Übernahmekampf: Continental: Zeichen stehen auf Einigung mit Schaeffler

Übernahmekampf: Continental: Zeichen stehen auf Einigung mit Schaeffler

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Schaeffler und Continental wollen sich offenbar doch noch einigen

Im wochenlangen Übernahmekampf um den Autozulieferer Continental stehen die Zeichen auf Einigung. Die fränkische Schaeffler-Gruppe will ihr Angebot Kreisen zufolge nun doch erhöhen und bietet mit 75 Euro pro Aktie sieben Prozent mehr als bislang.

Damit würde der Konzern aus Hannover bei der größten Übernahme in Europa in diesem Jahr mit mehr als zwölf Milliarden Euro bewertet. Das Management von Conti schlug gestern versöhnlichere Töne als zuletzt an und will nun versuchen, in Verhandlungen mit Schaeffler weitere Preisaufschläge und viele Sicherheiten herauszuschlagen. Die Franken begrüßten die Gesprächsbereitschaft, lehnten eine Stellungnahme zu den angeblich gebotenen 75 Euro aber ab.

Wie aus Conti-Unternehmenskreisen verlautete, war die Angebotserhöhung Thema der gestrigen Aufsichtsratssitzung. Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger und Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler hätten in einem Brief an das Gremium eine Anhebung der Offerte von bislang 70,12 Euro je Aktie in Aussicht gestellt. Die Conti-Aktie stieg gegen den Markttrend und schloss mit einem Plus 2,2 Prozent auf 73,17 Euro als weitaus stärkster Wert im Leitindex Dax.

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Während kurzfristig orientierte Conti-Investoren wie Hedgefonds Verkaufsbereitschaft zu 75 Euro signalisierten, forderten andere Großaktionäre einen weiteren Aufschlag. „Der faire Wert liegt bei 80 bis 100 Euro“, sagte der Manager eines Fonds, der nach eigenen Angaben bis zu einer Million Aktien hält. „Hierauf müsste dann noch eine Prämie von 20 bis 30 Prozent kommen.“

„Wir wollen zu einer schnellen Lösung kommen“, sagte Conti-Konzernchef Manfred Wennemer nach der Sitzung. „Wir streben kurzfristig weitere Verhandlungen mit Schaeffler an.“ Im Umfeld des Unternehmens wurde eine mögliche Einigung skizziert: Wenn Schaeffler die Offerte noch ein wenig erhöht, könnte Conti sich „neutral“ positionieren - also weder seine Ablehnung wiederholen noch offiziell Unterstützung signalisieren. Dann hätte Wennemer, der Schaeffler jüngst noch als „egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos“ gegeißelt hatte, sein Gesicht gewahrt und sowohl Aktionären Mehrwert als Arbeitnehmern Sicherheiten verschafft. Schaeffler müsste zwar tiefer in die Tasche greifen, liefe aber wohl nicht Gefahr, zu viele Aktien angedient zu bekommen.

Die Franken wollen einen Anteil von gut 30 Prozent, um die Conti-Geschicke künftig lenken zu können, nicht aber über 50 Prozent. Denn dann müsste Schaeffler die Schulden von Conti übernehmen und teuer refinanzieren. Die Arbeitnehmerseite bei Conti bekräftigte ihre Aufgeschlossenheit gegenüber dem Autozulieferer aus Herzogenaurach. „Nicht zuletzt aus unternehmensstrategischen Gründen ist es nicht angemessen, eine reine Abwehrpolitik zu verfolgen“, sagte Vize-Aufsichtsratschef Werner Bischoff von der IG BCE. „Es gilt, die Chancen auszuloten.“

Verhandlungen als beste Option

Die angebotenen Sicherheiten zu Standorten und Arbeitsplätzen seien eine Verhandlungsgrundlage. Voraussetzung ist aus Arbeitnehmersicht, dass Schaeffler die Garantien schriftlich gibt - was die Franken bereits in Aussicht gestellt haben. Einem Vorabbericht des „Handelsblatts“ (heutige Ausgabe) zufolge wollen Contis Arbeitnehmervertreter Altbundeskanzler Gerhard Schröder als Ombudsmann mit der Überwachung der Zusagen beauftragen. Zudem solle Schaeffler sich zu hohen Vertragsstrafen bei Missachtung verpflichten, zitierte die Zeitung Aufsichtsratskreise.

Dass Conti inzwischen eine Verhandlungslösung in den Vordergrund stellt, ist Finanzkreisen zufolge auch den fehlenden Alternativen geschuldet. Wennemer wiederholte zwar, es würden alle Handlungsoptionen des Abwehr-Arsenals geprüft und Kreisen zufolge laufen auch weiter Gespräche mit Investoren, um sie zu einem Einstieg bei Conti zu überreden.

Eine Einigung sei aber nicht in Sicht, da nur wenige Interesse hätten, eine Firma mit einem widerspenstigen Großaktionär an Bord zu kaufen. Schaeffler kann mit Hilfe von Wertpapiergeschäften bereits bis zu 36 Prozent der Conti-Aktien bekommen. Zeit gewinnen könnte Conti mit der Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung. Ob dies aber tatsächlich geplant ist, dazu äußerte sich Conti nicht. Das Aktionärstreffen könnte eine Kapitalerhöhung beschließen, was die Übernahme für Schaeffler verteuern würde.

Ein solcher Schritt würde aber eine gütliche Einigung behindern. Druck gegenüber Schaeffler hatte Conti in den vergangenen Wochen mit der Verpflichtung zahlreicher Banken als Berater aufgebaut. Der Schritt soll Schaefflers Zugang zu Krediten im Markt beschneiden, auch wenn die Finanzierung der bisherigen Übernahmeofferte gesichert ist.

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