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Unternehmensberatung: Wo der neue Roland-Berger-Chef ansetzen muss

von Hans-Jürgen Klesse

Der neue Roland-Berger-Chef Martin Wittig und sein Vorgänger Burkhard Schwenker sollen das Beratungshaus zukunftssicher machen.

Martin Wittig, Chef der Beratungsgesellschaft Roland Berger Quelle: Bernd Auers für WirtschaftsWoche
Martin Wittig, Chef der Beratungsgesellschaft Roland Berger Quelle: Bernd Auers für WirtschaftsWoche

Am 1. August 2010 übernimmt Martin Wittig als Nachfolger von Burkhard Schwenker sein neues Amt als Chef der Strategieberatung Roland Berger. Dann beginnt für das größte deutsche Beratungshaus eine neue Ära. Das heißt es in solchen Fällen oft – aber diesmal stimmt es wirklich. Der Firmengründer und -namensgeber Roland Berger zieht sich komplett zurück. Auf seinen bisherigen Posten als Aufsichtsratschef und auch als Vorsitzender der Roland Berger Stiftung zum Schutz der Menschenwürde rückt Schwenker nach. "Das ist ein ganz geordneter Transformationsprozess, wie wir ihn auch unseren Kunden empfehlen", sagt Wittig.

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Das Duo steht vor großen Herausforderungen: Der Markt für klassische Strategieberatung stagniert, der Druck auf Umsätze und Honorare wächst, das auf permanentem Wachstum basierende Geschäftsmodell mit seinen schnellen Aufstiegsmöglichkeiten für Prädikats-Hochschulabgänger ist in Gefahr. Nach Ansicht von Insidern bringt das neue Führungsteam gute Voraussetzungen mit, um die Aufgabe zu lösen. Schwenker kann weiterhin in seiner Rolle als brillanter Stratege glänzen, Wittig das Tagesgeschäft führen und Berger dort stärker machen, wo in Zukunft die Musik spielt. Als bisheriger Finanzvorstand kennt der neue Vormann das Unternehmen bis ins Detail. Und als jemand, der vor und während des Studiums immer mal wieder unter Tage im Bergwerk gearbeitet hat, kennt er auch das "richtige Leben". Das unterscheidet den neuen Berger-Frontmann von vielen seiner Kollegen.

Seine Vorbilder

Wittig startete seine Berater-Karriere bei den "Struckies". So heißen die auf Sanierung und Restrukturierung spezialisierten Berater. In dieser Disziplin gilt Berger als besonders kompetent. Das Handwerk gelernt hat er bei Karl Kraus (Spitznamen: "Machete" oder "Ledernacken-Kraus"), der das Restrukturierungsgeschäft aufgebaut hat. Vorbild und Mentor ist für Wittig aber eher Firmengründer Roland Berger: "Ich bewundere authentische Manager und Unternehmer, die ein persönliches Risiko tragen." Zur ersten Gruppe gehört der frühere Lufthansa-Chef Jürgen Weber ("ein väterlicher Freund"), zur zweiten Peter Spuhler, Eigentümer des schweizerischen Bahnausrüsters Stadler Rail. Außerhalb seines beruflichen Umfelds gilt Wittigs besondere Hochachtung "Menschen, die etwas für andere tun", wie der Norweger Johann Olav Koss. Der frühere Rekord-Eisschnellläufer gründete die Entwicklungshilfeorganisation "Right to Play", die Kinder fördert, die Opfer von Krieg, Armut und Krankheit geworden sind.

Seine Vorlieben & Abneigungen

Wittigs Interessen sind vielfältig. Er war Leistungssportler – Schwimmer, Marathonläufer und Triathlonkämpfer. Sein Studium hat er teilweise als Skilehrer finanziert. "Sport ist wichtig, ich will fit bleiben", sagt er. Einmal im Jahr fährt er eine Woche zum Heliskiing nach Kanada "zum Abschalten". Dass er fit ist, sieht man dem 46-Jährigen an, auch wenn er die sportliche Betätigung heute häufig auf das Hotel-Gym beschränken muss. Doch Sport ist nicht alles: Wittig sammelt zeitgenössische Kunst und besucht Ausstellungen. Er geht in klassische Konzerte ("Ich freue mich schon auf das Luzerner Fest und die Fidelio-Aufführung"), hört im Auto aber auch die Hits der britischen Sängerin Amy Winehouse. Und er ist gern mit Menschen zusammen, die nichts mit seinem Job zu tun haben, lädt regelmäßig Musiker und bildende Künstler zu sich nach Hause ein. Wittig verabscheut Kleingeistigkeit und Intoleranz. "Man kann seine Überzeugungen vertreten und notfalls dafür kämpfen", sagt er, "und trotzdem andere Ansichten tolerieren."

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.07.2010, 19:14 UhrHägar Schmidt

    Das Zeitalter von beratungsorganisationen, die mit angestellten Mitarbeitern skalieren wollen, ist inzwischen vorbei. berger und andere sind Dinosaurier, die von ihrem angestaubten Ruf bei ganz bestimmten Kunden (Vorstände von DAX-Organisationen) punkten (denn da geht es nur um die Marke). Für die restlichen Kunden macht es keinen Sinn (hat nie Sinn gemacht), kurzerhand angelernte Uni-Abgänger in Armani-Anzügen anzuheuern. Sie wählen ihre berater individuell - man heuert eben den "Experten Thomas Müller" und nicht den "Mitarbeiter von der beratung XYZ" an.
    Die Zukunft der beraterbranche gehört eindeutig den freischaffenden Experten. Somit erübrigt sich die Frage nach der Strategie von berger. Roland berger hat das sinkende Schiff verlassen - andere sollten schauen, dass sie mit ihrer Karriere etwas Sinnvolles anstellen.

  • 22.07.2010, 18:35 UhrKommentar

    Schade, daß Roland berger aufhört. Es gibt aber ältere Unternehmer, die ihr eigenes Werk weiterführen, außer sie sind krank. Gibt es viell. ein anderen Grund warum er sein Werk abgibt. Wahrscheinl. ist die Situation, die die Unternehmen heute in Deutschland u. auf dieser Welt gegenüberstehen, eine neue, sehr schwierige und globale vernetzte Situation. Auch Roland berger ist dagegen gewappnet, wahrscheinlich ?!

  • 22.07.2010, 17:34 Uhrstein

    ..hoffe der Neue räumt in dem Laden mal richtig auf.Er könnte die ersten Jahre damit verbringen,berger zu beraten.

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