Übernahmekampf: Hat Hochtief noch einen Joker?

Übernahmekampf: Hat Hochtief noch einen Joker?

von Harald Schumacher

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter signalisierte bei der heutigen Bilanzpressekonferenz erneut Kampfbereitschaft gegenüber dem Angreifer ACS. Um aufrecht unterzugehen? Oder um mit dem Joker Katar am Ende alle zu überraschen?

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Der Vorstandsvorsitzende des Baukonzerns Hochtief, Herbert Luetkestratkoetter

Herbert Lütkestratkötter kommt gegen neun Uhr pünktlich in den Konferenzsaal im Hauptgebäude des Düsseldorfer Flughafens. Anstatt direkt vorne zum Podium zu gehen, von wo aus er gleich die Geschäftszahlen des Jahres 2010 erläutern wird, strebt er auf die Journalisten von Nachrichtenagenturen, Zeitungen, Magazinen zu. Die haben die Eigenständigkeit von Hochtief überwiegend abgeschrieben und werden gleich Fragen danach stellen, wann Lütkestratkötter geht. Und sie werden dem Westfalen an der Spitze des größten noch-deutschen Bauunternehmens vorrechnen, dass er dann nicht vier, sondern rund fünf Millionen Euro Abfindung mitnehmen wird.

Doch Lütkestratkötter will den Verdacht, ums Absahnen könnte es ihm gehen, auch ein halbes Jahr nach Beginn des Abwehrkampfes gegen ACS nicht aufkommen lassen. Er geht durch die Reihen der Journalisten, begrüßt alle, die er erreichen kann, mit Handschlag. Ein offensiver Auftritt. Dem folgt eine nachdenkliche Einleitung seines Vortrags – aber nicht spontan, sondern wohl vorbereitet und Wort für Wort abzulesen im zuvor verteilten Manuskript seiner „Chronik von 2010“ :

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„Für mich persönlich war es das härteste Jahr in meinem bisherigen Berufsleben. Ich bin ein passionierter Langstreckenläufer mit guter Kondition und einem langen Atem. Doch das Tempo, die Vielfalt und die Wucht der Ereignisse des vergangenen Jahres waren auf allerkürzester Distanz gebündelt. Erfolge und Enttäuschungen lagen ganz dicht beieinander. Das war anstrengend und nicht immer einfach – auch für mich persönlich nicht.“

Einen strategischen Sinn in einem engeren Zusammengehen von ACS und Hochtief mag er nach wie vor nicht erkennen: Das so, Lütkestratkötter, sei Teil der Gespräche zwischen ACS-Chef Florentino Perez und ihm. Dass diese Gespräche am Ende einer für beide Seiten schwierigen Periode stattfinden, das „schlägt sich auch nieder“.

An diese Stelle seines Vortrags würde die Ankündigung des Abschieds vom Vorstandsamt passen. Doch nach den leisen Tönen kommen die Zahlen, die das „beste Ergebnis in der Geschichte von Hochtief seit fast 140 Jahren“ dokumentieren. Weltregionen, Geschäftsfelder geht Dr.Lü durch und weicht vom Redemanuskript, an das er sich ansonsten weitgehend hält, unerwartet ab, als es um die Unternehmenskultur geht. Erst liest er noch ab:

„Wir haben eine Hochleistungs-Organisation gebaut. Eine wesentliche Basis für Hochleistung ist die Motivation der Menschen. Diese entsteht aus Vertrauen und Berechenbarkeit und diese führt dazu, dass viele jeden Tag mehr tun als sie tun müssten: Eben Hochleistung. Und beim Blick auf diese Kultur empfinde ich den größten Stolz.“ Um dann dem Manuskript hinzuzufügen: „Das ist meine Kultur, meine Handschrift“ – mit jeweils deutlicher Betonung von „meine“.

Wenige Minuten später unterstreicht er, seine „volle Tatkraft“ gelte weiterhin Hochtief – auch das Wort „volle“ hat er dem geschriebenen Text hinzu gefügt. Trotzige Interpretation der eigenen, bisher nur vierjährigen Ära an der Spitze von Hochtief? Oder verdecktes Signal, dass die Schlacht gegen den Großaktionär aus Spanien doch noch nicht verloren ist?

Geht da doch noch was?

Einerseits gab Lütkestratkötter an diesem Morgen bekannt, dass ACS inzwischen über mehr als 39 Prozent der Hochtief-Anteile verfügt – aus Analysten-Gesprächen habe er das erfahren. Andererseits läuft just zu Beginn der Bilanz-Pressekonferenz die Nachricht über die Agenturen und durch die Reihen der versammelten Journalisten, dass der zweite Hochtief-Großaktionär Qatar-Holding seinen Anteil an dem Essener Bauprimus auf mehr als zehn Prozent gesteigert hat.

Geht da doch noch was? Kann es sein, dass bei der Hochtief-Hauptversammlung am 12. Mai Katar und das Lü-Management ein gleich starkes Lager gegen ACS positionieren?

Nur einmal regiert der Hochtief-Chef gereizt: als ein Journalist die Aktionärspräsenz bei den letzten Hochtief-Hauptversammlungen um rund zehn Prozentpunkte zu tief ansetzt. Bis zu 63 Prozent betrug sie und war damit ungewöhnlich hoch für ein Unternehmen, bei dem im Gegensatz zu diesem Jahr sonst Business as usual auf der Tagesordnung stand. 

Geht es doch darum, die Aktionärspräsenz auf über 80, vielleicht auf 90 Prozent des Kapitals zu steigern, um ACS auszubremsen?

Beantwortet wird die Frage an diesem Morgen nicht. Klar scheint nur eins: Dass der Hochtief-Chef in Kürze die gegen ACS aufgetürmten Barrikaden abbaut, ist nicht zu erwarten.

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