UEFA: Bittere Champions-League-Schlappe für Sat.1

KommentarUEFA: Bittere Champions-League-Schlappe für Sat.1

Bild vergrößern

Satellitenschüsseln auf dem Dach des Sat.1 Hauptsitzes

von Peter Steinkirchner

Europas Fußballverband UEFA sorgt mit der Vergabe der Champions League-Rechte an das ZDF für einen Einschnitt in die deutsche TV-Landschaft – und für viele Fragen.

Wieder ein Fernsehabend, den Sat.1 wird abhaken müssen – die UEFA hat gerade die Rechte für die Übertragung der Fußball-Champions League ab der Saison 2012/2013 neu vergeben. Zum Zuge kam in Deutschland neben dem Bezahlsender Sky nicht der aktuelle Rechteinhaber, Privatsender Sat.1, sondern das mit Gebührenmilliarden versorgte ZDF. Angeblich zahlen die Mainzelmänner mehr als 50 Millionen Euro im Jahr für den Kicker-Spaß; drei Jahre lang wird nun Europas Königsklasse beim ZDF über den Schirm flimmern.

Auch wenn ProSieben Sat.1-Vorstand Andreas Bartl nun gegen den Vertrag mit dem Gebührenkanal wettert und ankündigt, alle „rechtlichen Möglichkeiten“ dagegen prüfen zu wollen – der Zug dürfte abgefahren sein für die Münchner. Das ändert allerdings nichts daran, dass der ganze Vorgang ein Geschmäckle hat. Laufen mit freundlichem Segen des Bundeskartellamtes der Bundesliga-Fußball in der „Sportschau“ und vor allem sämtliche Auftritte der Nationalmannschaft seit Menschengedenken bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, waren es bislang stets die werbefinanzierten Privatsender wie Sat.1 und RTL, die die Champions-League-Matches übertrugen.

Anzeige

Mit diesem Stoff lockt man Zuschauer und Werbekunden

Wechselt die UEFA nun den Rechteinhaber, ist das ein echter Einschnitt in die deutsche TV-Landschaft. Denn zweifellos gehört die Königsklasse mit Teilnehmern wie Manchester United, FC Barcelona und Real Madrid mit zum leckersten, was der internationale Fußball zu bieten hat. Mit diesem Stoff lockt man Zuschauer und damit auch Werbekunden ins TV. Zwar ist offen, ob die Werbeeinahmen im Umfeld der Champions League allein für Sat.1 reichten, die teuren Rechtekosten zu refinanzieren. Doch zugleich zahlt die Übertragung der Begegnungen ein aufs Image des Senders, der ansonsten eher selten wirklich Publikumsträchtiges zu bieten hat und bei den Einschaltquoten meinst abgeschlagen dem großen Konkurrenten RTL hinterher hechelt. Umso bitterer nun für Sat.1, dass ein weiterer attraktiver Inhalt verloren geht.

Gespannt sein darf man nun auf die Details des neuen Deals. Denn zur Champions League gehören seit Jahren umfangreiche Werbevereinbarungen. Sponsoren wie Ford geben viele Marketingmillionen dafür aus, exklusiv in Vor- und Nachbericht und noch zigfach in der Halbzeitpause im Programm mit Trailern die Zuschauer nerven zu dürfen; der Mediawert für diese Auftritte liegt angeblich bei 15 Millionen Euro. Bei den Privatsendern war es kein Problem, die Filmchen auszustrahlen.

Beim ZDF wird das anders aussehen: Ab 2013 gelten neue Werberegeln für ARD und ZDF,  Sponsoring nach 20 Uhr ist dann tabu. Hat das ZDF nun den UEFA-Werbepartnern die Kurzauftritte abgekauft und verzichten die dafür nun europa-exklusiv darauf, in diesem attraktiven Umfeld für sich zu werben? Damit würde die UEFA den Werbewert ihres wichtigsten „Produktes“ sehenden Auges gefährden. Denn warum wohl kaufen sich Ford und Co.  in das Umfeld ein? Natürlich um in so vielen Märkten wie möglich auf einen Schlag gesehen zu werden. Und ausgerechnet in Deutschland haben sie ab Herbst 2012 einen blinden Fleck? Welcher Marketingmanager macht das denn mit? Die UEFA dürfte sich mit dieser Vergabe ein rechtes Ei ins Nest gelegt haben.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%