Übernahme geplatzt: Yahoo wirft sich Google in die Arme

Übernahme geplatzt: Yahoo wirft sich Google in die Arme

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Yahoo-Hauptquartier in Kalifornien: Die Übernahme durch Microsoft ist endgültig geplatzt - nun kooperiert Yahoo mit Google.

Einst Erzkonkurrenten, nun Partner: Nachdem Microsoft gestern endgültig seine Yahoo-Übernahmepläne aufgab, verbündet sich der Internet-Konzern nun mit dem Suchmaschinen-Spezialisten Google. Der Deal kennt nur einen klaren Gewinner: Google. Die Liste der Verlierer ist hingegen lang.

Auf den ersten Blick klingt die Kooperation zwischen Yahoo und Google nach einem Gewinn für beide Seiten: Yahoo wird von Google verkaufte Werbung auf einigen seiner Webseiten in den USA und in Kanada platzieren. Die Kooperation könne Yahoo! rund 800 Millionen Dollar (rund 517 Milionen Euro) jährlich einbringen, hieß es gestern.

Yahoo-Chef Jerry Yang landete damit einen Etappensieg gegen Microsoft-Boss Steve Ballmer. Denn der Softwaregigant hat nun endgültig alle Fusionsgespräche abgesagt. Und eine Übernahme der Yahoo-Filetstücke aus dem Internet-Konzern ist letztlich vom Tisch. Vollständig gewonnen hat Yang damit noch nicht. Denn noch ist unklar, ob Yahoo und Google überhaupt kooperieren dürfen. Angesichts der Dominanz von Google in der Internet-Werbung dürfte die Partnerschaft eine ausführliche Prüfung durch die Wettbewerbsaufsicht auslösen. Es wird erwartet, dass Microsoft kartellrechtlich gegen diese Kooperation vorgehen wird, da Google und Yahoo gemeinsam eine marktbeherrschende Stellung einnähmen.

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Wenig Begeisterung in US-Presse

Zudem stieß Yangs Vorstoß unter Kommentatoren und Aktionären auf Ablehnung. Die Reaktionen der US-Presse waren teils eisig. Als "spektakuläres Scheitern" wurde die Kooperation im Blog "Deal Journal" der US-Zeitung Wall Street Journal bezeichnet. Yahoo "muß nun zugeben, dass es keine Technologie entwickelt hat, die Kopf an Kopf mit Google konkurrieren kann". Für die Motivation und Innovationsfähigkeit der Yahoo-Mitarbeiter sei das ein "schwerer Schlag". Es gebe nur "einen klaren Gewinner: Google", hieß es auf der Website des US-Wirtschaftsmagazins "Business Week".

Auf Ablehnung stieß die Kooperation auch bei den Yahoo-Aktionären. Gestern Abend brach der Kurs der Aktie um bis zu zehn Prozent auf 23,59 Dollar ein. Zum Vergleich: Microsoft hatte bis zu 33 Dollar je Aktie geboten, Yahoo! wollte nach Angaben des Windows-Herstellers mindestens 37 Dollar.

Aktionärsaktivist Carl Icahn steht nun auf der Verliererseite: Er war vor einigen Wochen bei Yahoo eingestiegen. Mit seinem Ziel, die Yahoo-Führung zur Annahme des Microsoft-Angebots zu bewegen, ist er nun gescheitert. 

Zudem war Icahns Engagement bei Yahoo wenig lukrativ. Nach Berechnungen von „BusinessWeek“ ist er zu einem durchschnittlichen Aktienpreis von 25 Dollar bei Yahoo! eingestiegen, also knapp über dem derzeitigen Kurs der Yahoo-Aktie. Damit verbucht er zur Zeit einen Verlust von 1,5 Dollar pro Aktie. Sogar wenn der Aktienkurs deutlich steigt, dürfte Icahn kaum Gewinne schreiben. Denn selbst wenn es Icahn im August gelänge, Jerry Yang als Chef abzusetzen, kämen die Microsoft-Milliarden nicht wieder auf den Verhandlungstisch zurück.

Kooperation soll Entwicklung bei Onlinewerbung beleben

Dem „Wall Street Journal“ zufolge machte Microsoft zuletzt den Vorschlag, 16 Prozent an Yahoo! für 35 Dollar je Aktie - also insgesamt etwa 7,73 Milliarden Dollar - zu erwerben. Das Abkommen mit Google werde die Konkurrenz und die Dynamik in der Entwicklung von Onlinewerbung beleben, argumentierte Yahoo! in der Mitteilung. Einen Teil der erwarteten Einnahmen wolle Yahoo! auch in die Entwicklung neuer Werbeformen und Suchtechnologien stecken.

Zu den Gesprächen mit Microsoft teilte Yahoo! mit, nach etlichen Treffen beider Seiten habe sich ergeben, dass der Software-Riese kein weiteres Interesse an einer Gesamtübernahme habe. Einen Verkauf nur des Suchmaschinen-Geschäfts habe der Yahoo!-Verwaltungsrat abgelehnt, weil dieser Bereich für die Zukunft des Unternehmens von entscheidender Bedeutung sei. Ein Verkauf sei daher nicht im Sinne der Aktionäre.

Selbst Icahn, der seit Wochen die Ablösung der Yahoo!- Spitze um Firmenmitbegründer Jerry Yang anstrebt, hatte sich in dieser Woche eindeutig gegen einen Teil-Verkauf ausgesprochen. Erst am Montag hatte Yahoo! seine Aktionäre in einem Schreiben zur Hauptversammlung um Unterstützung gebeten.

In dem Brief rief das Unternehmen die Anteilseigner dazu auf, den bisherigen Aufsichtsrat wiederzuwählen und damit die von dem als „Firmenjäger“ bekannten Icahn aufgestellten Kandidaten abzulehnen. Die Wahl des Aufsichtsrats bei der Hauptversammlung am 1. August sei die entscheidendste für die Aktionäre in der Geschichte des Unternehmens.

Das Vorgehen Icahns wird allerdings auch von vielen Analysten unterstützt, die Jerry Yang nicht zutrauen, das Unternehmen aus der Krise zu führen. Es sei unwahrscheinlich, dass das derzeitige Management in der Lage wäre, den Wert des Unternehmen auf absehbare Zeit über mehr als 33 Dollar pro Aktie zu bringen, sagte Mark May, Analyst bei Needham & Co. in New York.

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