Überlebenskampf: Letzte Gebote für Volvo und Saab

Überlebenskampf: Letzte Gebote für Volvo und Saab

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Produktion des Volvo C30 in Gent

von Franz W. Rother, Andreas Henry und Matthias Kamp

Volvo an die Chinesen, Saab ins Museum – den Schweden bleibt nur wenig Hoffnung, dass ihre ruhmreichen Automarken überleben. Die Eigentümer Ford und GM haben jede Lust verloren.

Der Start verlief alles andere als reibungslos. Die ganze Nacht hindurch hatten die Mechaniker gearbeitet, um die ersten Exemplare des Autos rechtzeitig fertig zu bekommen. Als Verkaufsleiter Hilmer Johansson aber in der Morgendämmerung den heckgetriebenen ÖV4 zum Werkstor hinausfahren wollte, gab es ein Riesengeschrei. Denn das Auto ließ sich beim besten Willen nur rückwärts bewegen: Im Eifer des Gefechts war der Antrieb, der die Kraft des Motors auf die Fahrzeugachse überträgt, falsch montiert worden.

Fast 83 Jahre nach jener Episode, mit der am 14. April 1927 die Serienproduktion von Personenwagen im Werk Hisingen bei Göteborg begann, drohen die Räder bei Volvo wieder rückwärts zu rollen: Die Ford Motor Company, die den schwedischen Autobauer 1999 für rund 6,6 Milliarden Euro erworben hatte, um Volvo in eine hochprofitable Lifestyle-Marke und einen ernsthaften Konkurrenten von BMW und Mercedes zu verwandeln, will das Unternehmen nun für geschätzte1,4 Milliarden Euro an den chinesischen Billighersteller Geely verramschen.

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Volvos bald made in China

Geely – der Markenname bedeutet so viel wie „Glück“ oder „Glück verheißend“ – stellt bisher minderwertige Kopien moderner Autos für den asiatischen Markt her. Durch den Kauf von Volvo erhofft sich der zweitgrößte private Autohersteller Chinas den Zugang zu fortschrittlicher Technik und zu den europäischen und nordamerikanischen Märkten – aber auch Impulse für die heimische Wirtschaft.

Denn die Pläne von Geely-Chef Li Shufu sehen vor, zumindest einen Teil der Volvo-Produktion nach Peking zu verlagern. Dort will er die Autos mithilfe chinesischer Zulieferer deutlich billiger bauen. Für viele Volvo-Beschäftigte ist das eine Horrorvorstellung: „Dann kann man Volvo vergessen“, stöhnt ein Marketing-manager am Firmensitz im südschwedischen Trollhättan.

In der rund 7000 Kilometer entfernten Ford-Zentrale in Dearborn im US-Staat Michigan zählen derartige Sorgen nicht. Ford-Chef Alan Mulally möchte die schwedische Tochter so schnell wie möglich versilbern. Doch trotz Investitionen von etlichen Hundert Millionen Euro in moderne Fertigungstechnik und neue Produkte wie die Geländewagen der XC-Reihe und den Kompaktwagen C30 stockte der Absatz über all die Jahre bei rund 400 000 Fahrzeugen (siehe Grafik). Der heutige Linde-Chef Wolfgang Reitzle hatte 2000 als Chef der Ford-Luxusmarkensparte Premier Automotive Group (PAG) noch 750 000 Autos angepeilt.

Ford-Chef zog Reißleine

Als Volvo auch noch in die Verlustzone rutschte – 2008 endete mit einem Minus von 1,69 Milliarden Dollar, 2009 war nach unbestätigten Informationen ebenfalls tiefrot –, zog Mulally die Reißleine: Nach Aston Martin, Jaguar und LandRover setzte er mit Volvo die letzte Marke der ehemaligen PAG auf die Verkaufsliste.

Damit steht nun die Frage nach der Zukunft der traditionsreichen Edelmarke auf der Tagesordnung. Vermutungen, dass Ford sich mit dem Verkauf von Volvo an Geely einen unliebsamen Konkurrenten für die eigene US-Luxusmarke Lincoln vom Hals schaffen wolle, weist man in Dearborn von sich: „Geely sichert Volvo immerhin das Überleben.“ Damit habe das Unternehmen eine bessere Perspektive als die andere schwedische Automarke Saab, für die der bisherige Eigner General Motors die Abwicklung vorbereitet.

In Schweden machen die Geely-Gegner dennoch in diesen Tagen mächtig Front gegen den Deal. Der US-Finanzinvestor Crown, der ebenfalls um Volvo buhlt, verbreitet die Hoffnung, dass die chinesische Regierung kein grünes Licht geben oder Ford angesichts wachsender Widerstände in Schweden kalte Füße bekommen könnte. „Unser Gebot ist immer noch gültig“, sagt Ex-Volvo-Chef Roger Holtback, der die Interessen von Crown in Schweden vertritt, gegenüber der WirtschaftsWoche. „Für mich ist es sehr überraschend, dass Ford die beiden Gebote nicht wirklich vergleicht.“ Mit Crown, lockt er, könne Volvo seine schwedische Identität behalten. Doch Dearborn sieht keinen Handlungsbedarf. Kurz vor Weihnachten ließ Ford wissen, dass mit Geely über „alle substanziellen kommerziellen Bedingungen“ eine Einigung erzielt wurde, nur Details seien noch zu klären.

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