Umstrittene Geschäfte: Deutsche Bank unter Anklage

Umstrittene Geschäfte: Deutsche Bank unter Anklage

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"Ich fühle mich als Deutsche-Bank Immobilien-Opfer" steht auf dem Pullover eines Demonstranten, vor den Türmen der Deutschen Bank in Frankfurt/Main

von Cornelius Welp

Die Deutsche Bank ist Ziel zahlreicher Klagen und Ermittlungen. Größtes Ungemach droht dem Institut in den USA und in Deutschland selbst.

Josef Ackermann ist stolz auf sein Institut. In den vergangenen Jahren habe die Deutsche Bank ihre Reputation weltweit verbessert, freute sich der Schweizer vor wenigen Wochen bei der Hauptversammlung in Frankfurt. „Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf und die Glaubwürdigkeit der Bank aufs Spiel zu setzen“, versprach er den Aktionären. Die Deutsche Bank solle „nicht nur rechtlich, sondern auch ethisch einwandfrei agieren“. Bei 100.000 Mitarbeitern in mehr als 70 Ländern seien Verstöße gegen diese Prinzipien allerdings nie ganz auszuschließen, schränkte Ackermann ein.

Mit gutem Grund. Wegen laufender Prozesse und Ermittlungen machte die Deutsche Bank in den vergangenen Monaten weltweit fast ebenso viele Schlagzeilen wie mit ihrem erfolgreichen Geschäft. Mittlerweile hat sich eine wahre Flut von Verfahren gegen Deutschlands größte Bank angesammelt, die das Ansehen des Instituts zu beschädigen droht.

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Schweres Erbe USA

Vor allem in den Vereinigten Staaten, wo die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise gerade richtig in Gang kommt, stehen die Deutschbanker am Pranger. Sie zählten zu den größten Akteuren im Geschäft mit verbrieften Hypotheken minderer Qualität, das zum Beinahezusammenbruch des Finanzsystems Ende 2008 führte. Ermittelt wird zwar gegen fast alle großen Investmentbanken, der deutsche Branchenprimus steht jedoch im Fokus: Ein im April veröffentlichter Senatsbericht widmet der Deutschen Bank auf rund 40 Seiten ein eigenes Kapitel.

Das Geldhaus habe auch dann noch Pakete mit strukturierten Krediten aggressiv bei seinen Kunden beworben und verkauft, als führende Mitarbeiter schon nicht mehr an deren Wert glaubten, so der Vorwurf. Die prominente Erwähnung gilt als Indiz dafür, dass sich demnächst der Staatsanwalt mit der Deutschen Bank beschäftigen wird.

Auf Schadensersatz verklagt wurde die Deutsche Bank vom amerikanischen Staat bereits im Fall des Anfang 2007 übernommenen Hypothekenfinanzierers Mortgage IT. Die Klage entbehrt nicht einer gewissen Scheinheiligkeit. Die staatlichen Stellen hatten selbst ausgiebig für die aus europäischer Sicht aberwitzigen Bedingungen zum Hauserwerb geworben. Allerdings soll Mortgage IT die laxen Vorschriften zur Qualitätskontrolle noch deutlich unterschritten und sich so staatliche Ausfallgarantien für die Hypotheken erschlichen haben. 90 Prozent der Vorfälle datieren aus der Zeit vor der Übernahme, die Deutsche Bank muss aber für frühere Verfehlungen haften.

Schuld am Verfall von Immobilien?

Fast gleichzeitig mit der US-Regierung schickte Los Angeles der Deutschen Bank eine Klage ins Haus. Der Vorwurf: Sie soll Immobilien nicht ausreichend instand gehalten haben und damit für deren Wertverfall verantwortlich sein. Die Deutsche Bank argumentiert, sie sei gar nicht Eigentümer, sondern Treuhänder der Immobilien gewesen. Die Position ist angreifbar: Nach US-Medienberichten wollen die Generalstaatsanwälte in New York und Delaware die Bank auch wegen genau dieser Rolle unter die Lupe nehmen. Sollten sie dabei auf größere formale Unzulänglichkeiten stoßen, dürften weitere Klagen folgen.

Neben diesen Verfahren weist die Deutsche Bank in ihrem Geschäftsbericht noch sechs andere Sammelklagen aus. Die Prozesse in den USA sind riskant, der Ausgang ist ungewiss. Schädlich sind sie auch für das Ansehen bei Investoren: Goldman Sachs zahlte im vergangenen Jahr 550 Millionen Dollar, um ein Verfahren zu beenden, wird aber weiter mit Prozessen traktiert – der Aktienkurs des Marktführers brach zuletzt ein.

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