
Die Voraussetzungen hätten besser kaum sein können. Zu vergeben war das Beratungsmandat für zwei problembeladene Großunternehmen, die verschmolzen werden sollten. Ein Auftrag für Restrukturierungs- und Kostensenkungsexperten mit Fusionserfahrung. Ein Auftrag für McKinsey.
Auch die Rahmenbedingungen für die Auftragsakquisition waren eigentlich optimal. Der Auftraggeber war früher selbst Partner beim größten Consulter Deutschlands, der Schwager arbeitet dort immer noch. Gute Vernetzung ist Gold wert, wenn solche Aufträge zu vergeben sind. McKinsey hat das beste Netzwerk der Branche.
Dennoch ging der Auftrag nicht an McKinsey: Commerzbank-Chef Martin Blessing übertrug das Millionenmandat bei der Übernahme der Dresdner Bank den schärfsten Konkurrenten von der Boston Consulting Group (BCG). Der wegen der Fusion ohnehin in die Kritik geratene Banker mochte sich nicht zusätzlich noch Vetternwirtschaft vorwerfen lassen. Ganz hängen lassen wollte die Bank McKinsey aber auch nicht, wie ein Insider weiß: „Auch die sind inzwischen wieder dabei.“ Nur mit einem Teilauftrag, aber immerhin.
Konkurrenzkampf wird härter
So ähnlich ergeht es McKinsey in letzter Zeit offenbar häufiger. Nicht immer funktioniert das weitverzweigte Netzwerk in den Unternehmen so reibungslos als Akquisitionsmaschine wie bisher – manchmal braucht es einen zweiten Anlauf. Neu installierte Vergabeverfahren für Berateraufträge in vielen Firmen machen McKinsey ebenso zu schaffen wie Attacken der Wettbewerber auf Stammmärkte wie den öffentlichen Sektor. Hinzu kommt: Weil große Konzerne ihre Beraterbudgets wegen der Krise zusammenstreichen, wird der Konkurrenzkampf härter. „Das verursacht Druck auf unsere Honorare“, räumte McKinsey-Deutschland-Chef Frank Mattern schon vor Monaten ein.
Der kommende Mittwoch ist ein besonderer Tag für die weltweit 17.000 McKinsey-Beschäftigten – dann wird der Kanadier Dominic Barton als neuer Weltchef inthronisiert. Der bisherige Asien-Verantwortliche ist Nachfolger des Briten Ian Davis, der seit 2003 an der Spitze der weltgrößten Managementberatung stand. Fast hätten die 2300 deutschen Meckies besonderen Grund zur Freude gehabt, galt ihr Chef Mattern doch zu Beginn der Königskür als durchaus chancenreicher Außenseiterkandidat.
Partylaune ist nicht angesagt
Daraus ist nichts geworden, und Partylaune ist ohnehin nicht angesagt. Auf rund 18,2 Milliarden Euro beziffert der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater das Marktvolumen für klassische Beratungsthemen, knapp vier Milliarden entfallen auf IT-Beratung. Doch die Krise geht auch am Beratermarkt nicht spurlos vorüber: Für 2009 gehen die 25 umsatzstärksten Beratungshäuser in Deutschland nach Schätzung des Marktforschers Lünendonk von einem Minus von 2,4 Prozent aus. Das spürt auch McKinsey: Zwar konnte der Marktführer mit einem geschätzten Jahresumsatz von 645 Millionen Euro 2008 noch einmal zulegen – aber weit weniger als der Markt.
Im Moment brechen viele große Beratungsbudgets weg“, sagt Dietmar Fink, Beratungsexperte und Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. So stellte Siemens-Chef Peter Löscher Anfang des Jahres alle Berateraufträge unter Vorstandsvorbehalt. Jüngstes Beispiel ist die Deutsche Telekom, die ihren Honorartopf für Berater um gut 20 Prozent eingedampft hat. Fink schätzt, „dass der deutsche Beratungsmarkt in diesem Jahr um sechs bis sieben Prozent schrumpfen wird“. Eva Manger-Wiemann, Partnerin der Züricher Meta-Beratung Cardea, die Unternehmen bei der Beraterauswahl berät, ist noch skeptischer: „Wir befürchten einen Rückgang um bis zu 20 Prozent.“









