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Unternehmensberichte: In Luft auflösen

von julia leendertse unternehmen@wiwo.de

CSR-Reports füttern eine eigene, vernetzte Branche.

Ob Unternehmen sich ethisch korrekt verhalten oder Dreck am Stecken haben – rund um diese Frage hat sich ein milliardenschwerer Markt für Dienstleister und Zertifizierer entwickelt. Agenturen für Kommunikation und Imagepflege wie Burson-Marsteller, Scholz & Friends oder Pleon Kohtes Klewes erstellen kiloschwere Nachhaltigkeitsberichte. Wirtschaftsprüfer wie KPMG oder PriceWaterhouseCoopers prüfen die Zahlenwerke. Ratingagenturen wie die Münchner Oekom Research oder Scoris in Hannover analysieren die Reports, veröffentlichen Rankings und beraten Ökofonds, in wen sie investieren können. Das Pikante: Diese Ratingagenturen stehen im engen Kontakt mit Nichtregierungsorganisationen, haben Zugang zu deren Datenbanken und sind daher ständig up-to-date, an welchen Standorten es zu Verstößen gegen das selbst auferlegte Reglement in Sachen Corporate Social Responsibility (CSR) kommt. Der öffentliche Druck ist offenbar so groß, dass KMPG 2005 herausfand, dass damals bereits 52 Prozent der 250 größten Unternehmen der Fortune-500-Liste Nachhaltigkeitsberichte herausgaben – und es werden stetig mehr. „Allein in Deutschland legen etwa 130 Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte vor“, schätzt Ellen Frings vom Institut für Organisationskommunikation in Bensheim, das etwa E.ON oder Heidelberg Cement in Sachen CSR berät. Zwar nimmt sich kaum ein Konsument oder Anleger die Zeit, die Reports zu studieren. Die Leserschaft ist klein. Dafür aber umso einflussreicher. US-Pensionsfonds machen ihre Investmententscheidungen davon abhängig, ob ein Unternehmen im Dow Jones Sustainibility Index oder im FTSE4good gelistet ist – also die Nachhaltigkeitsbewertungen, der weltweit führenden Anbieter von Aktienindizes bestanden haben. Schließlich wollen die Pensionsfonds sichergehen, dass sich ihre langfristigen Investments nicht durch Umweltskandale oder unappetitliche Meldungen über Kinderarbeit und Hungerlöhne über Nacht in Luft auflösen. „Wer zum Beispiel aus dem Ranking von SAM, der Schweizer Vermögensgesellschaft Sustainable Asset Management herausfliegt, die gemeinsam mit der Dow Jones Company weltweit den ersten Nachhaltigkeitsindex DJSI lancierte, hat ein riesiges Problem“, urteilt Andreas Haderlein, CSR-Experte vom Zukunftsinstitut in Kelkheim.

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