„Mit Sicherheit waren es die materiellen Anreize, das Denken ,nach mir die Sintflut‘, das extreme Streben nach schnellen und hohen Gewinnen, das die Banker antrieb“, sagt Dieter Frey, Professor für Klassische Sozialpsychologie in München. „Und sie wussten genau, dass sie weder zur Verantwortung noch zur persönlichen Haftung gezwungen werden konnten.“
Dass Alpha-Banker auf Anerkennung und Geld fixiert sind, unterstellt auch der Offenbacher Psychotherapeut Werner Gross. Seine Praxis liegt nicht an einer der renommierten Frankfurter Meilen, sondern in einem Hinterhof nahe dem Bahnhof. Eigentlich eine No-go-Area für Frankfurts Nadelstreifen-Träger. Doch Gross’ Klienten schätzen die Anonymität – oft steht ihnen das Wasser bis zum Hals. „Banker haben häufig keine Distanz zu ihrem Job. Die haben nichts – außer Geld“, sagt Gross.
Der Lebensplan vieler Manager: erst Geld verdienen auf Teufel komm raus und dann anfangen zu leben. Doch davon hält Gross nichts: „Das ist ungefähr genauso schwer wie der Ausstieg aus der Prostitution.“ Die Ersten bekommen das schon am eigenen Leib zu spüren: „Der Anteil der Banker mit psychosomatischen Erkrankungen hat in den vergangenen Monaten zugenommen“, sagt Gross. „Bei vielen ist es eher ein Magengeschwür als eine Schleimhautentzündung.“
Also sind künftig in den Unternehmen andere Herdenführer gefragt – 87 Prozent der Manager klagen, dass ihr öffentliches Bild schwer gelitten hat. Sie werden reagieren und umdenken müssen. Kluge Alpha-Tiere schreckt das nicht, glaubt Analytiker Fischer: „Die Begabtesten unter ihnen sind die, die auch Selbstzweifel zulassen können.“
In den Organisationen ändert sich bereits einiges, stellt Christine Stimpel fest, wenn sie im Kundenauftrag Vorstände und Aufsichtsräte sucht. Die Finanzkrise beschleunige die neuen Ansprüche an Führungskräfte: „Jetzt werden auch unsere Aufsichtsräte besser durchmischt und nehmen mehr Frauen und Ausländer in ihre Reihen. Die Räte implementieren effizientere Kontrollen des Managements.“
In Zukunft ist Fingerspitzengefühl gefragt
Die Hoffnung steigt, dass es künftig auf den Führungsetagen anders zugeht – weiblicher, weniger patriarchalisch, ausländischer und besser kontrolliert.
Weiblicher, weil Unternehmen Frauen suchen, die einen anderen Blick auf die Analyse und Lösung von Problemen haben. Und oft anders und besser kommunizieren. Kürzlich hat Siemens-Chef Peter Löscher mit Barbara Kux die erste Frau in den Vorstand geholt; sie verantwortet den Einkauf.Internationaler, weil globale Denker aus anderen Ländern neue Sichtweisen einbringen. 43 Ausländer macht Heidrick & Struggles unter den 182 Dax-Vorstandsmitgliedern aus; wie etwa den Dänen Kasper Rorsted bei Henkel. Tendenz: steigend.Weniger patriarchalisch, weil sich die junge Generation von Managern und Managerinnen nun mehr als je zuvor die Frage stellt, wie akzeptabel Hierarchien sind und auf wie viel Privatleben es sich zugunsten der Karriere zu verzichten lohnt. Jüngstes Indiz: die steigende Zahl beruflich erfolgreicher Väter, die sich Elternzeit nehmen und für Monate bei ihrem Kind bleiben.Besser kontrolliert, weil die Finanzkrise gezeigt hat, dass interne und externe Sicherungssysteme wie die Bankenaufsicht Hand in Hand untergegangen sind. „Vor allem die Aufsichtsräte müssen in den Unternehmen effizienter werden“, sagt Stimpel. „Das passiert auch schon.“ Zugleich wird in der Berliner Koalition heftig um das Thema Managerhaftung gerungen. Wie viel Zugriff aufs eigene Vermögen müssen sich Manager gefallen lassen, die ihre beruflichen Pflichten verletzt haben? Fehler werden teurer, so viel steht jetzt schon fest.
