Unternehmen: Wachsende Angst vor feindlichen Übernahmen

Unternehmen: Wachsende Angst vor feindlichen Übernahmen

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Demag-Kräne

von Mario Brück, Jürgen Salz, Stephanie Heise und Cornelius Welp

Bei deutschen Unternehmen wächst die Angst vor feindlichen Angreifern. Der Ruf nach staatlichem Schutz und Gesetzesänderungen wird lauter. Verbesserungen im Detail sind sinnvoll, eine große Reform nicht.

Der Hangar 7 ist eine Wartungshalle von Air Berlin am Düsseldorfer Flughafen. Bis zu drei Großraumflugzeuge können hier gleichzeitig geprüft und repariert werden. Durch die Halle schwebt das tonnenschwere Triebflächenteil einer Boeing 787 und erreicht millimetergenau seinen Montageort. Der funkgesteuerte High-Tech-Kran an der Hallendecke, der das Transportkunststück vollführt, stammt von Demag Cranes. Das im MDax gelistete Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf gilt als weltweit führend in der Krantechnologie, produziert in 16 Ländern auf fünf Kontinenten, beschäftigt fast 6000 Menschen und macht einen Umsatz von knapp über einer Milliarde Euro.

Die starke Position hat Begierden geweckt. Mit Konecranes aus Finnland und Terex aus den USA interessieren sich gleich zwei Konkurrenten für die ehemalige Mannesmann-Tochter. Offizielle Angebote sind bislang ausgeblieben, die Spekulationen um eine feindliche Übernahme haben die Aktien des Kranbauers aber bereits um rund 30 Prozent verteuert.

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Die Gegenwehr von Demag-Lenker Aloysius Rauen sorgt bei Konecranes-Chef Pekka Lundmark für Zeichen von Resignation: „Die Tatsache, dass keine Gespräche mit Demag zustande kamen, und der starke Kursanstieg der Demag-Aktien seit unserem Vorstoß haben die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Übernahme verringert“, sagte er am Donnerstag.

Demag Cranes ist nicht das einzige Unternehmen, dessen Management gegen von ihm unerwünschte Interessenten aus dem Ausland kämpft. Noch erbitterter wehrt sich derzeit der Baukonzern Hochtief gegen die Attacke seines spanischen Großaktionärs ACS. Seit Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter Anfang Oktober im Interview mit der WirtschaftsWoche politische Unterstützung einforderte, ist die Diskussion in Berlin voll entbrannt.

Während sich Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und andere Regierungspolitiker gegen Hilfe ausgesprochen haben, findet Lütkestratkötter bei der Opposition mehr Gehör. SPD-Chef Sigmar Gabriel wie auch die SPD-Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, haben Gesetzesinitiativen angekündigt. Das deutsche Übernahmerecht soll geändert werden, damit solche Angriffe künftig schwerer möglich sind.

Im Fall von ACS gibt es zumindest auf den ersten Blick Grund zur Sorge. Der spanische Baukonzern ist hoch verschuldet, eine Zerschlagung der bisherigen Struktur von Hochtief ist durchaus möglich.

Das ist aber kein Grund, wegen eines Einzelfalls die insgesamt bewährte Gesetzeslage grundsätzlich zu reformieren und Transaktionen generell zu erschweren. Weder scheinen deutsche Unternehmen und ihre Aktionäre im internationalen Vergleich dramatisch benachteiligt. Noch haben feindliche Übernahmen oder Käufe durch Ausländer besonders schwere Folgen für die betroffenen Unternehmen und deren Beschäftigte.

Banker rechnen damit, dass die Zahl der Übernahmen in Deutschland bald wieder steigt. Die Hindernisse aus der Finanzkrise nehmen ab: „Die künftige Entwicklung eines Unternehmens lässt sich verlässlicher voraussagen. Käufer müssen nicht mehr fürchten, auf der Risikoseite negativ überrascht zu werden, und erhalten auch wieder leichter eine Finanzierung, die wegen der niedrigen Zinsen zudem attraktiv ist“, sagt Kai Tschöke, Leiter des deutschen Übernahmegeschäfts bei der Investmentbank Morgan Stanley.

Viele deutsche Unternehmen dürften wegen ihrer Exportstärke, weltweiten Marktstellung und ihres technischen Vorsprungs in den Fokus geraten. Zudem sind ihre Bewertungen an der Börse oft noch attraktiv. Und nur wenige deutsche Konzerne haben schützende Großaktionäre wie der Softwareriese SAP. Die Walldorfer gelten als mögliches Übernahmeziel für US-Konzerne wie Hewlett-Packard oder Microsoft. Doch ohne den Segen der Gründer und wichtigen Anteilseigner Hasso Plattner, Dietmar Hopp und Klaus Tschira dürfte bei SAP nichts gehen.

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