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Umstrittene Methoden: Die OVB-Masche

von Ingrid Herden

Interne Unterlagen zeigen fragwürdige Methoden zur Kundenwerbung. Verbraucherschützer hält das Vorgehen für "Datenschutzrechtlich bedenklich".

Verbraucherschützer Lars Gatschke
Verbraucherschützer Lars Gatschke

Bei Strukturvertrieben heuert jeder Berater neue Mitarbeiter an, an denen er dann als ihr Vorgesetzter mitverdient. Die WirtschaftsWoche zeigt anhand von internen Schulungsunterlagen der OVB in Köln, wie Vermittler psychisch und finanziell unter Druck gesetzt werden. Die OVB weist Vorwürfe zurück, dass sie dabei teils ungesetzliche Methoden einsetzt. 

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Die Führungskräfte drängen die Newcomer zu Verkaufsgesprächen mit An-gehörigen, Freunden und Arbeitskollegen. Diese müssen neue Kontaktempfehlungen geben: für Kundentermine oder zur Rekrutierung neuer Berater.

Nach den Schulungsunterlagen sollen die OVBler beim Erstkontakt verschleiern, dass sie Finanzprodukte vermitteln wollen. In einem Anruf-szenario übernimmt die Führungskraft das Telefonat nach der Einleitung vom Neuling und stellt die OVB vor:

„Wie Ihnen Herr/Frau... schon gesagt hat, ist er dabei, sich beruflich zu verändern, und macht in unserem Unternehmen eine Ausbildung zum Finanzberater. Dabei geht es vor allen Dingen um die Erstellung von Finanz- und Subventionsanalysen, um festzustellen, ob unsere Kunden alle staatlichen Mittel, die ihnen zustehen, auch nutzen.“

Lars Gatschke, beim Verbraucherzentrale Bundesverband für Versicherungen zuständig, hält das für ungesetzlich: „Eine solche Kundenansprache wäre ein Verstoß gegen die Informationspflichten des Versicherungsvermittlers“, urteilt er. „Schon beim ersten geschäftlichen Kontakt muss er über das Gesprächsziel aufklären, nämlich Finanzprodukte zu verkaufen.“

Bedenkliche Adressensammlung

Schon beim zweiten Gespräch sollen Vorgesetzte Anfänger drängen: „Wie ich sehe, haben Sie noch keine Namen als Empfehlung eingetragen. Bei welchen Personen aus Ihrem Bekanntenkreis können Sie sich vorstellen, dass sie sich für eine solche Analyse interessieren?“ Auch der Kunde soll neue Daten liefern. Der Vermittler im Schulungsszenario:

„Sagen Sie, haben Sie eigentlich ein Handy?“ Ja, klar. „Wie viele Personen haben Sie darin gespeichert?“ So rund 100. „Frau/Herr..., suchen Sie sich die Personen aus, die auch Geschenke vom Staat bekommen möchten. Mit wem wollen Sie anfangen?“ [holt Handy und blättert] Anne. Anne Berger. Das ist eine gute Freundin von mir. „Wie lautet die Nummer?“

Die Adressensammlung hält Gatschke für „datenschutzrechtlich bedenklich“: Er bezweifelt, dass die OVB diese Angaben ohne Einwilligung des Betroffenen erheben darf.

Irreführende Jobangebote

Finanzprodukte zu vermitteln ist nicht unbedingt ein Traumjob. Deshalb empfiehlt die OVB in ihrem Schulungsszenario diffuse Jobbeschreibungen bei der Rekrutierung neuer Berater:

Kundenreaktion: „Worum geht’s denn da?“ Grundsätzlich haben wir drei Tätigkeitsbereiche zu vergeben, Datenerfassung, Datenauswertung sowie Beratung und Betreuung unserer Kunden. Ihre Eignung und Ihre Interessen bestimmen Ihr Einsatzgebiet. Wie und wo genau, das können wir im persönlichen Gespräch klären.

Die Bundesagentur für Arbeit warnte bereits 2008 auch am Beispiel der OVB vor solchen Manövern: „Dass diese Stellenangebote... nicht besetzt werden können, liegt daran, dass die Ausschreibungen selten den wirklichen Hintergrund der Stelle wiedergeben. Alle Stellen werden für Sekretär/-in, Bürokaufleute, Industriekaufleute, Wirtschaftsassistent/-in in mehreren Anzeigen ausgeschrieben, tatsächlich werden Vertriebsmitarbeiter gesucht.“

96 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 05.04.2013, 16:19 UhrVerbraucherschuetzer

    Ich bin mit der OVB Wuppertal super zufrieden. Seit 10 Jahren bin ich dort Kunde. Ich war sogar auch schon nebenberuflich dort tätig und habe überhaupt nur positive Erfahrungen gemacht. Daher kann ich es nicht verstehen, wenn manche Leute alles schlecht reden. Wenn ich in einem Mercedes Autohaus mit einem Verkäufer unzufriueden bin, ist ja auch nicht der gesamte Mercedes Konzern schlecht ! Ich empfehle halt die OVB Wuppertal im Wiküler Park !!!

  • 01.02.2013, 14:38 UhrSauer62

    OVB= Organisierte Verbrecherbande....Als langjähriger Kunde (wahrscheinlich mit rosaroter Brille),habe ich mir ab Heute jeglichen Kontakte zu mir verboten.
    Es arbeiten da Mitarbeiter ,die mangelndes Wissen haben.
    Ich habe zb. ein Jahr für einen günstigeren Tarif zweifach Haftpflich plus Hund gezahlt.
    Jedoch im Beratungsgespräch bei mir zu Hause wurde das (durch Unwissenheit des Beraters?) nicht erwähnt.
    Ebenso der Abschluß einer Zusatzkrankenversicherung seit 2003 mit ca.50 €/Monat.
    Ich habe dies nie in Anspruch genommen und wer es Nachrechnen kann,kommt schnell auf ein nettes Sümmchen.
    Abgeschlossen ohne große Beratung ,weil man ja den Menschen persönlich kannte.
    Voller Vertrauen....
    Ein Telefonat mit der dazugehörigen Versicherung ergab...Gezahlt für nichts und Kündigungsfristen zum Ende des Jahres mit dreimonatiger Kündigungsfrist.
    Na vielleicht breche ich mir ja mal was und hole mir so mein Geld zurück....nicht wirklich Erstrebenswert aber traurig ,wenn ich Rechne was ich für Nöppes der Versicherung in den Rachen geworfen habe.
    Da Bedarf es einer Gesetzesänderung,ich halte das für Abzocke.

  • 04.12.2012, 12:36 UhrMaxVA

    War selber bei der OVB (lang genug),egal was war, ist und sein wird:
    Das System ansich bringt nur dem Unternehmen wirklich Kohle!
    Haftungen, Bestände, Strukturen werden aufgebaut und zerbrechen wieder!
    Von 0 auf 150 Mitarbeiter und retour!
    Und warum? Weil es nur so funktionieren kann, damit die wenigen ganz oben für kurze Zeit überproportional verdienen = hinter denen die Sinnflut von Jahr zu Jahr von Jahrzehnt zu Jahrzehnt bis zur Unendlichkeit und noch viel Weiter!!! In diesem Sinne schönes weiter-zerreden

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