TV-Sender Al Jazeera: Tausend und eine Nachricht

TV-Sender Al Jazeera: Tausend und eine Nachricht

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Herrschers Liebling. Der Emir verdankt dem Sender einiges Ansehen

von Hans Jakob Ginsburg und Thomas Stölzel

Die Unruhen in Ägypten, Syrien und Libyen werden zur Sternstunde des arabischen Fernsehsenders. Al Jazeera nutzt den Erfolg für die globale Expansion und greift auch die westlichen TV-Riesen CNN und BBC an.

Nick Castellaro schwenkt seine Kamera in Richtung Ban Ki-moon. Es ist der Antrittsbesuch des Uno-Generalsekretärs im kleinen, steinreichen arabischen Emirat Katar. Wenige Schritte entfernt wartet Emir Hamad bin Khalifa al-Thani auf dem Rollfeld, um den hohen Gast zu empfangen. Doch als Castellaro die Kamera auf den Besucher aus New York richtet, begeht er einen schweren Bruch der Etikette: Der Australier dreht dem Emir seinen Rücken zu. Auf der Stelle nehmen Sicherheitskräfte den Kameramann in die Zange. Doch als der Herrscher die Lage bemerkt – und den Schriftzug auf Castellaros Schirmmütze – pfeift er seine Leute zurück. "Lasst ihn, er arbeitet für Al Jazeera“, ruft der Emir.

Das war 2007, der Westen nahm den arabischen Fernsehsender aus Katars Hauptstadt Doha nur am Rande wahr. Doch dank der schützenden Hand des Emirs, Hunderten Millionen Dollar aus seiner Familienschatulle sowie der unerwarteten Revolutionswelle in Nahost und Nordafrika legt der TV-Konzern zurzeit einen rasanten Aufstieg hin. Es entsteht ein nicht westlicher Fernsehriese mit globalem Einfluss.

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Mit bekannten TV-Gesichtern

Inzwischen erreicht allein der englischsprachige Kanal weltweit mehr als 250 Millionen Haushalte. Die gesamte Al-Jazeera-Gruppe betreibt 65 Büros rund um die Welt. Dort arbeiten mehr als 3000 Leute, darunter 400 Journalisten aus rund 60 Nationen.

Al Jazeera durchlebt zurzeit eine Art CNN-Moment: Der US-Nachrichtenkanal wurde im zweiten Golfkrieg 1991 dank Bildern von lasergesteuerten Bomben und einer Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung aus dem Kriegsgebiet weltbekannt.

Für Al Jazeera endet mit Exklusivberichten von Revolutionen in der arabischen Welt auch eine Zeit als Sender non grata. Die USA sagten Al Jazeera lange Verbindungen zum letzte Woche getöteten Terrorchef Osama Bin Laden nach, bombardierten Außenbüros des Senders, verschleppten Reporter. Nun, da die Gruppe salonfähig ist, expandiert sie rund um den Globus. Sie sichert sich im Eiltempo Kabel- und Satellitenfrequenzen, kauft Sender zu, gründet eigene. Es gilt, die Popularität zu nutzen.

Vor allem das englischsprachige Al-Jazeera-Programm mausert sich zum Konkurrenten der internationalen News-Riesen CNN und BBC. Weltweit übernehmen TV-Stationen Bildmaterial von Al Jazeera. Deutsche Medien zitierten den Sender zuletzt so häufig wie die „Welt“ oder den „Stern“. Hierzulande nehmen Kabelnetzbetreiber ihn deshalb gern auf. Das ist nicht überall im Westen so, etwa in den USA. Auch rumpelt es gerade intern heftig – trotz und gerade wegen der jüngsten Erfolge.

Den Grundstein für Al Jazeera legte die altehrwürdige BBC. Als die Briten 1996 ihren arabischsprachigen Ableger dichtmachten, standen Dutzende Top-Journalisten auf der Straße. Die Herrscherfamilie von Katar nahm 150 Millionen Dollar in die Hand, schnappte sich die BBC-Leute und gründete Al Jazeera, zu Deutsch „die Insel“ – Katar bildet eine Halbinsel. Der Sender gehört der Qatar Media Corp. Deren Eigentümer ist Scheich Hamad bin Thamer al-Thani, ein Cousin des Emirs.

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