Übernahmekampf Hochtief/ACS: Ökonom Donges: „Keiner weiß, was Perez will“

Übernahmekampf Hochtief/ACS: Ökonom Donges: „Keiner weiß, was Perez will“

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Unklare Absichten: ACS-Chef Florentino Perez

von Harald Schumacher

Keiner unter Deutschlands führenden Ökonomen ist mit Spanien so eng verbunden wie Juergen B. Donges. Der Wirtschaftswissenschaftler nimmt gegenüber wiwo.de Stellung zum Übernahmekampf zwischen den Baukonzernen Hochtief und ACS, zum umstrittenen ACS-Chef Florentino Perez und zu einer möglichen Intervention durch die Bundesregeirung.

wiwo.de: Herr Donges, verstehen Sie, dass in Deutschland die Emotionen hoch kochen, weil der spanischen Baukonzern ACS mit seinem Haupteigentümer Florentino Perez den deutschen Marktführer Hochtief übernehmen will?

Donges: Ja, ich kann die Skepsis gut nachvollziehen. Perez agiert als Unternehmer so wie als Präsident von Real Madrid: nämlich sehr umtriebig, aber ohne jede Strategie. Bei Real greift er am Ende der Saison gerne tief in die eigene Tasche, kauft teure Spieler, entlässt den Trainer. So führt er auch ACS.

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Typisch spanisch?

Donges: Nein, wenn man in Spanien von den großen Unternehmensführern spricht, fällt einem Perez nicht ein. Der Baukonzern Ferrovial zum Beispiel ist ganz anders: Da weiß man genau, was die machen und was sie strategisch wollen. Von so einem Unternehmen übernommen zu werden, wäre ein Glücksfall. Perez hingegen kann keiner wirklich einschätzen. Keiner weiß, was Perez will. Hat er eine unternehmerische Wachstumsstrategie für ACS und Hochtief, oder will er nur den schnellen Reibach machen und sich Filetstücke sichern? Er müsste sich jetzt äußern, was er wirklich vor hat mit Hochtief. Aber das tut er nicht. Der ist halt so gestrickt. Hochtief muss von ihm jetzt klare Konzepte verlangen. Perez muss Farbe bekennen.

Undurchschaubar ist auch die finanzielle Lage von ACS. Kann Perez die Übernahme wirklich stemmen?

Donges: Was mich stutzig macht, ist, dass ACS mit eigenen Aktien zahlen will. Wenn ich Hochtief-Aktionär wäre, wäre ich vorsichtig, weil man nicht genau weiß, was diese Aktien wert sind. Bargeld wäre mir auf jeden Fall lieber. Zumal ich solchen Fusionen immer skeptisch gegenüber stehe - meist verlieren die Unternehmen dabei an Wert. Man muss lange suchen, bis man da eine Erfolgsstory findet.

Um den Übernahmeangriff abzuwehren, bittet Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter die Bundesregierung um Hilfe. Ordnungspolitisch legitim?

Donges: Nein, eine politische Intervention wäre ordnungspolitisch falsch. Ich hoffe, dass die Bundesregierung nicht eingreift – auch wenn Ministerpräsident Zapatero beim Versuch von Eon, Endesa zu übernehmen, vor einigen Jahren auf Ordnungspolitik keine Rücksicht genommen hat.

Sie sind beruflich und privat Spanien eng verbunden. Zu wem halten Sie selber bei einem Fußballspiel Real Madrid gegen Leverkusen und nun in der Übernahmeschlacht ACS gegen Hochtief?

Donges: Ich bin quasi ein Mensch mit Migrationshintergrund und zweigleisig im Kopf. Bei der letzten Begegnung zwischen Real und Leverkusen war ich selber im Stadion und war hin und her gerissen. In der Übernahmefrage halte ich bei der jetzigen Informationslage zu Hochtief - eben weil ich nicht sehe, was ACS wirklich will.

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