Übernahmeschlacht: Wiedekings Erbe könnte für Porsche-Eigentümer teuer werden

Übernahmeschlacht: Wiedekings Erbe könnte für Porsche-Eigentümer teuer werden

von Martin Seiwert

Die juristische Aufarbeitung der Übernahmeschlacht um VW könnte die Eigentümer von Porsche teuer zu stehen kommen.

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Ex-Porsche-Chef Wiedeking (links), Ex-Finanzvorstand Härter: Neue Schadensersatzklagen gegen Porsche sind bereits in Vorbereitung

Bei der Hauptversammlung von Porsche am vergangenen Freitag in Stuttgart machte ein Wort die Runde, das bei dem Sportwagenbauer seit Jahren nicht mehr in Gebrauch war: Verlust. Die Edelmarke, die lange als profitabelster Autobauer der Welt galt, verbuchte im zurückliegenden Quartal einen Verlust von rund 200 Millionen Euro vor Steuern – nach 3,2 Milliarden Euro Gewinn im Vorjahresquartal.

Der Betrag bleibt womöglich nicht die einzige rote Zahl, die Porsche verkraften muss. Sollten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzvorstand Holger Härter zu Anklage und Verurteilungen führen oder die sich abzeichnenden Schadensersatzklagen erfolgreich sein, drohen den Eigentümern der schwäbischen Sportwagen-Schmiede verheerende Folgen.

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So könnten die Prozesse die Integration von Porsche in den Mehrheitsaktionär, den Volkswagen-Konzern, um Jahre verzögern. Für das hoch verschuldete Unternehmen Porsche wäre es fatal, wenn es nicht bald unter das VW-Konzerndach schlüpfen könnte. „Die Schuldenprobleme von Porsche würden durch eine Verzögerung wieder in den Fokus rücken, die Aktie könnte darunter leiden“, sagt Autoanalyst Aleksej Wunrau von der BHF-Bank.

Juristische Aufarbeitung der Übernahmeschlacht läuft an

VW könnte die Klagen zum Anlass nehmen, den Kaufpreis der noch ausstehenden 50 Prozent von Porsche zu drücken. Das könnte die Eigentümerfamilien hohe Millionensummen kosten. „Das Risiko solcher Klagen war VW bekannt“, sagt ein hochrangiger VW-Manager. „Wir haben uns dagegen vertraglich abgesichert.“

Erfolgreiche Schadensersatzklagen „würden wohl die Porsche Automobil Holding SE treffen, sodass letztlich die Eigentümerfamilien den wirtschaftlichen Schaden hätten“, sagt Robert Heym, Gesellschaftsrechtsexperte der Münchner Kanzlei Graf von Westfalen. „VW wäre wohl nicht betroffen, soweit VW nur das in der Porsche AG gebündelte operative Geschäft erwirbt. Die Risiken der Porsche Automobil Holding SE würden wirtschaftlich weiterhin von den Eigentümerfamilien und natürlich von dem Großaktionär Katar getragen, soweit sich dieser nicht vertraglich gegen diese Risiken abgesichert hat.“

Die drohenden Prozesse sind Folge der Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen im vergangenen Jahr, deren juristische Aufarbeitung nun langsam anläuft. Die Staatsanwaltschaften Stuttgart und Frankfurt und die Finanzaufsicht BaFin ermitteln gegen Wiedeking und Härter wegen des Verdachts der Kursmanipulation, der verspäteten Veröffentlichung einer Adhoc-Mitteilung und der unbefugten Weitergabe von Insider-Informationen. Im vergangenen Jahr wurden deshalb Porsche-Büros, die Privathäuser von Wiedeking, Härter und einem weiteren Porsche-Manager sowie die Frankfurter Maple-Bank, die im Auftrag von Porsche mit Aktien handelte, durchsucht.

Porsche weist die Vorwürfe zurück

Kursverlauf der VW-Aktie in den vergangenen drei Jahren (Angaben in Euro)

Kursverlauf der VW-Aktie in den vergangenen drei Jahren (Angaben in Euro)

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch Berichte der WirtschaftsWoche über mögliche Marktmanipulationen von Wiedeking und Härter, wie die BaFin bestätigte. Porsche und die Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück. Dennoch, so hieß es bei Porsche im Vorfeld der Hauptversammlung, seien „Vorstand und Aufsichtsrat der Auffassung, dass die Beschlussfassung über die Entlastung der beiden ehemaligen Vorstandsmitglieder nicht erfolgen sollte, bevor die Ermittlungsverfahren abgeschlossen sind“.

Pünktlich zur Hauptversammlung zeigten amerikanische Investmentfonds schon einmal ihre Krallen. Die Fonds, darunter Elliott, Glenhill und GCM Little Arbor, reichten in der vergangenen Woche bei einem New Yorker Gericht eine Klage gegen Porsche, Wiedeking und Härter ein. Über eine Milliarde Dollar Schadensersatz fordern die Fonds, weil Porsche Kursturbulenzen der VW-Aktie ausgelöst habe. Dadurch seien Investoren geschädigt worden. Porsche wies die Vorwürfe zurück. Die Klage der Fondsgesellschaften beruht stark auf Recherchen der WirtschaftsWoche, wie aus der Klageschrift hervorgeht.

Die Klage der US-Fonds wird nicht die letzte sein. Die Düsseldorfer Kanzlei Simmons & Simmons hat bereits im vergangenen Jahr Anzeige erstattet, die Münchner Kanzlei Rotter prüft intensiv eine Sammelklage. Die Kanzlei CLLB aus München bereitet nach Angaben von Rechtsanwalt Franz Braun gemeinsam mit einer internationalen Anwaltskanzlei für mehrere institutionelle Investoren auch in Deutschland Klagen vor. „Der Streitwert“, sagt Braun, „liegt wenigstens im dreistelligen Millionenbereich.“

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