Unicef-Affäre: SOS-Kinderdörfer-Chef fordert "verbindliche Kontrollen"

Unicef-Affäre: SOS-Kinderdörfer-Chef fordert "verbindliche Kontrollen"

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Ein SOS-Kinderdorf in Simbabwe: Weisenkinder laufen im Mai 2001 raus zum Spielen.

Wilfried Vyslozil, Geschäftsführer der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit in München, fordert vor dem Hintergrund der Unicef-Affäre die gesamte Spendenbranche auf, Konsequenzen zu ziehen.

Unabhängiges Controlling durch Wirtschaftsprüfungs- gesellschaften müsse allgemeinverbindlich für alle werden: „Verbindliche Kontrollen sind notwendig“, so  Vyslozil im WirtschaftsWoche-Interview. Die bisher freiwillige Unterordnung unter das deutsche Handelsrecht solle künftig ebenfalls „allgemeinverbindlich und verpflichtend für alle gemeinnützigen Organisationen sein“. Für die handelnden Personen müsse die kaufmännische Sorgfaltspflicht in besonders strenger Auslegung gelten.

Vyslozil möchte zudem das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen in seinen Kompetenzen stärken. Einigten sich die Hilfsorganisationen nicht auf strenge Selbstverpflichtungen, könne stattdessen „der Ruf nach dem Staat“ laut werden. Dann drohten „Gesetze, die oft am Problem vorbei und übers Ziel hinaus gehen“. Vyslozil fürchtet, durch die Vorwürfe gegen Unicef („eine sehr wichtige Marke in unserer Branche“) drohe den Hilfsorganisationen insgesamt ein außergewöhnlich tiefer Vertrauensverlust: „Ich bin sehr besorgt wegen des Klimas, das sich entwickelt. Das ist gerade hierzulande gefährlich, denn Deutschland ist im Rahmen der weltweiten gemeinnützigen Hilfe als Spender eine Großmacht.“

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Vyslozil, seit Januar Geschäftsführer von SOS-Kinderdörfer weltweit, distanziert sich scharf von den Geschäftspraktiken, die Unicef vorgeworfen werden und die im November vergangenen Jahres die Krise der deutschen Sektion der UN-Organsiation  auslösten. Vieles davon sei bei SOS-Kinderdörfer unmöglich: „Ich dürfte niemanden hier, der in Pension geht, anschließend mit sechsstelligem Jahresgehalt weiter beschäftigen. Es gibt bei uns keine fünfstelligen Provisionen für die Vermittlung von Spenden oder Kontakten. Baumaßnahmen geben wir nach Abwägen von mindestens drei Angeboten in Auftrag – wenn der Vorstand es absegnet.

Der SOS-Manager will aber auch aufräumen mit „romantischen Vorstellungen“ von Hilfsorganisationen: „Das öffentliche Bild von unserer Arbeit entspricht immer noch der Almosenwirtschaft der 50er Jahre: lauter Idealisten, die am Ende ihres Arbeitslebens selber zu Sozialfällen werden.“ Tatsächlich könnten globale Gruppierungen wie Unicef und SOS-Kinderdörfer „nicht mit null Verwaltungskosten agieren“. Spendensammeln koste Geld.

Selbst der berechtigte Ruf nach effektivem Controlling verursache Verwaltungskosten, denn weder eigene Controller noch externe Wirtschaftsprüfer arbeiteten umsonst. Vyslozil: „Verwaltungskosten gehören einfach dazu, wenn man nicht amateurhaft, sondern professionell und nachhaltig tätig sein will.“

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