Auch intern ist Fingerspitzengefühl gefragt – in und vor allem nach der Krise brauchen Mitarbeiter einen Motivationsschub. „Während der Krise bleiben die Mitarbeiter, weil sie nichts Besseres finden“, sagt Stimpel. „Erst wenn sich das ändert, wird sich zeigen, wer seine Mannschaft wirklich zusammenhalten kann und über außergewöhnliche Führungsfähigkeit verfügt.“ Auch Mut zur Kritikfähigkeit dürfte bei der Besetzung von Alpha-Jobs künftig neue Wertschätzung erleben, sagt Führungsberater Fischer. Aber in zwei Richtungen: Wer austeilt, muss auch einstecken können. „In den nächsten Jahren werden Manager in der Öffentlichkeit auf Muskelspiele verzichten und sehr viel differenzierter und gemäßigter auftreten müssen“, sagt Stimpel. „Die Krise wirkt wie ein Schalldämpfer.“
Der aber schnell wieder abgeschraubt werden könnte – sobald Anzeichen für ein Ende der Krise in Sicht sind. „Ist die Kuh erst mal vom Eis, kann ich mir vorstellen, dass sich viele Manager die unangenehmen Fragen rund um ihre Persönlichkeit nicht mehr stellen“, sagt Psychoanalytiker Fischer. „Ich befürchte, dass die Einsicht nur kurzfristig ist und die nächste Blase oder Übertreibung schon wieder entsteht“, so Sozialpsychologe Frey. Nicht nur Manager, sondern ganze Volkswirtschaften haben bisweilen ein kurzes Gedächtnis.














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Alle Kommentare lesen13.07.2009, 13:46 UhrAnonymer Benutzer: Someone is perfect
Was soll man von der Generation der Großmäuler denn schon erwarten? Sie kennen keine Loyalität, auch nicht dem eigenen Arbeitgeber gegenüber, zerstören jegliche Firmenkultur zugunsten des eigenen Vorteils und jammern nun, Sie hätten das alles ja nicht gewollt. Ganz wie einstigen Hurra-Schreier der Kriegsgeneration. Deutschland, ein Volk der Unbelehrbaren?
13.07.2009, 13:25 UhrAnonymer Benutzer: gast
Ein Haufen Scheisse: Psychoanalyse anstelle von Schwerarbeit in Straflagern. Was fällt den Journalisten ein. Nichteinmal eine Wirtschaftszeitung darf sich solchen Unfug erlauben. Aber verantwortlich zu handeln gefällt denen hüben und drüben nicht.
13.07.2009, 12:31 UhrAnonymer Benutzer: Professor keine Ahnung
ich kann nicht verstehen wie Alpha Manager, die wegen ihrer Werte oder besser gesagt wegen ihrer Erfahrung so hoch Pokern und zum SCHLUSS AUF DiE FRESSE FLiEGEN AUF KOSTEN DER ARbEiTER.
Warum werden diese Manager vom Aufsichtsrat nicht besser Kontrolliert!!! ich gebe Deutschland nicht mehr lange Zeit,denn unsere Freunde im Asiatischen Kontinent werden uns ueberrollen . Und den interessiert es einen Scheiss wegen Technologie. Sie werden die Technologie kaufen in Europa fuer Millionen und fuer Milliarden verkaufen,siehe Krupp Thyssen. Erst verkaufen Sie alle Huettenwerke und spaeter kaufen Sie von den gleichen Leuten ihr Stahl zurueck.HAHA unsere Alpha Manager, ich lach mich kaputt!!!