Umweltschutz: Gabriel: Industrie muss für genetische Ressourcen zahlen

Umweltschutz: Gabriel: Industrie muss für genetische Ressourcen zahlen

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Umweltminister Sigmar Gabriel

Die Industrie muss nach Ansicht von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel verpflichtet werden, für die Nutzung von genetischen Ressourcen aus Schwellen- und Entwicklungsländern zu zahlen. Vor der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn sagte Gabriel der WirtschaftsWoche, es müsse dringend ein Abkommen gegen Biopiraterie verhandelt werden.

„Wir brauchen gegen Biopiraterie endlich ein verbindliches völkerrechtliches Abkommen. Wir müssen dafür einen klaren Verhandlungsauftrag bis zur nächsten Konferenz 2010 in Japan haben, ein „Bonner Mandat“, so wie es seinerzeit das Berliner Mandat gab, das dann zum Kyoto-Protokoll geführt hat“, so Gabriel. „Bonn wird noch keinen Vertragsabschluss bringen, aber hoffentlich den Weg dorthin festlegen. Länder, die genetische Ressourcen in der Natur haben und schützen, müssen an den Gewinnen derer beteiligt werden, die damit etwa Medikamente herstellen.“

Die Zahlungsbereitschaft der Industrie sei die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen weiterhin die Artenvielfalt etwa der Regenwälder nutzen können. „Wir können doch nicht von den Brasilianern verlangen, dass sie ihren Regenwald schützen – und uns dann am reich gedeckten Tisch genetischer Ressourcen bedienen, ohne etwas zurückzugeben. Das finde ich unfair. Und die betroffenen Länder empfinden das als Biopiraterie.“

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Gabriel weiter: „Es ist doch selbstverständlich, dass man für Ressourcen, die man nutzt, auch bezahlt. Vermutlich geht es in der Praxis nicht einmal um riesige Summen. Wichtig ist die Bereitschaft der Industrieländer, mit den Entwicklungs- und Schwellenländern auf Augenhöhe zu agieren. Nur wenn wir zeigen, dass es uns ernst mit dem Vorteilsausgleich ist, bekommen unsere Firmen überhaupt den Zugang zum weltweiten Genpool – anders werden die Entwicklungsländer zu Recht nicht mehr mitmachen.“ Dabei habe Europa einen klaren Wettbewerbsvorteil, weil die USA die UN-Konvention über die Artenvielfalt bisher nicht unterschrieben haben und deshalb amerikanischen Forschern „der Zugang damit künftig verweigert“ werde.

Für Deutschland will Gabriel eine starke Verminderung der rasanten Flächenversiegelung erreichen. „Derzeit werden in Deutschland 115 Hektar pro Tag versiegelt. Wir wollen, dass es künftig nur noch 30 Hektar sind. Wir stehen in einer besonderen Verantwortung, denn wenn ein reiches Land wie Deutschland beim Naturschutz versagt, können wir kaum von Entwicklungsländern Anstrengungen erwarten. Den Afrikanern vorzuschreiben, ihre Elefanten zu schützen und dann den ersten Bär abzuschießen, der hier um die Ecke kommt – das lässt sich auf einer internationalen Konferenz schlecht erklären.“

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