Übernahmen: "Das war ein ziemlich schmerzfreies Lernen"

Übernahmen: "Das war ein ziemlich schmerzfreies Lernen"

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Thomas Gross, Chef der Elektrosparte der amerikanischen Technologiegruppe Eaton

Thomas Gross, Chef der Elektrosparte der amerikanischen Technologiegruppe Eaton, über den Erwerb des deutschen Elektrotechnikkonzerns Moeller, die verschiedenen Arbeits- und Unternehmenskulturen und künftige Einkäufe in Europa.

WirtschaftsWoche: Hohe Löhne, rigides Arbeitsrecht, starke Betriebsräte – waren diese Faktoren für das  amerikanische Unternehmen Eaton nicht gewöhnungsbedürftig?

Gross: Klar, die Wirtschaftskulturen in unseren Ländern sind sehr verschieden. Aber wir sind Techniker und kennen uns schon sehr lange. Als wir hier die ersten gemeinsamen Sitzungen mit dem Betriebsrat erlebt hatten, waren wir überrascht, mit wie viel unternehmerischen Geist hier bei Moeller zusammen gearbeitet wird. Wir haben zwar an vielen Stellen lernen müssen, aber das war doch ein ziemlich schmerzfreies Lernen.

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War die Moeller-Mannschaft bei Ihrem Eintreffen  nicht völlig demoralisiert? Sie sind schließlich der dritte Investor in vier Jahren.

Darin lag aber auch die Chance. Die Menschen hier wussten natürlich, dass sie früher oder später bei einem industriellen Investor landen würden, also einem Unternehmen aus der Branche, dass langfristig Eigentümer bleibt und nicht nur als Finanzinvestor interessiert ist. Und als sie erfuhren, dass wir einsteigen, waren die Mitarbeiter erleichtert, weil sie wussten, jetzt ist die Zeit bei den Private-Equity-Eigentümern vorbei und es kommt Stabilität in das Unternehmen.

Gab es keine Einwände gegen einen amerikanischen Investor?

Nein, im Gegenteil. Ein Unternehmen aus Europa hätte Entlassungen vornehmen müssen, das Produktportfolio bereinigen müssen und auch bei Forschung und Entwicklung einschnitte vornehmen müssen. Das fiel bei uns alles weg, denn es gibt so gut wie keine Überschneidungen.

Wieso nicht? Eaton ist ein Elektrokonzern ebenso wie Moeller.

Ja, aber wir arbeiten in unterschiedlichen Regionen. Moeller ist in Europa und vor allem in Mittel- und Osteuropa stark, wir in Nord- und Südamerika sowie in Asien. Hinzu kommt: Wir arbeiten nach dem technischen US-Standard und Moeller nach dem europäischen Standard. Und das sind zwei völlig verschiedene Produktwelten. Wegen dieser doppelten gegenseitigen Ergänzung brauchten wir nicht einmal größere Einschnitte in der Entwicklung und im Vertrieb vorzunehmen.

Aber über 500 Leute mussten gehen.

Das hat mit der Übernahme nichts zu tun. Das ist ein ist ein Tribut an die aktuelle Krise. Wir haben vor allem die Zahl der Zeitarbeiter reduziert, auf Neubesetzungen verzichtet und natürlich die Fluktuation genutzt. Wir tun alles um die Zahl der Mitarbeiter zu erhalten. Auch diese Krise wird ein Ende haben, und dann könnten wir ein sehr schnell wieder ein starkes Wachstum haben. Wenn wir bis dahin zu stark abbauen, würden wir abgehängt.

Sie fürchten um ihren Marktanteil?

Es ist unser klares Ziel, unseren Marktanteil in Europa wie anderswo zu vergrößern. Vor allem in Forschung und Entwicklung sowie im Vertrieb wollen wir unsere Mitarbeiter halten. Deshalb nutzen wir auch die Kurzarbeitsregelungen, um mit möglichst geringen Personaleinschnitten durch die Krise zu kommen.

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