Ulrich Kallmeyer im Interview: "Nicht bedeutend genug"

Ulrich Kallmeyer im Interview: "Nicht bedeutend genug"

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Ulrich Kallmeyer, Vorstandsvorsitzender der Radeberger Gruppe

Ulrich Kallmeyer der Chef der größten deutschen Braugruppe Radeberger über den neuen Brauriesen Anheuser Busch InBev, gute und schlechte Brauereien und die Auswirkungen des Rauchverbots.

WirtschaftsWoche: Künftig kommt weltweit jedes vierte Bier vom neuen fusionierten Braugiganten Anheuser Busch InBev. Ist das der Anfang vom Ende für die Brauernation Deutschland?

Kallmeyer: Der deutsche Biermarkt tickt nach ganz anderen Regeln – das haben alle bisher in Deutschland aktiven internationalen Braugruppen wie Inbev, Carlsberg oder Heineken zum Teil schmerzlich erfahren müssen. Hierzulande liegt der Anteil ausländischer Biere auch viele Jahre nach deren Markteintritt bei mageren sechs Prozent. Inbev ist mit seinen in Deutschland vertriebene Marken Marktzweiter, nach einer deutschen Brauereigruppe, nämlich der Radeberger Gruppe. Und das wird sich auch auf längere Sicht nicht ändern.

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Kam die Elefantenhochzeit für Sie überraschend? Branchenexperten hatten sich eher auf einen langen Übernahmekampf eingestellt. 

Wir haben die Berichterstattung verfolgt – aber intern keine Wetten abgeschlossen, wann es und ob es denn zu diesem Zusammenschluss kommen könnte. Dazu war und ist das Thema für uns als Braugruppe, mit eindeutigem Fokus auf dem deutschen Biermarkt, nicht bedeutend genug. Dennoch, die Zeichen standen bis Ende letzter Woche eigentlich ganz deutlich auf eher längere Verhandlungen. Insofern kam die Meldung der dann sehr kurzfristigen Einigung überraschend.

Anheuser Busch Inbev ist bereits in Deutschland vertreten – mit den Marken Becks, Hasseröder, Franziskaner und Diebels. Bietet der Konzern bald auch seine US-Marken Budweiser oder Bud light hier an?

Dazu müsste Anheuser Busch erst einmal Marken haben, die sie im deutschen Markt vertreiben könnten – denn wegen älterer Markenrechte anderer Marktteilnehmer dürfen sie Budweiser und Bud unter diesen Namen nicht in Deutschland verkaufen.

Kommt die Konsolidierung der deutschen Bierbranche nun schneller voran?

Es könnte den ins Stocken geratenen Prozess überfällig reanimieren. Der psychologische Vorlauf im Bewusstsein der Marktteilnehmer wird neu angeregt, während die tatsächlichen Konsequenzen im Markt später kommen. 

Welchen deutschen Brauereien droht eine Übernahme?

Übernahmegefährdet sind gut aufgestellte Brauereien, die in ihrer Region mit starken Marken antreten und über gewisse regionale Marktanteile verfügen. Nur diese kommen für Käufe überhaupt in Frage. Diese Brauereien werden aber normalerweise nicht übernommen, sondern aktiv von den Eigentümern verkauft – um Synergien zu heben, das langfristige Überleben zu sichern, um Marken weiterzuentwickeln. Alle anderen Brauer – also die, die starr in Traditionen verharren, die nicht das Ohr an ihren Verbrauchern haben, die ihre Marken nicht pflegen, die ein wenig differenziertes Markenportfolio haben, die markenzersetzend, markenvernichtend arbeiten – sind in keinster Weise übernahmegefährdet. Sie sind unterganggefährdet: Sie erhöhen bei einem Zukauf die Komplexität der gesamten Brauereigruppe, ohne entsprechende Assets mitzubringen. Davon werden die meisten potentiellen Käufer die Finger lassen. Auch wir suchen nur nach starken Marken, die unser Portfolio perfekt ergänzen, die bedeutende Marktanteile in ihrer Region ausweisen können – und die unserer Philosophie der deutschen Bierkultur entsprechen. 

Wie hat sich der deutsche Biermarkt im ersten Halbjahr 2008 entwickelt? 

Ich habe bereits zu Beginn des Jahres ein sehr hartes Jahr vorhergesagt, mit einem Absatzrückgang von etwa vier Prozent. Bis einschließlich Mai lag das kumulierte Absatzminus im Inland bei 2,3 Prozent, allein im Mai waren es fast vier Prozent weniger. Der Juni brachte keine grundlegende Trendwende. Und meine Prognose für 2008 steht. Denn die Gründe bleiben ja – leider – bestehen: Die demografische Entwicklung, das Rauchverbot, das oft jetzt erst Wirkung entfaltet, unumgängliche Preiserhöhungen und eine deutliche Erhöhung der restlichen Lebenshaltungskosten, beispielsweise über Energie, die das Bier-Budget schmälert.

Ist die Halbjahresbilanz der Radeberger Gruppe ähnlich verheerend?

Die Radeberger Gruppe ist sehr zufriedenstellend in das Jahr gestartet. Wir konnten den bereits 2007 ausgebauten Abstand zu den Marktzweiten und –dritten weiter festigen. Gleichzeitig konnten wir den vergleichbaren Gesamt-Bierumsatz der Gruppe im ersten Halbjahr 2008 um ein Prozent steigern. Besonders unsere nationalen Marken zeigten ein deutliches Umsatz-Wachstum von acht Prozent. Der Absatz stieg besonders vor dem Hintergrund des deutlich rückläufigen Marktes um erfreuliche drei Prozent. Radeberger Pilsner, unsere Flaggschiffmarke, ist nach erfolgreichem Markenrelaunch bereits im Vorjahr im Umsatz um zwei Prozent gewachsen. Im ersten Halbjahr 2008 legte sie um mehr als fünf Prozent zu. 

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