Unternehmens-Boykott: Wikileaks-Unterstützer schlagen zurück

Unternehmens-Boykott: Wikileaks-Unterstützer schlagen zurück

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Amazon-Boykottaufruf bei Facebook

von Oliver Voß

Amazon, Paypal oder Mastercard: Zahlreiche Unternehmen gehen gegen Wikileaks vor. Unterstützer der Plattform reagieren mit Boykottaufrufen, Facebook-Aktionen und haben die Website von Mastercard und Visa lahmgelegt. Facebook und Twitter gehen nun auch gegen die Wikileaks-Unterstützer vor.

"Der erste echte Informationskrieg ist ausgebrochen. Das Schlachtfeld ist Wikileaks. Ihr seid die Truppen." Mit dieser Twitter-Botschaft hat John Perry Barlow, Mitgründer der Bürgerrechtsorganistaion Electronic Frontier Foundation und ehemaliger Musiker der Gruppe Grateful Dead, auf den Punkt gebracht, was sich derzeit im internet abspielt. Gegner und Unterstützer von Wikileaks liefern sich einen immer heftigeren virtuellen Kleinkrieg und mittlerweile sind immer mehr große Unternehmen zu Akteuren und Zielen in dieser virtuellen Schlacht geworden.

Mit Boykottforderungen und automatisierten Massenaufrufen werden Konzerne attackiert, die gegen Wikileaks vorgehen. Zuletzt gelang es den Wikileaks-Unterstützern, die Internetseiten von Vis und Mastercard lahmzulegen.  

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Die beiden Kreditkartenunternehmen hatten Zahlungen an Wikileaks gesperrt und damit die Spendenmöglichkeiten eingeschränkt. Die Liste der Unternehmen, die gegen Wikileaks vorgehen ist damit immer länger geworden. Zuvor hatte die Ebay-Tochter Paypal ein Konto eingefroren, die Schweizer Bank Postfinance sperrte das Konto von Wikileaks-Gründer Julian Assange.

Amazon hat die Wikileaks-Seiten von seinen Servern genommen; das Unternehmen Tableau Software hatte grafische Aufarbeitungen der Botschaftsdepeschen von seiner Seite genommen und der US-Internet-Dienstleister EveryDNS.net hatte ebenfalls seine Dienste für Wikileaks eingestellt. Damit waren die Inhalte nicht mehr unter wikileaks.org abrufbar.

Druck auf Amazon & Co.

In der Regel beriefen sich die Unternehmen darauf, dass ihre Geschäftsbedingungen durch Wikileaks verletzt wurden. Doch viele Beobachter vermuten auch, dass US-Politiker Druck auf die Unternehmen ausüben.

So appellierte der Vorsitzende des US-Senatsausschusses für Innere Sicherheit, Joe Lieberman, nach dem Rückzug von Amazon an andere Firmen, die Unterstützung von Wikileaks zu stoppen. „Ich rufe alle anderen Unternehmen und Organisationen, die Wikileaks hosten, auf, sofort die Geschäftsbeziehungen zu beenden“, sagte er. Zuvor hatte er Amazon nach Medienberichten gedrängt, Wikileaks nicht länger Server-Kapazitäten zur Verfügung zu stellen.

Paypal-Manager Osama Bedier erklärte heute auf der Internet-Konferenz „Le Web“ in Paris, die US-Regierung wäre auf den Bezahldienst zugegangen und hätte erklärt, die Aktivitäten von Wikileaks seien illegal.

Doch was auch immer die entscheidenden Beweggründe sind, auf viele Unternehmen fällt ihre Entscheidung nun negativ zurück.

An verschiedenen Stellen wird zum Boykott von Amazon oder Paypal aufgerufen. „Ich werde meine Weihnachtsgeschenke – entgegen meiner Gewohnheit – dieses Jahr nicht bei Amazon kaufen“, schreibt beispielsweise der bekannte Blogger Richard Gutjahr und fordert seine Leser auf, es ihm gleichzutun. Auch seinen PayPal-Button hat er von seiner Seite entfernt. „Ich tue das, indem ich Gebrauch mache von eben diesem freien Internet, das es zu verteidigen gilt – sei es vor Eingriffen durch den Staat oder durch Konzerne“, erklärt Gutjahr.

Auf Facebook wird an mehreren Stellen zum Boykott aufgefordert, immerhin bald 10.000 Unterstützer hat die Größte dieser Seite gesammelt. 3.500 Personen gefällt ein Boykott-Aufruf von PayPal.

Auch auf den Facebook-Seiten der Unternehmen hagelt es Kritik. Unter Digitalkameras und anderen Sonderangeboten auf der Amazons Facebook-Seite fragen Nutzer, wie sie eigentlich ihren Account löschen können. Einer der beliebtesten Kommentare zu Mastercard ist die Umkehrung eines Werbespruchs: "Die Meinungsfreiheit ist unbezahlbar. Für alles andere gibt es Mastercard."  

Wie viele Kunden letztlich wirklich auf die Dienste verzichten, ist fraglich. Weit höher als die Umsatzeinbußen dürfte jedoch der Imageschaden sein.

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