Unternehmensberater: Beratungsgeschäft wird auch für McKinsey schwieriger - Seite 3

Unternehmensberater: Beratungsgeschäft wird auch für McKinsey schwieriger

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Millionenrat: Die drei größten Strategieberatungshäuser in Deutschland
Millionenrat: Die drei größten Strategieberatungshäuser in Deutschland (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Matterns Dementi zu dieser Praxis klingt eher halbherzig: „Wir veröffentlichen keine Geschäftszahlen, weil der Umsatz eines Jahres keine relevante Zielgröße ist, um eine Unternehmensberatung zu steuern, und weil er für das nationale Büro einer international agierenden Firma bisweilen nur willkürlich abzugrenzen ist. Wir verschieben auch keine Umsätze, zutreffend ist nur, dass unser Büro in Wien zum Organisationsbereich des deutschen Büros gehört.“

Aufmerksam verfolgt wird der BCG-Vorstoß im öffentlichen Sektor von McKinsey aber vor allem, weil der kurze Draht zu staatlichen Stellen seit Beginn der Krise noch wichtiger geworden ist: Ein Großteil der lukrativen Sanierungsaufträge bei Unternehmen wird derzeit von Ministerien vergeben, die wiederum mit Bürgschaften und Garantien in der Pflicht stehen. Aufträge im öffentlichen Sektor werden zwar schlecht bezahlt, viel wichtiger sind aber die Kontakte zu den Entscheidern, die sich im Regierungsgeschäft knüpfen lassen.

Vertrauen von höchster Stelle

„McKinsey hat ein hervorragendes Netz und holt damit viel Geschäft rein“, sagt Beratungsexperte Fink. Die Meckies haben aus früheren Aufträgen der öffentlichen Hand beste Kontakte zu Ministerien und Spitzenpolitikern und kommen so an Aufträge, etwa wenn Gutachter empfehlen, wer staatliche Hilfen bekommen soll. Beispiel Opel: Sowohl die Kanzlerin als auch ihr Wirtschaftsminister stützten sich bei der Entscheidung für das Magna-Übernahmekonzept auf eine Schnellanalyse, die McKinsey-Berater innerhalb von 36 Stunden im Auftrag des hessischen Finanzministeriums erstellten. Auch bei der Vergabe von Sanierungsaufträgen in der Kreditwirtschaft mischen staatliche Stellen mit, etwa für notleidende Landesbanken, den nach wie vor auf der Kippe stehenden Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate oder die teilverstaatlichte Commerzbank.

Berater-Kritiker wie Richard Münch sehen den wachsenden Einfluss der Consulter zwar kritisch: „McKinsey & Co. sind längst nicht mehr reine Ratgeber, sondern die neuen Machthaber, denen sich die lokalen Autoritäten unterwerfen müssen, um in der Weltgesellschaft als legitime, rational handelnde Akteure gelten zu können“, schimpft der Soziologe in seinem gerade erschienenen Buch „Globale Eliten, lokale Autoritäten. Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von Pisa, McKinsey & Co.“.

Großer Einfluss in den USA

Tatsache ist aber, dass die Regierungen auf externes Know-how angewiesen sind, wenn sie neue Strategien zur Krisenbewältigung entwickeln wollen. In den USA ist diese Einsicht schon weiter gediehen – und damit auch der Einfluss der Berater. So vertraut Präsident Barack Obama auf die Hilfe von McKinsey-Personal beim Umbau der US-Wirtschaft. Diana Farrell, stellvertretende Direktorin im nationalen Wirtschaftsrat, war lange Jahre Direktorin des Thinktanks McKinsey Global Institute. Farrell hat maßgeblich an der Reform der Finanzaufsicht mitgewirkt, die Obama vor Kurzem vorstellte. Sie gehörte auch der Taskforce an, die General Motors und Chrysler in die Insolvenz schickte. An die Spitze der für Kleinbetriebe zuständigen Behörde setzte Obama die Finanzexpertin und Ex-McKinsey-Beraterin Karen Mills.

So groß ist der Einfluss hierzulande zwar noch nicht. Aber die Meckies arbeiten daran. Und auch wenn Mitbewerber versuchen nachzuziehen: Der weltweite Netzwerk-Vorsprung bleibt – vorerst. So gesehen, könnte das Beratungsunternehmen letztlich sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen. Auch in Deutschland.

17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.07.2009, 01:05 UhrAnonymer Benutzer: Mitverantwortlich für die Krise

    McKinsey oder Ex-McKinseyleute finden sich in den Vorstandsetagen aller in Schwierigkeiten geratenen banken. Die meisten Firmen, die jetzt insolvent sind, waren zuvor langjährige beratungsopfer von McKinsey. Wenn darüber gesprochen wird, die Ratingagenturen zu regulieren ist es mindestens genausowichtig über Restriktionen für die Martaustrittsspezialisten von McKinsey zu sprechen: Wechsel zu Klienten beschränken, keine Vergabe von Aufträgen an ehemalige Arbeitgeber, langjährige Nachhaftung für beratungshonorare, die bei insolvenz für 8 Jahre durch einen insolvenzverwalter noch zurückgefordert werden sollten ...

  • 06.07.2009, 01:18 UhrAnonymer Benutzer: Hüstel...

    Also: Junge Uni Absolventen mit MbA... Mich deucht hier dicht' der Stammtisch: Jedes halbwegs seriöse MbA Studium setzt ein Minimum an 5 Jahren beruferfahrung vor (!) Aufnahme voraus. Nun der Mensch schätzt halt einfache Lösungen: Schuld sind am liebsten die anderen. ich fürchte Herr(?) 'Cash Flow' weist hier eher in die richtige Richtung - wir haben selbst die Entwicklungen der letzten Jahre 'befördert' anderen aber gern die Realisierung anvertraut.

  • 03.07.2009, 23:54 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    @berater: Es ist schlimm, wenn man Uni-Absolventen als "berater" verkauft. Schlimmer noch, wenn es "MbAs" sind. Denn diese Leute wissen nicht, dass sie nicht wissen. Shoshana Zuboff, ehemalige Harvard-Professorin, die 15 Jahre lang in MbA-Programmen lehrte, sagt:

    "i have come to believe that much of what my colleagues and i taught has caused real suffering, suppressed wealth creation, destabilized the world economy, and accelerated the demise of the 20th century capitalism"

    Sehr interessant. Siehe http://www.businessweek.com/managing/content/jul2009/ca2009072_489734.htm

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