Übernahmepläne: Ein bisschen mehr Ratio bei Schaeffler und Continental

Übernahmepläne: Ein bisschen mehr Ratio bei Schaeffler und Continental

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Continental-Hauptquartier in Hannover

Erst waren es die bösen Heuschrecken, jetzt ist es ein Familienunternehmen aus der fränkischen Provinz, das den Zorn von Politikern und Gewerkschaften auf sich zieht. Ein Übernehmer, über den in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist, ist per se erst einmal böse, so hat es in den vergangenen Tagen den Anschein. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Thomas Katzensteiner.

Die Art und Weise, wie sich Schaeffler an Continental herangeschlichen hat, sei ohnehin ein einziger Skandal, wenn man den Betroffenen und den Politikern glauben darf.

Aber mal ehrlich: Kann man von jemandem, der einen signifikanten Anteil an einem abwehrstarken Dax-Konzern übernehmen will, erwarten, dass er nicht den Rahmen des rechtlich Zulässigen ausschöpft? Das mag nicht gerade freundlich gewesen sein. Aber hätte sich ein anderer Investor, zum Beispiel ein Private-Equity-Fonds,  im Vorfeld einer solchen Aktion anders verhalten? Oder anders gefragt: Wie hätte sich denn Continental verhalten, wenn Schaeffler gesagt hätte: Wir möchten gerne mehr als 30 Prozent an Euch, aber wir haben noch keine einzige Aktie? Man darf wohl annehmen, dass Conti alles unternommen hätte, um dem potenziellen Bieter ein Bein zu stellen, noch ehe der sich's versehen hätte.

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Ganz normales Übernahme-Spiel

Dass jetzt die üblichen Ängste um eine Zerschlagung des Konzerns, um Arbeitsplatzverluste, um schlechtere Arbeitsbedingungen und Ähnliches geschürt werden, gehört bei Übernahmen zum Spiel. Ob es wirklich so kommt, kann derzeit niemand seriös beantworten. Aber muss man wirklich annehmen, dass ein neuer Eigentümer Schaeffler künftig härter mit den Conti-Arbeitnehmern umgeht, als es die Konzernspitze selber tut? Fallen nicht gerade im Rahmen der Siemens VDO-Übernahme ebenfalls tausende Arbeitsplätze weg? Und hat sich nicht Conti-Chef Manfred Wennemer selbst als stets rationaler Entscheider präsentiert, der einen Produktionsstandort ohne zu zögern ins Ausland verlagert, wenn die betriebswirtschaftliche Logik dafür spricht?

Wennemers Handeln ist im Augenblick durchaus verständlich. Es ist seine Aufgabe als Konzernchef, für seine Aktionäre das beste Angebot herauszuholen. Ein bisschen mehr Ratio in der Auseinandersetzung scheint aber dennoch angebracht. Nicht nur auf Conti-Seite, sondern auch auf Seiten von Gewerkschaften und Politik. Es geht schließlich nicht nur um Egos, sondern auch  um Arbeitsplätze und Existenzen, und da ist es stets besser, mit kühlem Kopf zu verhandeln – so schwer das auch fallen mag. 

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