Übernahme-Hickhack: Wie Opel seine Mitarbeiter in der Krise motiviert

Übernahme-Hickhack: Wie Opel seine Mitarbeiter in der Krise motiviert

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Carl-Peter Forster, Europa-Chef von General Motors

Carl-Peter Forster, Europa-Chef von General Motors, erklärt, wie er sich und die Opel-Mitarbeiter in der Krise motiviert und auf welche Annehmlichkeiten die Opel-Manager verzichten.

WirtschaftsWoche: Herr Forster, das Hickhack um Opel muss an den Nerven der Belegschaft zerren. Was tun Sie dagegen?

Forster: Natürlich sind die Mitarbeiter angespannt, alle hoffen und warten. Wir reden jetzt so viel wie möglich mit ihnen.

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Das heißt: Wir machen häufig Telefonkonferenzen, in denen wir unsere Führungskräfte informieren, die dann diese Informationen an ihre Mitarbeiter weitergeben sollen. Außerdem gibt es große Veranstaltungen, in denen unsere Top-Leute Fragen beantworten. Viel passiert auch übers Internet. Arbeiter, die keinen Internet-Zugang haben, bekommen Informationen schriftlich.

So weit die Schadensbegrenzung. Wie lässt sich die Motivation aufrechterhalten?

Wir erinnern die Mitarbeiter immer wieder an ihre gute Arbeit, an die Qualität, an die neuen Autos. Nach dem Motto: „Seid stolz auf das, was ihr geleistet habt. Das ist die Basis für das Interesse der Investoren. Das sollte euch die Sicherheit geben, dass eine gute Lösung gefunden wird.“ Die staatliche Brückenfinanzierung war ja auch ein deutliches Signal, dass man an das Unternehmen glaubt.

Durchhalteparolen und Staatshilfe für mehr Selbstbewusstsein?

Ein Beispiel: Opel hat für den Insignia den Preis „Auto des Jahres“ bekommen. Wir haben die Verleihung dieser Trophäe in der Werkshalle veranstaltet – mit den Mitarbeitern, die das Auto auch bauen. Wir haben das Band abgestellt und mit rund 500 Arbeitern der Spätschicht gefeiert. Zu zeigen, wie gut unsere Produkte ankommen, halte ich für eine der wichtigsten Möglichkeiten, die Mitarbeiter stolz zu machen und zu motivieren.

Genießen Sie dazu genug Vertrauen? Bei Opel gelten Sie als der ewige Sanierer.

Sie müssen in der Autoindustrie die Produktivität immer weiter steigern. Aber das ist ja nicht nur ein Opel-Phänomen, sondern eines der gesamten Wirtschaft. Da kommt eher die Erkenntnis auf, dass man sich durch harte Arbeit wieder aus dem Sumpf herausarbeiten kann – so wie wir das in den vergangenen Jahren gemacht haben. Es ist im Übrigen gut, sich daran zu erinnern.

Wie halten Sie jetzt Ihre besten Mitarbeiter?

Wir planen natürlich, wie das Team der Zukunft aussehen soll. Wir diskutieren mit den einzelnen Leuten und signalisieren ihnen: Ihr seid wichtig. So müssen sie sich nicht ständig Gedanken darüber machen, ob sie hier eine Zukunft haben. Die Einzelnen wissen das sehr genau.

Economy Class und billige Hotels für Opel-Manager

Zeigen Sie sich in Zeiten des Verzichts mit den Beschäftigten solidarisch?

Wir haben schon im vergangenen Sommer beschlossen, dass es in dieser Situation natürlich keine Boni gibt. Wir haben dieses Jahr auch unser Gehalt reduziert, fliegen Economy Class, steigen in billigeren Hotels ab und zahlen unser Essen aus eigener Tasche.

Fürchten Sie, dass die Aussicht auf den Opel-Verkauf die Unruhe weiter schürt?

Bei der Betriebsversammlung Anfang Juni hat sich Magna-Chef Siegfried Wolf in Rüsselsheim vorgestellt. Ich glaube, das kam sehr gut an. Die Mitarbeiter hatten Gelegenheit, ihn persönlich zu erleben. Es ist wichtig, dass sie wissen, mit wem sie es zu tun haben – auch wenn die Verträge mit Magna noch nicht bindend sind.

Was motiviert Sie selbst in dieser Hängepartie?

Geld ganz sicher nicht. Auch nicht Glanz und Gloria. Mich motiviert im Moment ein klares Ziel: Ich möchte eine gute Zukunft für das Unternehmen und die Mitarbeiter entstehen lassen. Wir wollen einfach tolle Autos bauen, und ich möchte hier keine Lösung nur für mich selbst schaffen. Das habe ich nicht nötig, und das wäre auch nicht anständig. 

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