Übernahmeschlacht: Was mit Hochtief nun passiert

Übernahmeschlacht: Was mit Hochtief nun passiert

Bild vergrößern

Ein Hochtief-Kran steht hinter einer roten Ampel

von Harald Schumacher

Die Übernahme des Baukonzerns Hochtief durch ACS scheint unabwendbar. Die Spanier haben bereits mehr als 30 Prozent der Hochtief-Aktien. Die sieben wichtigsten Fragen und Antworten zum Übernahmekampf.

Ist die Übernahme noch zu verhindern?

Kaum. ACS hat Hochtief im Übernahme-Schach fast matt gesetzt. Die Spanier wollten mit ihrem Übernahmeangebot – das den Hochtief-Aktionären weniger Geld brächte als ein Verkauf an der Börse – zunächst nur die Grenze von 30 Prozent an den Hochtief-Aktien überschreiten. Das ist nun gelungen, ACS gab bekannt, inzwischen 30,34 Prozent der Anteile zu halten. Somit muss ACS den Aktionären kein weiteres Pflichtangebot machen – auch nicht, wenn nach weiteren Zukäufen der Anteil an Hochtief 50 Prozent übersteigt.

Anzeige

Zudem offenbart der 1213 Seiten starke Übernahmeprospekt, dass ACS in diesem Jahr Chancen auf den Erwerb weiterer Hochtief-Anteile hat. Im Februar und März nämlich werden sogenannte Swaps fällig, bei denen Banken 5,34 Prozent der Hochtief-Aktien an ACS weitergeben könnten. Dadurch erschiene eine Kapitalerhöhung von Hochtief, die den ACS-Anteil drücken würde, fast aussichtslos.

„Nur eine hohe Präsenz der dem Vorstand gewogenen Investoren bei der kommenden turnusmäßigen Hauptversammlung am 12. Mai 2011 könnte die Mehrheitsverhältnisse noch ändern – vorausgesetzt, das vertretene Kapital schlägt sich auf die Seite der Verwaltung und segnet eine Kapitalerhöhung ab, die den ACS-Anteil deutlich drückt“, sagt Oliver Maaß, auf Aktienrecht spezialisierter Jurist der Kanzlei Heisse Kursawe Eversheds.

Die vermutlich letzte Chance für Hochtief-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter, konzernintern Dr. Lü genannt: Er muss einen Weißen Ritter präsentieren – einen verbündeten Neu-Aktionär also, der das ACS-Angebot mit einer eigenen Offerte übertrifft oder ACS-Chef Florentino Pérez dessen Hochtief-Paket abkauft. Den scheint Lütkestratkötter nun gefunden zu haben: Das Emirat Katar hat sich bei Hochtief eingekauft und hält nun 9,1 Prozent der Anteile. Angedeutet hatte sich der Deal bereits Anfang November, als Katars Ministerpräsident Scheich Hamad in Berlin Kanzlerin Angela Merkel besuchte. „Die Karten werden neu gemischt“, beschreibt Aktienexperte Maaß die Situation nach der Zustimmung der Finanzaufsicht BaFin zum ACS-Angebot. „Wer interessiert ist, muss handeln, weil ACS sonst Hochtief fast sicher übernehmen kann.“

Was macht Pérez mit Hochtief?

Der ACS-Chef versucht, die Sorgen der Hochtief-Mannschaft zu zerstreuen: Er strebe keinen Beherrschungsvertrag an, die Unternehmenszentrale bleibe in Essen, die australische Tochter Leighton werde nicht verkauft. Allerdings hatte Pérez vor der Übernahme und anschließenden Zerschlagung des spanischen Baukonzerns Dragados 2002 ähnliche Zusagen gemacht – und gebrochen.

Da ACS in den drei Jahren seit dem Einstieg bei Hochtief nur ein Mal operativ die Partnerschaft gesucht hat – beim Bau einer Straße in Chile –, sehen Branchenkenner nur finanzielle Motive bei Pérez und leiten daraus dessen wahrscheinliche Schritte ab. Demnach dürfte der Spanier die profitable Leighton zügig verkaufen. Auch die US-Tochter Turner wäre leicht zu versilbern, die Hochtief-Sparte Concessions mit Flughafen- und Private-Partnership-Projekten steht eh zum Verkauf.

Mit dem Geld könnte Pérez die ACS-Verschuldung von rund zehn Milliarden Euro senken und seinen zweiten aktuellen Übernahmeangriff auf den spanischen Energiekonzern Iberdrola finanzieren. Dort hält Pérez 12,6 Prozent, die ihm wenig nützen. Er will auf über 20 Prozent kommen, um die Iberdrola-Gewinne anteilig in der ACS-Bilanz verwerten zu können – wie bei Hochtief.

Was erwartet die Mitarbeiter?

„Mit der Entscheidung der BaFin sind die Würfel gefallen“, sagte Klaus Wiesehügel, Hochtief-Aufsichtsrat und Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bau: „Wir müssen jetzt nach vorne denken. Es nützt niemandem, sich enttäuscht zurückzuziehen und nichts zu tun.“ Wiesehügel will ACS zu schriftlichen Zusagen bewegen: „Hochtief darf nicht zerschlagen werden, und die Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben.“ Am vergangenen Donnerstag wartete der bullige Gewerkschaftschef allerdings noch auf die von ACS angekündigte Kontaktaufnahme.

Trost für die rund 11 000 Hochtief-Mitarbeiter in Deutschland: Müssten sie ihrem Arbeitgeber den Rücken kehren, wären ihre Chancen so gut wie lange nicht. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Bauarbeiter ist seit 2005 von durchschnittlich 260 000 auf nun rund 80 000 im November gesunken, die der Bauingenieure von 14 000 auf 3100. Und die Hochtief-Leute würden über die Republik verteilt auf den Arbeitsmarkt kommen (siehe Tabelle auf der nächsten Seite).

Droht der Branche Schaden?

Hochtief wäre nach einer Zerlegung kein internationales Schwergewicht mit Standbeinen in Amerika und Asien mehr. Damit wären auch die Gewinnbringer des Konzerns weg, die die deutsche Bau-Krise von 1995 bis 2005 abfederten. Eine solche Schwächung von Hochtief habe zur Folge, dass Großprojekte wie Gotthard-Tunnel oder Öresund-Querung künftig ohne deutsche Unternehmen stattfänden, warnt der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Ohne „starken deutschen Großfirmenpartner“ werde zudem die internationale Wettbewerbsposition für mittelständische deutsche Planungs- und Spezialbauunternehmen sowie Maschinenhersteller schwieriger.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%