Ulrich Schröder: "Die Zahl der Aufgaben ist gewachsen"

Ulrich Schröder: "Die Zahl der Aufgaben ist gewachsen"

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Ulrich Schröder

von Cornelius Welp und Cordula Tutt

Der Chef der staatlichen KfW sieht kein Ende der Vertrauenskrise zwischen den Banken. Die Energiewende will er noch deutlich stärker fördern als bisher.

WirtschaftsWoche: Herr Schröder, seit Wochen ist Angst das beherrschende Thema auf den Geld- und Kapitalmärkten. Steht uns eine Bankenkrise wie 2008 bevor?

Ulrich Schröder: Im Vergleich zu damals hat sich einiges verbessert, die meisten Banken haben mehr Eigenkapital und ein verbessertes Risikomanagement. Dennoch fehlt offensichtlich das Vertrauen der Anleger.

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Woran liegt das?

Aktieninvestoren sind nicht überzeugt, dass die Mehrzahl der Banken ein stabiles und ausreichend profitables Geschäftsmodell hat. Anleihegläubiger zweifeln daran, dass sie ihr Geld wiederbekommen. Das Einzige, was läuft, sind Pfandbriefe. Ohne derartige Sicherheiten können sich Banken über den Kapitalmarkt praktisch nicht refinanzieren. Dahinter stehen Zweifel an der Qualität der Vermögenswerte der Banken. Die werden durch die Staatsschuldenkrise bestimmt.

Also sind wir schon mitten in der Krise?

Die Banken sind in einer Refinanzierungs-, aber in keiner Solvenzkrise. Zu Problemen bei der Zahlungsfähigkeit könnte es kommen, wenn sich die Qualität der Vermögenswerte dramatisch verschlechtert, etwa durch Zahlungsausfälle von Staaten. Dann wäre die Lage noch gefährlicher als 2008, weil die Staaten die Banken kaum noch einmal retten könnten.

Die KfW ist von der Dramatik nur am Rande betroffen, weil der Bund für die Verbindlichkeiten geradesteht.

Wir profitieren klar vom Bedürfnis der Anleger nach Sicherheit. So günstig wie derzeit konnten wir uns nie zuvor Geld beschaffen. Unsere Refinanzierungskosten liegen unter denen Frankreichs.

Schafft das zusammen mit Ihren zuletzt erzielten Milliardengewinnen Begehrlichkeiten in Berlin, immer mehr politisch gewünschte Projekte zu finanzieren?

Eine Förderbank ist kein wachstumsorientiertes Unternehmen, das mit Wettbewerbern um Marktanteile kämpft. Wir wollen weiterhin nur dort aktiv werden, wo der Markt keine befriedigende Lösung bietet. Durch die Verwerfungen der vergangenen Jahre ist die Zahl der Aufgaben aber gewachsen. Langfristige Finanzierungen bleiben für Geschäftsbanken schwierig, das Vertrauen wird kaum mit einem Schlag zurückkehren. Unsere Aktivitäten werden sich deshalb wahrscheinlich auf hohem Niveau stabilisieren.

Was heißt das konkret?

Wir werden in diesem Jahr etwa 75 Milliarden Euro Förderkredite zusagen. Das ist mehr als geplant, aber weniger als 2010. Wir wollen uns stärker auf besonders relevante Förderaufgaben konzentrieren und allgemeinere Aktivitäten reduzieren. Wir haben bereits die zweckungebundene Finanzierung von Kommunen eingestellt. Ebenso werden wir aus der allgemeinen Bankenrefinanzierung aussteigen und keine sogenannten Globaldarlehen mehr vergeben, die allgemeine Ziele unterstützen. Den größten Zuwachs wird es bei Projekten zur Energiewende geben.

Schon 2010 floss knapp ein Drittel des Fördervolumens der KfW in Energieprojekte. Wie viel wird es künftig sein?

Der prozentuale Anteil wird steigen, aber wir sind noch mitten in den Planungen.

Der Zeitplan für den Ausstieg aus der Atomenergie ist knapp. Ist er einzuhalten?

Ob vor allem erneuerbare Energien die Kernkraft technisch ersetzen können, ohne dass es zu Stromknappheiten kommt, ist nicht unser Thema als Bank. Die Finanzierung ist ambitioniert. Die KfW wird für Investitionen in die Energiewende in den nächsten fünf Jahren insgesamt mehr als 100 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Damit spielt sie sicher eine ganz entscheidende Rolle. Die meisten Finanzierungen im Energiesektor sind langfristig und deshalb für Geschäftsbanken schwierig zu stemmen...

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