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Unternehmensberater: Beratungsgeschäft wird auch für McKinsey schwieriger

von Hans-Jürgen Klesse und Julia Leendertse

Großaufträge brechen weg, das Beratungsgeschäft wird schwieriger. Das spürt auch Marktführer McKinsey – trotz seines engmaschigen Netzwerks.

McKinsey-Deutschland-Chef Mattern: Zu Beginn der Kür Außenseiterkandidat für das Spitzenamt
McKinsey-Deutschland-Chef Mattern: Zu Beginn der Kür Außenseiterkandidat für das Spitzenamt
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Die Voraussetzungen hätten besser kaum sein können. Zu vergeben war das Beratungsmandat für zwei problembeladene Großunternehmen, die verschmolzen werden sollten. Ein Auftrag für Restrukturierungs- und Kostensenkungsexperten mit Fusionserfahrung. Ein Auftrag für McKinsey.

Auch die Rahmenbedingungen für die Auftragsakquisition waren eigentlich optimal. Der Auftraggeber war früher selbst Partner beim größten Consulter Deutschlands, der Schwager arbeitet dort immer noch. Gute Vernetzung ist Gold wert, wenn solche Aufträge zu vergeben sind. McKinsey hat das beste Netzwerk der Branche.

Dennoch ging der Auftrag nicht an McKinsey: Commerzbank-Chef Martin Blessing übertrug das Millionenmandat bei der Übernahme der Dresdner Bank den schärfsten Konkurrenten von der Boston Consulting Group (BCG). Der wegen der Fusion ohnehin in die Kritik geratene Banker mochte sich nicht zusätzlich noch Vetternwirtschaft vorwerfen lassen. Ganz hängen lassen wollte die Bank McKinsey aber auch nicht, wie ein Insider weiß: „Auch die sind inzwischen wieder dabei.“ Nur mit einem Teilauftrag, aber immerhin.

Konkurrenzkampf wird härter

So ähnlich ergeht es McKinsey in letzter Zeit offenbar häufiger. Nicht immer funktioniert das weitverzweigte Netzwerk in den Unternehmen so reibungslos als Akquisitionsmaschine wie bisher – manchmal braucht es einen zweiten Anlauf. Neu installierte Vergabeverfahren für Berateraufträge in vielen Firmen machen McKinsey ebenso zu schaffen wie Attacken der Wettbewerber auf Stammmärkte wie den öffentlichen Sektor. Hinzu kommt: Weil große Konzerne ihre Beraterbudgets wegen der Krise zusammenstreichen, wird der Konkurrenzkampf härter. „Das verursacht Druck auf unsere Honorare“, räumte McKinsey-Deutschland-Chef Frank Mattern schon vor Monaten ein.

Der kommende Mittwoch ist ein besonderer Tag für die weltweit 17.000 McKinsey-Beschäftigten – dann wird der Kanadier Dominic Barton als neuer Weltchef inthronisiert. Der bisherige Asien-Verantwortliche ist Nachfolger des Briten Ian Davis, der seit 2003 an der Spitze der weltgrößten Managementberatung stand. Fast hätten die 2300 deutschen Meckies besonderen Grund zur Freude gehabt, galt ihr Chef Mattern doch zu Beginn der Königskür als durchaus chancenreicher Außenseiterkandidat.

Partylaune ist nicht angesagt

Daraus ist nichts geworden, und Partylaune ist ohnehin nicht angesagt. Auf rund 18,2 Milliarden Euro beziffert der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater das Marktvolumen für klassische Beratungsthemen, knapp vier Milliarden entfallen auf IT-Beratung. Doch die Krise geht auch am Beratermarkt nicht spurlos vorüber: Für 2009 gehen die 25 umsatzstärksten Beratungshäuser in Deutschland nach Schätzung des Marktforschers Lünendonk von einem Minus von 2,4 Prozent aus. Das spürt auch McKinsey: Zwar konnte der Marktführer mit einem geschätzten Jahresumsatz von 645 Millionen Euro 2008 noch einmal zulegen – aber weit weniger als der Markt.

Im Moment brechen viele große Beratungsbudgets weg“, sagt Dietmar Fink, Beratungsexperte und Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. So stellte Siemens-Chef Peter Löscher Anfang des Jahres alle Berateraufträge unter Vorstandsvorbehalt. Jüngstes Beispiel ist die Deutsche Telekom, die ihren Honorartopf für Berater um gut 20 Prozent eingedampft hat. Fink schätzt, „dass der deutsche Beratungsmarkt in diesem Jahr um sechs bis sieben Prozent schrumpfen wird“. Eva Manger-Wiemann, Partnerin der Züricher Meta-Beratung Cardea, die Unternehmen bei der Beraterauswahl berät, ist noch skeptischer: „Wir befürchten einen Rückgang um bis zu 20 Prozent.“

17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.07.2009, 01:05 UhrAnonymer Benutzer: Mitverantwortlich für die Krise

    McKinsey oder Ex-McKinseyleute finden sich in den Vorstandsetagen aller in Schwierigkeiten geratenen banken. Die meisten Firmen, die jetzt insolvent sind, waren zuvor langjährige beratungsopfer von McKinsey. Wenn darüber gesprochen wird, die Ratingagenturen zu regulieren ist es mindestens genausowichtig über Restriktionen für die Martaustrittsspezialisten von McKinsey zu sprechen: Wechsel zu Klienten beschränken, keine Vergabe von Aufträgen an ehemalige Arbeitgeber, langjährige Nachhaftung für beratungshonorare, die bei insolvenz für 8 Jahre durch einen insolvenzverwalter noch zurückgefordert werden sollten ...

  • 06.07.2009, 01:18 UhrAnonymer Benutzer: Hüstel...

    Also: Junge Uni Absolventen mit MbA... Mich deucht hier dicht' der Stammtisch: Jedes halbwegs seriöse MbA Studium setzt ein Minimum an 5 Jahren beruferfahrung vor (!) Aufnahme voraus. Nun der Mensch schätzt halt einfache Lösungen: Schuld sind am liebsten die anderen. ich fürchte Herr(?) 'Cash Flow' weist hier eher in die richtige Richtung - wir haben selbst die Entwicklungen der letzten Jahre 'befördert' anderen aber gern die Realisierung anvertraut.

  • 03.07.2009, 23:54 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    @berater: Es ist schlimm, wenn man Uni-Absolventen als "berater" verkauft. Schlimmer noch, wenn es "MbAs" sind. Denn diese Leute wissen nicht, dass sie nicht wissen. Shoshana Zuboff, ehemalige Harvard-Professorin, die 15 Jahre lang in MbA-Programmen lehrte, sagt:

    "i have come to believe that much of what my colleagues and i taught has caused real suffering, suppressed wealth creation, destabilized the world economy, and accelerated the demise of the 20th century capitalism"

    Sehr interessant. Siehe http://www.businessweek.com/managing/content/jul2009/ca2009072_489734.htm

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