Übernahmekampf: Continental redet Halbjahresbilanz schön

Übernahmekampf: Continental redet Halbjahresbilanz schön

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Conti-Chef Manfred Wennemer

Mitten im Abwehrkampf gegen Schaeffler hat der Autozulieferer Continental heute seine Halbjahresbilanz vorgelegt. Erwartungsgemäß lobte Conti-Chef Manfred Wennemer die Erfolge des Dax-Konzerns - und bekräftigte trotz gesunkenen Gewinns seine Jahresprognose. Doch ein genauer Blick ins Zahlenwerk zeigt, wie sehr Conti noch an der Siemens-VDO-Übernahme kaut.

Es ist ein feindlicher Übernahmeversuch wie aus dem Lehrbuch: Gestern erst hatte der Familienkonzern Schaeffler sein offizielles Übernahmeangebot für den Dax-Konzern Continental vorgelegt. Der Automobilzulieferer setzt sich verzweifelt zur Wehr – und kämpft nun an allen Fronten gegen Schaefflers innige Umarmung.

Continental erklärte gestern nochmals, dass Schaefflers Angebot von knapp 70 Euro pro Aktie zu niedrig sei. Zudem greift Conti nun zu juristischen Waffen. Schaeffler hatte sich über so genannte Swap-Geschäfte Zugriff auf ein großes Conti-Aktienpaket gesichert. Dadurch, ließ Conti gestern ausrichten, seien die Rechte der Aktionäre „massiv verletzt“ worden. Nun soll die Finanzaufsicht BaFin prüfen, ob Schaefflers Swap-Geschäfte rechtswidrig waren – und das wird noch Wochen dauern.

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Die nächste Runde des Abwehrkampfs läutete Conti-Chef Manfred Wennemer heute früh selbst ein. Bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen präsentierte er Conti als gesundes, profitables Unternehmen. Das war keine leichte Aufgabe: Denn Conti hat die Übernahme des Automobilzulieferers Siemens VDO noch nicht so gut verdaut, wie Wennemer heute weismachen wollte.

Magerer Ergebniszuwachs, gesunkener Gewinn

Auf den ersten Blick sehen die Zahlen gut aus: Conti bekräftigte seine Jahresprognose trotz des schwierigen Marktumfelds. Damit ist Conti deutlich optimistischer als die Konkurrenz: Der Toyota-Zulieferer Denso, der Reifenriese Michelin oder US-Konkurrent Johnson Controls haben vor kurzem ihre Jahresziele gekürzt.

Contis Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2008 auf 13,3 Milliarden Euro, im Vorjahreszeitraum waren es acht Milliarden Euro. Ein Großteil des Umsatzzuwachses geht aber auf die Übernahme von Siemens VDO zurück.

Interessanterweise bleibt von diesem Umsatzsprung unter dem Strich nicht viel übrig: Denn das Ergebnis vor Zinsen und Steuern wuchs im ersten Halbjahr 2008 auf 912 Millionen von 911 Millionen – ein kaum merkbarer Anstieg. Der Konzerngewinn sank um 37 Prozent auf 386 Millionen Euro von 585 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2007.

Conti begründete den Gewinnrückgang auch mit der deutlich gestiegenen Zinslast. Durch die Siemens-VDO-Übernahme hat Conti Schulden von rund elf Milliarden Euro aufgehäuft. Die Folge:  Von Januar bis Juni 2008 stiegen die Zinsaufwendungen auf 414,7 Millionen Euro von 41 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Hohe Herstellungs- und Forschungskosten bei Conti

Das zieht das Zinsergebnis deutlich ins Negative. Doch die wahren Gründe für den Gewinnrückgang sind deutlich weiter oben in der Gewinn- und Verlustrechnung angesiedelt.

Natürlich ist es schwierig, Contis Zahlen vor und nach der Übernahme von Siemens VDO zu vergleichen. Leider hat sich Conti nicht die Mühe gemacht, die Zahlen für einen korrekten Vergleich entsprechend aufzusplitten. Eines steht aber schwarz auf weiss in der Gewinn- und Verlustrechnung: Contis Herstellungskosten sind von sechs Milliarden Euro auf 10,5 Milliarden Euro angestiegen. Ein Teil des Anstiegs lässt sich auf die gestiegenen Rohstoffkosten zurückführen. Doch die belasteten das Ergebnis laut Wennemer mit nur 84 Millionen Euro.

So schwierig die Vergleichbarkeit der beiden Werte auch ist: Conti büßt durch die gestiegenen Herstellungskosten einiges an Profitabilität ein.

Stark gestiegen sind auch die Forschungs- und Entwicklungskosten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres: Und zwar auf 840 Millionen Euro von 390 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2007. Über die Gründe dieses Anstiegs verlor Wennemer in seiner Bilanzpräsentation kein Wort. Doch man darf vermuten, dass sie mit der Integration von Siemens VDO in den Conti-Konzern zu tun haben.

Nun sind Firmenfusionen meistens eine teure Sache. Und so schlecht steht Conti nicht da: Immerhin hat der Konzern mit seinen Halbjahreszahlen die Erwartungen der Analysten übertroffen. Doch die versteckten Posten der Bilanz zeigen auch, dass die Siemens-VDO-Übernahme Conti angreifbar macht.

Wäre Conti so stark, wie Wennemer es glauben machen will, würde der Abwehrkampf gegen Schaeffler deutlich aggressiver verlaufen. In der Halbjahresbilanz geht Conti auch kurz auf Schaefflers Avancen ein. Zwar lehnt das Conti-Management und der Aufsichtsrat das Übernahmeangebot der Schaeffler Gruppe ab. Doch gleichzeitig heißt es, dass „eine Einigung mit der Schaeffler Gruppe in diesem Verfahren erstrebenswert ist.“

Conti stellt dazu zwei Bedingungen: Sollte Schaeffler sein Angebot erhöhen oder seine Beteiligungsquote senken, wird der Vorstand direkte Verhandlungen mit Schaeffler aufnehmen.

Kampfparolen für die Unabhängigkeit eines Konzerns klingen anders. 

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