Übernahme: Bei Ratiopharm beginnt der Kampf um Arbeitsplätze

Übernahme: Bei Ratiopharm beginnt der Kampf um Arbeitsplätze

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Eine Schachtel Paracetamol des Generika-Herstellers Ratiopharm: Bereits in der nächsten Woche soll die Übernahme durch den israelischen Teva-Konzern perfekt sein.

von Jürgen Salz

Die EU-Kommission gibt grünes Licht für den Verkauf von Ratiopharm an den israelischen Teva-Konzern. Schon in kommenden Tagen soll Übernahme perfekt gemacht werden. Der Kampf um Posten und Arbeitsplätze geht in die entscheidende Phase.

Am Ende flossen einige Tränen. Auf der Betriebsversammlung im Juli verabschiedete sich Ludwig Merckle von der Ratiopharm-Belegschaft. Der Sohn des Gründers Adolf Merckle hatte den Hersteller von preiswerten Nachahmerpräparaten (Generika)  einige Jahre lang selbst geleitet. Nach dem Freitod seines Vaters im Januar 2009,  musste Ludwig Merckle – um das Imperium seines Vaters zu retten – Ratiopharm verkaufen. Im März erhielt Teva für 3,6 Milliarden Euro den Zuschlag. Ludwig Merckle konzentriert sich nun auf die verbliebenen Familien-Unternehmen wie Phoenix (Pharmagroßhandel) und Kässbohrer (Geländefahrzeuge)

Was der neue Eigentümer mit Ratiopharm vorhat, wird schon bald sehr klar werden. Schon in der nächsten Woche könnte die Truppe um Teva-Chef Shlomo Yanai, einen ranghohen israelischen Ex-Militär, die Übernahme abschließen und die neue, gemeinsame Organisation vorstellen.

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Dann wird sich zeigen, ob Teva tatsächlich, wie nach der Übernahme angedacht, seine Europa-Zentrale von Utrecht an den Ratiopharm-Sitz nach Ulm verlagert. Im Umfeld von Ratiopharm gab es daran zuletzt Zweifel. Klar wird dann auch sein, ob und wie viele Arbeitsplätze gestrichen werden.

Forschere Gangart für Mitarbeiter

Der Branchendienst „Apotheke adhoc“ berichtete bereits, dass der bisherige Teva-Deutschland-Chef Sven Dethlefs, ein früherer McKinsey-Mann, künftig das gemeinsame Deutschland-Geschäft führen soll. Der amtierende Ratiopharm-Chef Oliver Windholz solle in die Europa-Organisation von Teva wechseln.

Die Ratiopharm-Mitarbeiter werden sich an eine forschere Gangart gewöhnen müssen. Denn der neue Eigentümer Teva gilt als eines der aggressivsten Medikamenten-Unternehmen der Welt. Teva versteht es hervorragend, den forschenden Pharma-Unternehmen die Patente frühzeitig abzujagen und die Pillen schnell nachzubauen. Die Bayer-Verhütungspille Yasmin hat Teva bereits nachgebaut und in den USA auf den Markt gebracht – aus Sicht von  Bayer ein  Patentbruch. „Wegen irreführender Werbung“ bei der Verhütungspille hat  Bayer inzwischen  Teva.verklagt. Die Folgen der unerwarteten Konkurrenz bekommen die Leverkusener deutlich zu spüren: Im zweiten Quartal reduziert sich der Umsatz der Yasmin-Produktfamilie, einem der Kassenschlager des Konzerns, um mehr als zehn Prozent. Ebenso ist die Bayer-Potenzpille Levitra vor den Kopisten von Teva nicht sicher.

Durch die Übernahmen von Generika-Unternehmen wie Ivax, Barr (beide USA) und eben Ratiopharm hat Teva seinen Umsatz auf 16 Milliarden Dollar gesteigert. Bis zum Jahr 2015 will Yanai die Zahl noch einmal fast verdoppeln – auf 31 Milliarden Dollar. Für das zweite Quartal 2010 legte Teva gerade eine Steigerung des Umsatzes um 12 Prozent gegenüber Vorjahr hin. Das operative Ergebnis wuchs um mehr als 20 Prozent.

Ein wesentlicher Umsatzträger war dabei das Präparat Copaxone gegen Multiple Sklerose – eines der wenigen Medikamente, die Teva selbst erforscht und entwickelt hat. Copaxone trägt etwa zwanzig Prozent zum Teva-Umsatz bei. Das Patent läuft allerdings bald ab. Dann könnte Teva selbst zum Opfer werden – wenn andere Generika-Anbieter Copaxone nachbauen und  mit eigenen Billigversionen angreifen.

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