Übernahmekampf: Continental legt Strategie gegen Schaeffler fest

Übernahmekampf: Continental legt Strategie gegen Schaeffler fest

Bild vergrößern

Ein Crash-Test-Dummy an einem Messestand von Continental: Continental arbeitet mit Hochdruck daran, das Übernahmeangebot der Schaeffler-Gruppe zu vereiteln.

Stressige Zeiten für Continental-Chef Manfred Wennemer: Der Autozulieferer arbeitet mit Hochdruck daran, die drohende Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe zu verhindern. Nächsten Mittwoch will Wennemer dem Aufsichtsrat seine Maßnahmen in einer Krisensitzung vorstellen. Schaeffler hat gestern in bestimmten Punkten sein Übernahmeangebot verändert - aus triftigen Gründen.

Der Autozulieferer Continental setzt sich mit allen Mitteln gegen eine Übernahme durch Schaeffler zur Wehr. Continental-Chef Manfred Wennemer hat in den letzten Wochen mögliche Abwehrmaßnahmen geprüft. Nun steht seine Vorgehensweise offenbar fest: Der Conti-Aufsichtsrat soll am nächsten Mittwoch zu einer Krisensitzung zusammenkommen, verlautete aus Branchenkreisen. Dabei wolle der Vorstand mögliche Abwehrmaßnahmen erläutern.

Conti ist derzeit auf der Suche nach einem „weißen Ritter“, einem freundlich gesonnenen Großinvestor. In Branchenkreisen wurden Medienberichte bestätigt, nach denen es eine „Handvoll Interessenten“ gibt.

Anzeige

Schaeffler ändert Übernahmeangebot leicht ab

Unterdessen änderte die Schaeffler-Gruppe gestern ihr Übernahmeangebot in bestimmten Punkten und verhinderte damit, dass das Angebot möglicherweise erlischt. Dabei geht es vor allem um eine mögliche Kapitalerhöhung von Conti. In Branchenkreisen hieß es, Schaeffler habe damit einen „schweren handwerklichen Fehler“ korrigiert. Ein Schaeffler-Sprecher wies dies indes als „haltlos“ zurück. „Es gab und gibt gute Gründe für solche Bedingungen“, sagte er. Im Rahmen eine Abwägung habe man sich aber entschlossen, auf diese Bedingungen zu verzichten.

Schaeffler verzichtete etwa auf die in der bisherigen Angebots- Unterlage genannte Bedingung, dass der Conti-Vorstand bis zum Ablauf der Annahmefrist „keine Durchführung einer Kapitalerhöhung auf Grundlage eines genehmigten Kapitals“ anmeldet. Wie Schaeffler in Herzogenaurach mitteilte, trat das Unternehmen „Marktspekulationen“ entgegen, dass das Angebot an die Conti-Aktionäre durch die Vorbereitung einer Kapitalerhöhung behindert werden könnte.

Schaeffler weise jedoch ausdrücklich darauf hin, dass das Angebot unverändert unter der Bedingung stehe, dass Conti bis zum Ablauf der Annahmefrist am 27. August keine Kapitalmaßnahmen vollziehe. Die Schaeffler-Gruppe als größter Conti-Aktionär halte solche Kapitalmaßnahmen für unvertretbar, da sie die Interessen der Aktionäre verletzen würden. Vor dem Hintergrund von Zusagen Schaefflers seien Vorstand und Aufsichtsrat von Conti gesetzlich verpflichtet, auf Maßnahmen zu verzichten, die lediglich der Abwehr des Angebotes dienten und den Aktionären die freie Entscheidung über die Annahme des Angebotes zu nehmen versuchten. Schaeffler hatte unter anderem zugesagt, dass Conti nicht zerschlagen werden solle.

Juristisches Tauziehen um Übernahme

Der Übernahmekampf wird damit zunehmend zu einem Fall von Juristen. Zu den Optionen von Conti bei der Abwehr einer Übernahme zählt neben der Suche nach einem „weißen Ritter“ auch eine Kapitalerhöhung, um die Übernahme zu erschweren.Die Conti- Hauptversammlung im April 2008 hatte eine Kapitalerhöhung von bis zu zehn Prozent grundsätzlich genehmigt.

Schaeffler hatte am vergangenen Mittwoch ein offizielles Übernahmeangebot vorgelegt. Mitte der nächsten Woche läuft die übliche Frist von zwei Wochen für eine Stellungnahme von Conti zum Angebot ab. Die Conti-Führung hatte den von Schaeffler angebotenen Preis von 70,12 Euro pro Aktie bereits strikt abgelehnt.

Der Dax-Konzern Continental aus Hannover mit derzeit rund 150.000 Beschäftigten weltweit hatte einen deutlich höheren Preis und eine Begrenzung der Schaeffler-Beteiligung auf 20 Prozent gefordert. Das wesentlich kleinere Familienunternehmen Schaeffler aus Herzogenaurach dagegen hatte das Ziel bekräftigt, mehr als 30 Prozent der Anteile zu erwerben und damit ein strategischer Großaktionär bei Continental zu werden. Die Franken halten bereits acht Prozent der Aktien.

Zudem hat sich das Unternehmen über Swap-Geschäfte, Tauschgeschäfte, den Zugriff auf 28 Prozent der Conti-Anteile gesichert. Aus Sicht von Conti war das Vorgehen aber rechtswidrig, weil Meldepflichten umgangen worden seien. Conti verlangt, dass die Finanzaufsicht BaFin die Swap- Geschäfte untersagt. Schaeffler hält das Vorgehen für legal.

Unterdessen wirbt Conti einem Zeitungsbericht zufolge um Finanzinvestoren und den Konkurrenten Bridgestone als „weiße Ritter“. Continental spreche mit den US-Finanzinvestoren Apollo und Kohlberg Kravis Roberts, berichtete das „Handelsblatt“ am Dienstag in seiner Online- Ausgabe unter Berufung auf Bankenkreise. Daneben werde von Conti auch der japanische Reifenhersteller Bridgestone als Gesprächspartner ins Spiel gebracht. Ziel sei es, die Schaeffler-Offerte durch ein mit Conti abgestimmtes Gegengebot zu überbieten. dpa

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%