Ukraine-Tochter: Glücklicher Unfall für die Deutsche Bank

Ukraine-Tochter: Glücklicher Unfall für die Deutsche Bank

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Wechselstube in der Ukraine

Der Weg zur ukrainischen Banklizenz war lang und steinig. Jetzt erhält die Deutsche Bank sie mitten in einer schweren Wirtschaftskrise. Doch das Projekt zu stoppen, kam nicht in Frage.

Ein frisch gestrichener steingrauer Bau, gepflegt, aber nicht sehr repräsentativ. Drum herum ein hoher Zaun und ein gut bewachter, beschrankter Eingang. Man würde hier vielleicht die Botschaft eines kleinen Landes vermuten, eine Bank dagegen nicht unbedingt. Doch ein handtellergroßes Plexiglasschild verrät, dass hier die ukrainische Tochtergesellschaft der Deutschen Bank eingezogen ist. Rund 20 Mitarbeiter der Deutsche Bank DBU kümmern sich hier ab sofort um Geschäftskunden im sogenannten Transaction Banking, also das Management von Geldflüssen, Währungsgeschäfte und Handelsfinanzierung. Hauptkunden sollen zunächst deutsche und multinationale Unternehmen sein, die in die Ukraine expandieren.

Das alles wäre noch nicht überraschend, käme die Deutsche Bank mit dem Engagement nicht zu einer Zeit, in der andere Investoren die Ukraine weiträumig umschiffen. Das Land wurde von der Wirtschaftskrise hart getroffen, in diesem Jahr wird die heimische Wirtschaft nach Einschätzung der ukrainischen Zentralbank um bis zu 18 Prozent schrumpfen. Selbst die hauseigenen Analystenreports der Deutschen Bank zeichnen in weiten Teilen ein düsteres Bild  und verweisen auf hohe Risiken im Kreditgeschäft. Etwa 30 Prozent des Gesamtkreditvolumens gelten inzwischen als faul.

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Überschaubare Eigenkapitalausstattung

Deutsche-Bank-Vorstand und Deutschlandchef Jürgen Fitschen macht denn auch keinen Hehl daraus, dass man sich das Timing für den Einstieg in die Ukraine ursprünglich etwas anders vorgestellt hatte. Die Bank habe den Entschluss, sich um eine Banklizenz in der Ukraine zu bemühen, „zu einer Zeit gefällt, als die Welt noch anders aussah“, erklärt Fitschen.

Seit dem Frühjahr 2008 hatte die Bank das Projekt vorangetrieben, doch das gestaltete sich in den bürokratischen Mühlen der Ukraine alles andere als leicht. Ungewöhnlich ist das nicht und gilt vor vor allem dann, wenn man der Zulassung nicht mit unlauteren Mitteln auf die Sprünge helfen will. Doch das - Korruption - kam verständlicherweise zu keinem Zeitpunkt in Frage. Umso stolzer sind die Vertreter der Deutschen Bank nun, die begehrte Lizenz am 14. September dieses Jahres überhaupt erhalten zu haben. So könnte man den Zeitpunkt, an dem die Lizenz erteilt wurde, vielleicht als Unfall sehen, doch die Erleichterung, es überhaupt in den kleinen Kreis der Auslandsbanken mit ukrainischer Banklizenz geschafft zu haben, ist den Verantwortlichen um den neuen Landeschef Konstatin Seryogin anzumerken.

Viel zu verlieren dürfte die Deutsche Bank mit dem neuen Engagement ohnehin nicht haben. Die Eigenkapitalausstattung der Tochtergesellschaft ist mit 22 Millionen Euro überschaubar. Der Mitarbeiterstamm soll bis Jahresende von derzeit 20 auf etwa 30 steigen. Bis zum Jahr 2012 sollen es 50 Mitarbeiter sein. Die Planung ist betont konservativ, übermäßige Risiken oder einen Preiskampf mit der Konkurrenz will die Bank laut Fitschen meiden. „Es ist nicht unser Ehrgeiz, zu den größten Kreditgebern im Land zu gehören“, sagt Fitschen. An einem Punkt allerdings sind die Ziele, die der Vorstand vorgegeben hat, durchaus ehrgeizig: Die neue Auslandstochter soll bereits im kommenden Jahr schwarze Zahlen schreiben. Daran wird sich Deutschlands größte Bank in einem Jahr messen lassen müssen.

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