Unternehmensberatung: Aufstand gegen Roland Berger

Unternehmensberatung: Aufstand gegen Roland Berger

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Unternehmensberater Roland Berger: Ehemalige Weggefährten sehen das Erbe der Beraterlegende kritisch

von Cornelius Welp

Ärger bei Roland Berger: Expartner prüfen eine Klage gegen die Unternehmensberatung. Es geht um mehr als 100 Millionen Euro.

Mittendrin, da ist er zu Hause. Auch am vergangenen Montag war Roland Berger dort, wo er meist zu finden ist – bei den Mächtigen. Sein Termin im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt diente jedoch einem guten Zweck. Bundespräsident Horst Köhler verlieh Helmut Kohl, der sich von Hessens Ministerpräsident Roland Koch vertreten ließ, den vom 72-jährigen Unternehmensberater gestifteten „Preis für Menschenwürde“. Das Preisgeld von einer Million Euro stiftete der Altkanzler der Universität Heidelberg und einem Krankenhaus in Sri Lanka. Die Auszeichnung ist eine der am höchsten dotierten in Deutschland. 50 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen hat Berger dafür in eine Stiftung eingezahlt — eine vorbildhafte Leistung.

Jahrzehnte hat Berger Unternehmen und Regierende in Deutschland beraten. Das hat ihn reich und zum Mittelpunkt eines beispiellosen Netzwerks gemacht. Nun arbeitet er daran, dass er der Nachwelt als Wohltäter in Erinnerung bleibt.

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Dieses Ansinnen untergraben ausgerechnet ehemalige Weggefährten, die Bergers Hinterlassenschaft weit kritischer sehen, als es dem Beraterpatriarchen lieb sein kann. Mehrere ehemalige Top-Manager der Unternehmensberatung fühlen sich von dem Gründer gemobbt und finanziell über den Tisch gezogen. Grund dafür sind Ansprüche, die in Summe mehr als 100 Millionen Euro betragen dürften und deren Auszahlung die Unternehmensberatung nach Meinung einiger Expartner seit Jahren systematisch verzögert. Die in aller Welt verstreuten Ex-Berger-Partner sind offenbar gerade dabei, sich zu organisieren, um den Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen. Dazu prüfen sie nach eigenen Angaben auch gemeinsame juristische Schritte.

Es schien so, als müsse man nur die Hand aufhalten

Die Wurzeln des Konflikts zwischen den ehemaligen Beratern und ihrem alten Unternehmen reichen mehr als zehn Jahre zurück. 1988 übernahm die Deutsche Bank die Mehrheit an der Unternehmensberatung, die Berger 1967 eröffnet hatte. Weil beide Seiten nicht mehr so recht glücklich waren, entschieden sie sich gut zehn Jahre später, den Schritt rückgängig zu machen. Zu diesem Zweck sollten die damaligen Top-Manager die Unternehmensberatung wieder selbst kaufen.

Eine interne Berger-Präsentation aus dem Jahr 2000 malt die von der Deutschen Bank unabhängige Zukunft in leuchtenden Farben. Gleich auf einer der ersten Seiten ist vom „Enthusiasmus“ aller Beteiligten die Rede. „De facto kosten uns die Anteile der Deutschen Bank nichts“, heißt es da. Der Kaufpreis würde, so der Plan, sukzessive komplett mit den Dividenden aus den Anteilen der Deutschen Bank gezahlt. Die Partner mussten zwar mit ihrem Privatvermögen bürgen, jedoch nur für die Hälfte des ausgehandelten Rückkaufpreises von rund 235 Millionen Euro. Sobald die Deutsche Bank eine entsprechende Summe erhalten hatte, verfielen die Garantien.

Wer sich an der Aktion beteiligte, so schien es, musste am Ende nur die Hand aufhalten. Denn der Wert des Unternehmens sollte in den Folgejahren durch das Herauskaufen der Deutschen Bank kräftig steigen. Um davon zu profitieren, erhielten die Partner neue, nichtstimmberechtigte Anteile, sogenannte B-Shares. Deren Wert sollte proportional zur Tilgung des Kaufpreises wachsen. Laut Präsentation sollte dieser 2005, spätestens 2006 beglichen sein. Den Gegenwert der B-Shares wollte das Unternehmen anschließend über einen Zeitraum von fünf Jahren an seine Manager auszahlen.

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