Übernahmepoker: Icahn wirft Yahoo-Führung Sabotage vor

Übernahmepoker: Icahn wirft Yahoo-Führung Sabotage vor

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Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft will das schwächelnde Online-Unternehmen Yahoo für 44,6 Milliarden Dollar (knapp 30 Milliarden Euro) übernehmen

US-Investor Carl Icahn langt verbal heftig hin: In einem Brief warf er dem Yahoo-Management gestern vor, das Übernahme-Angebot von Microsoft zu "sabotieren". Zudem fordert Icahn die Streichung eines Plans zur Mitarbeiterentschädigung. Dieser sei eine "Giftpille" für die Übernahme. Yahoo reagierte rasch - und antwortete ungewöhnlich scharf.

US-Milliardär Carl Icahn gilt als raubeiniger Zeitgenosse. Der Corporate-Raider-Veteran ist mit dem Einstieg bei kränkelnden Unternehmen und deren baldigem Verkauf reich geworden. Und da lohnt es sich offenbar, verbal kräftig auf die Pauke zu hauen.

Icahns derzeitiges Vorgehen bei Yahoo ist ein Musterbeispiel seiner Strategie: Vor einigen Wochen ist Icahn dem Internet-Konzern eingestiegen. Nun hält er 4,3 Prozent der Yahoo-Anteile und greift das Yahoo-Management regelmäßig scharf an. So will er erreichen, dass Yahoo das Übernahme-Angebot des Software-Riesen Microsoft annimmt.

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Icahn will Yahoo-Chef Yang stürzen

Gestern läutete Icahn eine neue Runde ein: In einem Brief an Yahoo-Verwaltungsratschef Ray Bostock, der bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC online abrufbar ist, erhob Icahn schwere Vorwürfe gegen das Yahoo-Management:

Teures Mitarbeiter-Entschädigungsprogramm:

Laut Icahn habe das Yahoo-Management einen Mitarbeiter-Entschädigungsplan ins Leben gerufen, der Microsoft in den ersten zwei Jahren der Übernahme bis zu 2,4 Milliarden Dollar kosten würde. "Der Plan gibt jedem der 14.000 Yahoo-Mitarbeiter das Recht, innerhalb von zwei Jahren nach der Übernahme seinen Job zu kündigen und dabei großzügige Abfertiungen einzustreifen", schreibt Icahn.  Sabotage des Microsoft-Angebots: Laut Icahn habe der Mitarbeiter-Entschädigungsplan nur einem Zweck: Die Übernahme für Microsoft so teuer zu machen, dass der Plan als "Giftpille" dienen solle. "Ein Vorstand, der einen solchen Plan beschließe, "sabotiert jegliche Übernahme durch Microsoft.", so Icahn weiter. "Bislang dachte ich, dass solche Selbstzerstörungsmaschinen...ausschließlich in James-Bond-Filmen vorkommen". Microsoft hat zuletzt 47,5 Milliarden Dollar für Yahoo geboten, das Angebot aber vor einem Monat zurückgezogen. Täuschung der Aktionäre: Yahoo-Anteilseigner seien niemals über die Ausmaße des Mitarbeiter-Entschädigungsplans informiert worden. Und der Plan "macht es praktisch unmöglich für Microsoft, weiterhin am Verhandlungstisch zu bleiben."

Deshalb forderte Ichan die Abschaffung des Mitarbeiter-Entschädigungsprogramms - und kündigte an, dass er den gesamten Yahoo-Vorstand austauschen wolle.

Microsoft hatte zuletzt einen Preis von 33 Dollar je Aktie für die Übernahme von Yahoo vorgeschlagen, dies dann aber zurückgezogen. Yahoo-Chef hatte hatte 37 Dollar pro Aktie gefordert. Diesen Kurs hatte die Yahoo-Aktie zuletzt Anfang 2006 erreicht. Die 2,4 Milliarden Dollar könnten auf ungefähr 1,50 Dollar je Aktie umgerechnet werden.

Yahoo wehrt sich gegen Icahns Vorwürfe

Die Antwort von Ray Bostock fiel ebenfalls harsch aus: Icahns Brief "stellt die Fakten falsch dar und verdrehe die Tatsachen," schrieb Bostock gestern:

Icahn erläutere Zweck und Auswirkungen des Mitarbeiter-Entschädigungsprogramm falsch: Das Programm ziele darauf ab, das Eigentum des Unternehmens während unsicherer Zeiten zu schützen. Es sei "schlichtweg falsch", dass Mitarbeiter großzügige Entschädigungen bei Selbstkündigung erhielten. Um in den Genuss der Abfertigungen zu kommen, müsse es eine "Eigentümer-Änderung geben UND der Angestellte "ohne Grund" gekündigt werden oder selbst "aus gutem Grund" kündigen." Plan ist vollständig offengelegt: Da der Entschädigungsplan "vollständig offengelegt wurde, sollte er zu diesem Zeitpunkt für niemanden mehr eine Überraschung darstellen". Verdrehung der Tatsachen: Microsoft habe offenbar kein Interesse mehr an einer vollständigen Übernahme. "aus ihrem Brief verdächtig abwesend ist jeglicher glaubhafte Plan für Yahoo außer ...Ihr Drängen, dass sich das Unternehmen an Microsoft verkaufen solle."   

Analysten hatte erklärt, sie erwarteten, dass Microsoft bei einem Preis von 34 bis 35 Dollar zu einer Übernahme bereit sei. Icahn deutete an, er werde seine Drohung wahrmachen und den Yahoo-Chef Jerry Yang sowie den gesamten Vorstand bei der Aktionärsversammlung am 1. August absetzen, sollte das Programm nicht gestrichen werden.

Yang versicherte, Yahoo sei mehr als 47,5 Milliarden Dollar wert. Die neue Unternehmensstrategie trage auch schon erste Früchte und werde 2009 und 2010 zu Einnahme Steigerungen von 25 Prozent führen.

Unterdessen konzentrieren sich die Gespräche zwischen Microsoft und Yahoo Kreisen zufolge auf das Suchmaschinengeschäft des Internetkonzerns. Die Verhandlungen über die Preisfindung dürften in der kommenden Woche abgeschlossen werden, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person heute der Nachrichtenagentur Reuters.

Die beiden US-Unternehmen sprächen derzeit über die Bedingungen einer möglichen Transaktion, bei der der Softwareriese das Suchmaschinengeschäft von Yahoo kaufen könnte. Falls sich die beiden Seiten nicht einigen sollten, könnte Yahoo jedoch auf eine Partnerschaft mit dem Konkurrenten Google zurückgreifen, fügte die Person hinzu.

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