Unilever-Deutschland-Chef Brouwers: "Ende der gnadenlosen Preiskämpfe"

Unilever-Deutschland-Chef Brouwers: "Ende der gnadenlosen Preiskämpfe"

Bild vergrößern

Unilever-Deutschland-Chef Harry Brouwer

von Mario Brück

Der Unilever-Deutschland-Chef über den Preiskampf von Discountern und Einzelhandel, die Spekulation mit Pflanzenöl und mögliche Preiserhöhungen.

WirtschaftsWoche: Herr Brouwer, seit Monaten steigen die Preise für viele Rohstoffe. Wird der Kunde bald für Dove, Knorr, Sunil, Langnese oder Lipton tiefer in die Tasche greifen müssen?

Harry Brouwer: Die Preissteigerungen bei vielen Rohstoffen sind ein Problem. Der Druck von der Kostenseite liegt derzeit bei zwei Prozent und darüber, die wir über Preiserhöhungen unsererseits kompensieren müssen.

Anzeige

Welche Produkte sind betroffen?

Unter anderem Produkte, die mit Pflanzenölen hergestellt werden, also Margarine, Eiskrem, Körperpflegeprodukte. Es gibt bei den Ölen eine starke Nachfrage aus Russland und Asien. Die kann nicht befriedigt werden, weil die Mengen auf den Märkten durch die Hedgefonds blockiert sind, die damit spekulieren, oder für subventionierten Biodiesel verwendet werden.

Die Preise werden auf den Jahresgesprächen verhandelt, jenen gefürchteten Preisrunden im Herbst, bei denen die Einkäufer der Handelsketten versuchen, die Vertriebsleute der Hersteller auszuquetschen. Das sei ein "Relikt aus dem Mittelalter", sagt Rewe-Chef Alain Caparros. Hat Rewe die Treffen schon abgeschafft?

Nein, es gibt sie immer noch. Aber die Inhalte haben sich tatsächlich verändert. Es wird nicht mehr stundenlang über die dritte Stelle hinter dem Komma diskutiert, das letzte Promillchen rausgequetscht. Dafür hat auch wirklich niemand mehr Zeit. Ich stelle mehr und mehr eine andere Form der Diskussion fest. Der Handel braucht Ideen, um sein Wachstum zu realisieren und um sich gegenüber den Wettbewerbern abzuheben. Über den Preis ist das ja kaum noch möglich, weil etwa bei Preissenkungen eines wichtigen Discounters sofort alle anderen die Preise ebenfalls senken. Wir müssen dem Handel neue Ideen liefern. Denn der Preis ist nicht alles.

Diesen abgedroschenen Satz hören wir seit einem Jahrzehnt, und bisher hat sich nichts geändert. Für einen überwiegenden Teil der Verbraucher ist der Preis alles! Und der Handel hat ihn dazu erzogen.

Jedenfalls sind wir an einen Punkt gelangt, an dem sogar die großen Handelskonzerne ein Ende der gnadenlosen Preiskämpfe thematisieren – ja, herbeisehnen. Wir werden dabei sicher nicht im Weg stehen.

Das wundert uns nicht. Schließlich sind die Margen der Lebensmittelhersteller mit 15 bis 20 Prozent ziemlich komfortabel im Vergleich zu den Lebensmittelhändlern, die mit zwei oder drei Prozent auskommen müssen.

Das sind zwei unterschiedliche Branchen. Unilever investiert viel Geld in Forschung und Entwicklung, damit wir dem Handel stets neue oder verbesserte Produkte bieten können. Und wir sind es auch, die diese Produkte bewerben – das ist auch nicht ganz billig. Und schließlich tragen die Hersteller die Verantwortung, dass das Produkt durch hohe Forschungs- und Werbeaufwendungen ein Erfolg wird. Die Fragen sollten daher lauten: Muss der Handel mit diesen geringen Margen leben? Und müssen die Spannenverbesserungen, die der Handel regelmäßig bei der Industrie erzielt, gleich wieder als Munition in den Preiskampf gesteckt werden? Schließlich kommen Handelskonzerne in anderen Ländern auf Margen, die zwei- bis dreimal so hoch sind, wie die der deutschen Händler.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%