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Unternehmenssoftware: Moderne Zeiten bei SAP

von Michael Kroker

Die große Eintracht-Show geht weiter: Auf der Kundenmesse Sapphire sorgen die beiden neuen SAP-Chefs für gute Stimmung – und verteidigen ihren Sechs-Milliarden-Dollar-Einkauf.

Das SAP-Logo auf der CeBit. Quelle: REUTERS
Das SAP-Logo auf der CeBit. Quelle: REUTERS

Es ist kurz nach halb neun am Montagabend, etwas später als erwartet, als sich Jim Hagemann Snabe mit einem Glas Rotwein bewaffnet unter die Gäste in der Bar der Schirn Kunsthalle in Frankfurt mischt. Dort lassen Journalisten, Analysten und SAPler zu jenem Zeitpunkt bereits seit rund zwei Stunden den ersten Tag der diesjährigen SAP-Kundenmesse Sapphire mit Sekt und Canapés ausklingen.

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Und der Auftritt von Hagemann Snabe, der seit Anfang Februar mit Bill McDermott die neue Doppelspitze beim Walldorfer Softwarekonzern SAP bildet, fügt sich nahtlos ein in das unprätentiöse Bild, das die neuen Chefs bei früheren Auftritten wie etwa der diesjährigen CeBIT vermittelt haben: Ohne Bugwelle oder sonstige Umschweife kommt der Däne mit den Anwesenden ins Gespräch. „Entschuldigen Sie mein Deutsch“, sagt er mit einer entwaffnenden Offenheit – und das, obwohl er fast akzentfrei spricht. Egal ob eine kritische Nachfrage zur jüngsten Übernahme oder zum möglichen Rückzug von der US-Börse – Hagemann Snabe weicht mit seinen Antworten nicht aus und versucht, bei den Umstehenden eine positive Grundstimmung zu erzeugen.

"Einen Schalter umgelegt"

Moderne Zeiten bei SAP? Immerhin, die Schirn Kunsthalle liegt mitten in der historischen Altstadt Frankfurts in unmittelbarer Nachbarschaft von Kaiserdom und Römerberg. Doch im Gegensatz zur historisch-kitschigen Rekonstruktion der spätmittelalterlichen Gebäude rund um den Rathausplatz ist „die Schirn“ ein Mitte der 80er Jahre konzipierter moderner Museumsbau. Dass die SAP-Verantwortlichen das Frankfurter Ausstellungshaus einzig und allein aus jenem Grund für das lockere Get-together ausgewählt haben – wohl eher nicht. Dennoch versprüht das Bar-Restaurant im Schirn unterschwellig ein Ambiente irgendwo zwischen Coolness und Gemütlichkeit. Ob gewollt oder nicht – es ist eine passende Anspielung an die neue Zeitrechnung, die bei SAP mit den beiden neuen Vorstandsvorsitzenden eingezogen ist.

Am heutigen Dienstag sind der 48-jährige Amerikaner McDermott und der 44-jährige Däne genau hundert Tage im Amt. SAP-Mitgründer und -Aufsichtsratsboss Hasso Plattner hatte Anfang Februar in einer Hauruckaktion den ungeliebten Vorgänger Léo Apotheker aus dem Unternehmen gedrängt und sie dafür an die Spitze des Walldorfer Konzerns gehievt. Und für diese kurze Zeit ist die Erfolgsbilanz der beiden durchaus beachtlich – und zwar intern wie extern. „Es ist, als ob einer einen Schalter umgelegt hätte“, sagt ein hochrangiger SAP-Manager über die Stimmung im Konzern, die sich seit Apothekers Demission um 180 Grad gewendet habe.

Das auffälligstes Signal für die neue Aufbruchstimmung haben McDermott und Hagemann Snabe freilich erst in der vergangenen Woche raus in die Welt geschickt: So hat die neue SAP-Spitze Freund und Feind mit der Ankündigung überrascht, den US-Datenbankhersteller Sybase für stolze 5,8 Milliarden Dollar schlucken zu wollen– immerhin die zweitgrößte Übernahme in der SAP-Geschichte überhaupt.

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.06.2010, 12:13 UhrAnonymer Benutzer: FredClever2

    @Datenbankmodell
    "Jede Software ist so gut wie das Datenbankmodell was darunter liegt; die Datenbank selbst ist dabei völlig unerheblich."

    Das stimmt so nicht und klingt für mich nach typisch "Entwicklersicht", sorry.
    Das wäre auch so als ob Du sagst, dass das Material aus dem ein Hochhaus besteht (und auch die dazu gehörige interne Technik) wäre egal, solange der Architekturplan stimmt.

    Richtige Geld kosten Datenbanksysteme ebenfalls im Laufe des "Arbeitslebens", bei der Wartung, beim Tuning, beim backup, bei Umstellungen, bei Crashes etc.
    Da ist es dann super wichtig, dass man einen "stabilen Motor" hat - und genau DEN hat SAP sich jetzt mit Sybase gekauft.
    bei SAP muss endlich Schluss sein, mit dem Rumgeeiere bei der Db-Engine (das war ja schon fast peinlich mit SAP-Db etc.) Anderenfalls sehe ich das Gleiche Schicksal wie damals bei NiXDORF voraus - das wäre Schade für SAP _und_ für Deutschland.

    ich stimme Dir somit zu 50% zu: ein vernünftiges Datenmodell ist die "halbe Miete", aber eben nicht die Ganze.

    Gruß, Fred C2.

  • 19.05.2010, 22:46 UhrAnonymer Benutzer: Datenbankmodell

    jede Software ist so gut wie das Datenbankmodell was darunter liegt; die Datenbank selbst ist dabei völlig unerheblich. Glaubt SAP mit diesem Deal wirklich an einen Vorteil; Oracle will mit Macht aus der Abhängigkeit des Datenbankgeschäftes heraus und SAP geht genau in die andere Richtung. irgendwie wissen die nicht mehr warum sie einmal so gross geworden sind. betriebsblindheit ist der Anfang vom Ende für jeden Dino

  • 19.05.2010, 21:44 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    Tue ich ja - SAP ist ein Ramschkunde.

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