Unternehmer Michael Otto: "In trüben Kanälen"

Unternehmer Michael Otto: "In trüben Kanälen"

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Unternehmer Michael Otto

von Peter Steinkirchner

Unternehmer Michael Otto über Südafrika vor der Fußball-WM, Schulungen für Baumwollfarmer und Deals mit Söldnerbanden.

WirtschaftsWoche: Herr Otto, Sie sind als Unternehmer seit Jahren in Afrika aktiv. Was bringt die Fußball-WM dem Ausrichter Südafrika?

Michael Otto: Die ganze Welt schaut für mindestens vier Wochen auf das Land. Südafrika bekommt so die Chance, sich als attraktiver Gastgeber zu präsentieren. Das wird den Tourismus beflügeln, es sorgt für Verbesserungen bei der Infrastruktur und wird womöglich auch deutsche Unternehmen zu Investitionen reizen, was jahrelang nur stiefmütterlich geschah. Der Westen darf Afrika nicht China überlassen.

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Bringt die WM auch dem Kontinent etwas?

Neben Südafrika wird der ganze Kontinent profitieren – die Weltöffentlichkeit nimmt wahr, dass Afrika nicht nur aus Krieg und Krisen besteht, aus Hunger und Armut. Afrika ist ein Kontinent voller Chancen, der mitten im Aufbruch steckt und voller Kreativität ist. Und Südafrika ist das Kraftwerk Afrikas.

Eins mit riesigen Problemen: Die Arbeitslosigkeit liegt inoffiziell bei 40 Prozent, der Großteil der schwarzen Bevölkerung ist von der Entwicklung abgehängt – kommt die WM für das Land nicht viel zu früh?

Das glaube ich nicht. Schließlich kann die WM ein Aufbruchsignal sein. Wenn die Welt hinschaut, erhöht das den Druck auf die Regierung, die Herausforderungen in den Griff zu bekommen. Niemand kann alle Probleme des Landes und schon gar nicht die des Kontinents mit seinen 53 Staaten und Hunderten von Volksgruppen auf einen Schlag lösen. Das geht nur Schritt für Schritt.

Sie machen einen mit Ihrer Initiative Cotton Made in Africa, einem Projekt Ihrer Stiftung Aid by Trade. Was bringt das?

Es ist schlicht Hilfe zur Selbsthilfe für Hunderttausende von afrikanischen Bauern. Agrarprodukte wie Baumwolle gehören zu den wichtigsten Exportgütern Afrikas. In manchen Ländern steht Baumwolle für mehr als die Hälfte der Exporte. Allerdings können die Baumwollfarmer angesichts der durch Subventionen vor allem in den USA brutal gedrückten Weltmarktpreise kaum überleben. Die USA unterstützen ihre 25 000 Cotton-Farmer jährlich mit drei Milliarden Dollar – der gleiche Betrag an Entwicklungsgeldern, mit dem sie Gesamtafrika unterstützen.

Wozu führt das?

Afrikanische Bauern können von den Erträgen aus der Baumwollernte nicht leben, selbst dann kaum, wenn die ganze Familie auf den Feldern arbeitet. Unser Ziel ist es einerseits, durch Schulung besserer Anbautechniken höhere Ernteerträge und Umweltfreundlichkeit zu erreichen. Dann belasten weniger Pestizide und Düngemittel die Böden. Die Bauern müssen nicht mehr so viel Geld dafür ausgeben, und die Versalzung der Äcker wird gestoppt. Andererseits haben wir eine Nachfrageallianz aus mittlerweile 27 Unternehmen gebildet – darunter Tchibo, die Rewe Group, Puma und natürlich die Otto-Gruppe –, die diese Baumwolle garantiert abnimmt. Das bedeutet verlässliches Einkommen für Kleinbauern.

Wo ist Cotton made in Africa aktiv?

Begonnen haben wir vor fünf Jahren in Benin, Burkina Faso und Sambia. Heute haben wir 140 000 Baumwollbauern im Programm. Seit Ende 2008 wird das Projekt auch von der Bill und Melinda Gates-Stiftung mit 24 Millionen Dollar unterstützt, sodass wir, ausgestattet mit insgesamt 50 Millionen Euro, jetzt auch weitere Länder wie die Elfenbeinküste und Malawi integrieren können und dann insgesamt gut 200 000 Baumwollbauern schulen. Da zu jeder Bauernfamilie oftmals zehn Personen gehören, wird es dem Projekt gelingen, rund zwei Millionen Menschen nachhaltig einen besseren Lebensstandard zu verschaffen.

Welche Rolle spielt Cotton made in Africa auf dem Weltmarkt?

In diesem Jahr werden 13 Millionen Textilien aus Cotton made in Africa hergestellt. In Relation zur Weltproduktion ist das ein kleiner Anteil. Aber rund wird das Bild, wenn Sie sehen, dass wir beim Start vor drei Jahren erst auf 400 000 Teile kamen. Das Wachstum wird so weitergehen. Auch dank der Fußball-WM wächst die Zahl der Abnehmer stetig, weil das Label für Authentizität steht, mit der sich werben lässt. Unsere Partnerunternehmen kommen längst nicht mehr nur aus Deutschland, sondern aus Spanien, Frankreich, Belgien und den USA.

Sie hätten noch mehr Abnehmer, wenn Sie sich mit der Konkurrenzveranstaltung Better Cotton zusammentäten, an der etwa Adidas, Ikea und H&M beteiligt sind?

Wir sind tatsächlich miteinander sehr konstruktiv im Gespräch, ob es nicht sinnvoll wäre, unsere Initiativen zu verbinden. Unser Modell funktioniert. Aus meiner Sicht würde ein Zusammenschluss sehr viel Sinn ergeben und käme vor allem den Farmern zugute: Wenn sie ihren Ertrag steigern, brauchen wir auch mehr Abnehmer. Eine Entscheidung darüber fällt sicher noch in diesem Jahr.

2009 haben Sie eine Kooperation mit Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus vereinbart und bauen in Bangladesch eine Textilfabrik auf. Ein Vorbild für Afrika?

Es ist insofern ein Vorbild, als dass Afrika davon wegkommen muss, reiner Rohstofflieferant zu sein. Es müssen Veredelungsstufen wie Spinnereien und Kon-fektionsbetriebe in Afrika auf- oder ausgebaut werden. Pläne wie mit Yunus, ein Social Business neuen Typs zu schaffen, gibt es aber noch nicht – erst einmal bauen wir diese Fabrik der Zukunft in Bangladesch auf und sehen, wie das funktioniert. Grundsätzlich könnte man das Modell aber auch in Afrika umsetzen.

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