Unfallvermeidung: Politik macht Druck bei Fahrer-Assistenzsystemen für Lkw

Unfallvermeidung: Politik macht Druck bei Fahrer-Assistenzsystemen für Lkw

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Die EU möchte schnell für mehr Sicherheit bei LKW sorgen

Fahrer-Assistenzsysteme könnten viele Lkw-Unfälle verhindern. Doch die Spediteure ordern die teuren Extras zu selten. Nun will die Politik Druck machen.

Die Insassen des VW Passat hatten nicht den Hauch einer Chance. Die zwei Frauen im Alter von 35 und 39 Jahren standen am Ende eines Staus vor dem Kamener Kreuz, als sich ein Sattelzug aus den Niederlanden mit etwa 80 Kilometern pro Stunde und damit praktisch ungebremst in ihr Fahrzeug bohrte. Der Aufprall war so heftig, dass der Pkw unter einen Sattelzug gepresst, dieser wieder gegen ein Wohnwagengespann sowie einen anderen Laster geschoben wurde und alle Fahrzeuge in Flammen aufgingen. Traurige Bilanz des „Horror-Crashs“ auf der A2: fünf Tote, sechs Verletzte und Sachschäden von mehreren Millionen Euro.

Am gleichen Tag hatte EU-Industriekommissar Günter Verheugen auf einer Veranstaltung in Berlin eine Initiative zur Ausstattung von Lastzügen und Reisebussen mit elektronischen Fahrer-Assistenzsystemen gestartet, um die Zahl schwerer Unfälle im Straßengüterverkehr deutlich zu reduzieren. „Jährlich entstehen den Volkswirtschaften in Europa Schäden von rund 370 Millionen Euro durch das Auffahren von Lastern auf andere Fahrzeuge oder weil Lkws von der Fahrbahn abkommen“, beklagte der Europapolitiker.

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Abstandsregeltempomaten (ACC), Spur-assistenten (LGS) und Elektronische Stabilitätsprogramme (ESP) – letztere sind in den meisten Personenwagen längst Standard – könnten nach einer Untersuchung des Allianz Technik-Zentrums von 2006 ein Drittel dieser Unfälle verhindern, wenn sie denn flächendeckend zum Einsatz kämen. Verheugen begrüßte deshalb die Kampagne „Sicher. Für Dich. Für mich“, die von der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen, dem Bundesverband Güterkraftverkehr sowie den Kravag-Versicherungen gestartet wurde. Spediteuren werden dabei Fördergelder und Rabatte auf die Versicherungsprämien gewährt, wenn sie neue Fahrzeuge freiwillig mit den elektronischen Schutzengeln ausstatten.

Doch bei der Freiwilligkeit soll es nicht bleiben: Ende Mai hat Verheugen eine Verordnung auf den Weg gebracht, nach der neue Lkws ab 2012 über ESP verfügen sollen. Ab 2014 soll der Einbau für alle Neufahrzeuge Pflicht werden. Das ESP wirkt sowohl auf das Antriebs- als auch auf das Bremssystem und sorgt dafür, dass der Fahrer die Kontrolle über seinen 40-Tonner behält, wenn der mal ins Schlingern gerät.

Bereits ab 2013 will die Kommission zudem vorausschauende Notbremssysteme für schwere Nutzfahrzeuge vorschreiben. Spurhalte-Assistenten sollen ebenfalls zu diesem Datum Pflicht werden. Ausgehend von Studien, die etwa die Bundesanstalt für Straßenwesen erstellt hat, schätzt die Kommission, dass die Zahl der Verkehrstoten in Europa allein durch diese Vorgabe jährlich um 1000 sinken könnte. „Derzeit existierende Notbremssysteme vermeiden nicht immer Zusammenstöße, sie stellen aber sicher, dass der Aufprall mit einer niedrigeren Geschwindigkeit passiert, und vermindern somit die Verletzungen“, heißt es in dem Gesetzesentwurf. Künftige Systeme, so die Hoffnung der EU-Kommission, könnten Zusammenstöße sogar komplett vermeiden – und die Vision vom unfallfreien Straßenverkehr dann endlich Realität werden lassen.

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