Ulrich Lehner: Harter Gegenspieler für Telekom-Vorstand

Ulrich Lehner: Harter Gegenspieler für Telekom-Vorstand

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ARCHIV - Der Vorstandsvorsitzende von Henkel, Ulrich Lehner, in München (Archivfoto vom 07.11.2007). Der Henkel Konzern gibt am Mittwoch (27.02.2008) in Düsseldorf auf einer Bilanzpressekonferenz seine Geschäftszahlen bekannt. Foto: Rolf Vennenbernd dpa/lnw (c) dpa - Bildfunk

Bei Henkel verabschiedet sich Ulrich Lehner mit groß angelegtem Stellenabbau vom Chefposten. Er rückt als Oberaufseher der Deutschen Telekom auf eine der exponiertesten Positionen der deutschen Wirtschaft.

Ulrich Lehner, wer sonst. Der Chef des Düsseldorfer Persil-Konzerns folgt dem über die Liechtensteiner Steueraffäre gestolperten Klaus Zumwinkel als Telekom-Aufsichtsratschef. Überraschend ist das nur auf den ersten Blick. Lehner gehört zum überschaubaren Zirkel altgedienter Manager und Aufsichtsräte wie Gerhard Cromme (ThyssenKrupp, Siemens), Jürgen Hambrecht (BASF) oder Jürgen Weber (Lufthansa), die als Wirtschaftsführer auch auf dem politischen Parkett tanzen können. Und Lehner fügt sich in die Tradition ein. In schöner Regelmäßigkeit stellt Henkel den Oberaufseher des Bonner Telekommunikationsriesen. Sowohl Helmut Sihler, nach der Demission Ron Sommers sogar für einige Monate Interimschef der Telekom, als auch Hans-Dietrich Winkhaus standen in den Achtziger- und Neunzigerjahren an der Henkel-Spitze. Henkel-Chefs gelten als verbrauchernah, markenorientiert und vertraut im Umgang mit Großaktionären, schließlich hält der Henkel-Clan rund 30 Prozent am Unternehmen.

Allerdings ist Lehners Image nicht mehr ganz so porentief rein, wie es noch vor wenigen Tagen schien. Zuerst flog auf, dass sich Henkel mit Wettbewerbern wie Unilever und Colgate-Palmolive bei den Preisen abgesprochen hat, um Kunden zu schröpfen. Eine waschechte Affäre; gut 20 Millionen Euro Bußgeld verhängte das Kartellamt. Und nun will der scheidende Henkel-Chef 3000 Stellen streichen, obwohl die Gewinne sprudeln wie nie. Lehner, der seit über 20 Jahren „beim Henkel“ arbeitet, wie man dort sagt, zählt zu den Strippenziehern der deutschen Wirtschaft. Große Gesten oder Reden sind ihm fremd. Unterschätzen sollte den 61-Jährigen aber keiner. Ein Softie ist er nicht – wie der Stellenabbau belegt. Für Telekom-Chef René Obermann ein womöglich harter Gegenspieler.

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Seine Vorlieben

Es gibt kaum ein Gespräch, in dem Lehner nicht von einem neuen Hobby berichtet: Mal will der Mann mit der roten Hornbrille besser Chinesisch lernen, ein Segelboot kaufen und sich wieder mehr dem Kontrabass spielen widmen. Mal schwärmt er von der Klarinette, steigt vom Segel- ins Paddelboot und erzählt von Wanderungen in Nepal, Ski fahren, Golfen, Tennis, Musik, Kunst, Geige und Literatur. Einzig das Joggen scheint eine Konstante in Lehners Privatleben zu sein. Schon als Gymnasiast profilierte er sich als Läufer und gewann in den Sechzigerjahren mit der Schülerstaffel dreimal die Düsseldorfer Stadtmeisterschaften. Zehn Marathonläufe hat Lehner seitdem absolviert, seine Bestzeit steht bei drei Stunden und 24 Minuten. „Ein Marathon über 4.30“, sagt er, „ist kein Sport.“. Die Orientierung auf das ferne Ziel, ohne die Strecke selbst aus den Augen zu verlieren, dass sei es, was er daraus für seine Arbeit mitgenommen habe. Und wie überwindet er dabei immer wieder seinen inneren Schweinhund? „Ich rede mit ihm“, sagt Lehner. Bei so vielen Hobbys mag es als Beleg für Schaffenskraft gelten, dass Lehner am Tag der Arbeit geboren ist – dem 1. Mai 1946.

Seine Vorbilder

Die Frage, ob er jemandem nacheifere, beantwortet Lehner in seiner typischen Art: mit einem knappen und energischen Nein, fügt dann aber hinzu: „Es gibt ein Idealbild, dem ich versuche möglichst nah zu kommen.“ Und das hat er aus den Charaktereigenschaften unzähliger bekannter und unbekannter Persönlichkeiten komponiert. Zu denjenigen, die Lehner bewundert und aus deren Wirken er sein individuelles Bild vom idealen Menschen ableitet, zählen die Schriftsteller James Joyce („Ulysses“) oder Robert Musil („Der Mann ohne Eigenschaften“). Zu den Kollegen aus der Wirtschaft, von denen Lehner viel hält, gehören Ex-Nestlé-Chef Helmut Maucher und Konrad Henkel (Foto). Der Enkel des Firmengründers Fritz Henkel führte das Düsseldorfer Familienunternehmen zwischen 1961 und 1980 und legte den Grundstein für den heute in 125 Ländern tätigen Konzern. Ein Foto Henkels ließ Lehner extra in seinem Büro aufhängen.

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