtiger als sonst, denn da achten die Leute mehr darauf, was sie kaufen.

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Und da zählt auf einmal Schönheit?

Design ist mehr als Form. Gutes Design beinhaltet eben auch, dass die Dinge gut funktionieren und einfach zu bedienen sind.

Schön gestaltete Waren sind meist etwas teurer. Kaufen die Kunden nicht derzeit preiswertere Waren, weil sie weniger Geld haben?

Gespart wird aber eher in der Küche. Für uns gilt: Die Menschen gehen sorgsamer mit Lebensmitteln um, sie kochen häufiger selbst und heben mehr auf. Viele kaufen deshalb sogar mehr Tupperware. Wir haben bisher nicht sonderlich unter der Rezession gelitten.

Ihre Mitarbeiter und Sie sind gerade als Designteam des Jahres mit dem Red-Dot-Award ausgezeichnet worden. Was ist an der Traditionsfirma Tupperware innovativ?

Wir sind längst nicht mehr nur die Firma mit den Plastikbehältern. Wir haben Küchengeräte, Kochbesteck, Kinderspielzeug, Kochtöpfe und Geschirr für die Mikrowelle – aber eben alles im unverwechselbaren Tupper-Look.

Wie würden Sie den beschreiben?

Schlicht und durchdacht, mit einem sehr klaren Zweck, der sofort erkennbar ist. Die Formen sind geometrisch, aber durch die gerundeten Ecken wirken sie nicht streng.

Und diese Formensprache beruft sich auf die „Wunderschüssel“ im Programm, die Firmengründer Earl Silas Tupper 1946 erfunden hat?

Tupper war ein Genie. Die Produkte, die er kreiert hat, sind Ikonen und einfach zeitlos schön. Die werden sich auch in 60 Jahren noch verkaufen.

Was zeichnet diese Zeitlosigkeit aus?

Die eleganten Proportionen ebenso wie die vollkommene Funktion, die schönes Design erst zu gutem macht.

Was muss ein Designteam tun, um den Spagat zwischen Tradition und Innovation zu bewältigen?

Wir haben sehr klare Grundsätze, die unsere Designidentität ausmachen. Es müssen Produkte sein, die sehr einfach zu handhaben sind. Sie sollen ansprechend, warm und freundlich wirken. Und sie müssen haltbar sein. Das sind wir allein schon unseren Beraterinnen schuldig...

...die die berühmten Tupperpartys veranstalten...

...sie stehen persönlich dafür ein, dass die Produkte funktionieren. So sehen es zumindest die Kunden.

Wenn Sie das Design eines Produktes modernisieren, verkaufen Sie dann mehr davon?

Deutlich. In der Regel verändern wir ja nicht nur das Aussehen, sondern ver-bessern auch die Funktion; der Kunde -bekommt also einen Mehrwert. Beispielsweise haben wir unsere Käseboxen mit  einem Filtersystem ausgestattet, das die Feuchtigkeit reguliert.

Gab es einen Einschnitt in der Firmengeschichte, ab dem Tupperware nicht  länger seine Form auf Basis der Funktionalität gewählt hat?

Die Funktionalität ist für uns ein Imperativ – Tupperware muss ihren Zweck erfüllen. Vor einigen Jahren haben wir aber die Farbgebung aufgefrischt, um die Produkte fröhlicher und freundlicher scheinen zu lassen.

Mit Erfolg?

Als wir in den USA die Farben unseres Picknick-Geschirrs modernisierten, stieg der Absatz um 60 Prozent.

Wird durch die Globalisierung das Design einheitlicher?

Es gibt Trends, die so stark sind, dass sie kulturelle Grenzen überspringen.

Welche sind das?

Eine größere Aufmerksamkeit für gesunde Ernährung. Neuerdings auch für Wasser – sauberes, gutes, wohlschmeckendes Wasser.

Woher wissen Sie, was Ihre Kunden in den verschiedenen Ländern wollen?

Wir betreiben eine intensive ethnografische Forschung und schauen den Leuten über die Schulter: Wie und was kaufen sie ein? Wie verhalten sie sich in der Küche und beim Essen? Und dann versuchen wir uns vorzustellen, was morgen wird.

Auf welchen Trend bereiten Sie sich gegenwärtig vor?

Auf die Ökowelle. Wir sind in diesem Bereich ganz gut positioniert, weil unsere Produkte über Generationen halten, häufig sogar vererbt werden.

Aber wie kommen Sie an Teens und Twens heran, die Tupperpartys öde finden?

Wir setzen früher an. In Australien haben wir gerade ein Backset für Vier- bis Zehnjährige eingeführt, das auf die Ergonomie der Kinderhand zugeschnitten ist, mit fröhlichen, poppigen Farben. Da gibt es jetzt die ersten Partys für das Kochen und Backen von Eltern mit Kindern. Auf diese Weise sind die Kinder von klein auf mit Tupperware umgeben. Das prägt fürs Leben.

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